Reif für die Insel

Gera/Berlin  Julia Laggner hat auf Sal Cap Verde für Namibia Silber gewonnen, doch beim Turnier in Gera machte sich Müdigkeit breit

Beachvolleyballerin Julia Laggner (links) gewinnt mit Kim Seebach bei den All African Beach Games auf der Insel Sal Cap Verde die Silbermedaille. In der Mitte der namibische Trainer James Verrinder.

Beachvolleyballerin Julia Laggner (links) gewinnt mit Kim Seebach bei den All African Beach Games auf der Insel Sal Cap Verde die Silbermedaille. In der Mitte der namibische Trainer James Verrinder.

Foto: Privat

Gera war eine Reise wert, auch wenn es sportlich nicht nach Wunsch lief. „Es war ein schönes Turnier vor schöner Kulisse. Top organisiert. Leider sind wir nur Fünfte geworden“, sagt Julia Laggner. Sie hatte schon vor dem ersten Aufschlag auf dem schmucken Geraer Marktplatz gemerkt, sie ist müde und ihre Partnerin Melanie Höppner, mit der sie in Deutschland spielt, konnte es nicht ausgleichen. Doch Gera war ein Muss für Julia Laggner, ihr Freund Lucas Mäurer ist hier aufgewachsen. „Das war toll, Familie und Freunde zu treffen“, sagt die 26-Jährige. Warum es nur zu Platz fünf reichte? Vielleicht schwingen da auch die Reise- und Turnierstrapazen auf die afrikanische Insel Sal Cap Verde mit. Die Saison ist jetzt schon lang und anstrengend für die Beach-Volleyballerinnen.

Gera war eine Reise wert, das Turnier top gemacht

Julia Laggner und Kim Seebach vertraten ihr Geburtsland Namibia bei den ersten All African Beach Games. Insgesamt 53 afrikanische Länder in insgesamt elf Sportarten wie Beach-Handball, Kite-Surfen, Beach-Tennis und eben Beach-Volleyball tummelten sich am Strand.

„Ein tolles Turnier, ein tolles Erlebnis. Auf einem Strandareal von fünfhundert Metern fand alles statt. Wirklich klasse und für afrikanische Verhältnisse waren die Spiele auch ordentlich organisiert. Wir sind froh, dass wir das Abenteuer Sal Cap Verde angegangen sind.“ Auch sportlich lief das Turnier für Julia Laggner und Kim Seebach sehr gut. In der Poolrunde spielten sie gegen Kongo, Mosambik und Marokko. Als Gruppenzweiter – nach einer Niederlage gegen Mosambik – zogen sie ins Viertelfinale. Doch der Modus war seltsam, nicht wie üblich, spielten die Teams nach der Gruppenphase in Überkreuzvergleichen gegeneinander. Es wurde die Punktedifferenz der Vorrunde ausgerechnet und dann spielte der Punktbeste gegen den Schlechtesten. So trafen Nigeria und Kenia wieder aufeinander, obwohl sie schon im Pool Gegner waren. „Da hätte man sich die Vorrunden doch sparen können.“ Das Turnier zog sich eh schon in die Länge, weil es nur ein Spiel pro Tag zu bestreiten gab. Doch die Beiden konnten natürlich nicht die afrikanische Sonne, den mit Palmen gesäumten weißen Sandstrand genießen. Also hieß es, sich ins Hotel zurückzuziehen, Ruhe und Schatten zu suchen, Kräfte zu sparen. Diese Disziplin zahlte sich aus. Im Viertelfinale gelang ein 2:0-Sieg gegen Angola, im Halbfinale lieferten Laggner/Seebach ihr bestes Spiel ab, am Ende stand ein Zweisatzsieg gegen Kenia im Protokoll. „Das war unser bestes Spiel, flüssig, technisch sauber, auch wenn Kim das ganze Turnier über aufgeregt und nervös war.“ Im Finale gelang es nicht, die Leistung vom Semifinale zu wiederholen. Gegen Marokko, dass man im Pool noch 2:1 besiegt hatte, setzte es eine 0:2-Niederlage. Doch nur kurz war die Enttäuschung. Mit Silber bei den African Beach Games erkämpften sie die erste internationale Volleyball-Medaille für Namibia. Der Verbandspräsident schickte umgehend ein Mail, gratulierte zum Erfolg auf Sal Cap Verde. Und gern hätte es der nationale Verband gesehen, wenn das „Silberpaar“ auch bei den All African Games im August in Marokko spielen würde, denn der Sieger qualifiziert sich direkt für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Doch die Wahl-Berlinerin hatte schon vor dem Start auf Sal Cap Verde angekündigt, sie werde kürzer treten, ihre internationale Laufbahn ausklingen lassen. Also fliegt nun ein noch jüngeres Duo für Namibia nach Marokko. „Ja, das war mein letzter Wettkampf im namibischen Nationaltrikot“, sagt sie mit einem tick Wehmut und ist froh, dass er mit dem Gewinn der Silbermedaille endete. Dass sie in Namibia die unangefochtene Nummer eins sind, sei schön, aber auch irgendwie ärgerlich. Namibia ist im Beachvolleyball ein Entwicklungsland, in Afrika ticken die Uhren anders. Es würden zwar viele mit Beachvolleyball anfangen, doch es fehlt am langen Atem und kaum eine setzt ihre Laufbahn im Ausland fort. Aufgewachsen ist Julia in Windhoek – die Familie lebt in dritter Generation in Namibia. Sie hat die Deutsche Höhere Privatschule besucht, „nur wer auf dieser Schule ist, hat ein Abitur, das auch in Europa anerkannt wird“.

Jetzt hat sie in Deutschland ihr Studium (Marketing-Design) abgeschlossen, die ersten Bewerbungen verschickt. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – und der Volleyball ist nicht mehr die Nummer eins.

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