Renthendorfer Brehm-Haus stellt sich wissenschaftlich auf

Renthendorf  Seit Anfang dieses Jahres hat die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf mit Kim Janke erstmals eine erfahrene Museologin

Museologin Kim Janke zeigt ein Geburtstagsschreiben von Reinhold Brehm aus Jena an seinen Vater Christian Ludwig Brehm aus dem Jahr 1856.  

Museologin Kim Janke zeigt ein Geburtstagsschreiben von Reinhold Brehm aus Jena an seinen Vater Christian Ludwig Brehm aus dem Jahr 1856.  

Foto: Frank Kalla

„Es ist wunderschön hier.“ Kim Jankes Augen blitzen auf, während sie diesen Satz sagt. Und man glaubt ihr auf der Stelle, wenn die gebürtige Osnabrückerin, die seit einigen Jahren in Leipzig lebt, von der Ruhe in Renthendorf schwärmt.

Ruhe und noch mehr Geduld wird Janke, die Museologie in Leipzig studierte und bis Ende Dezember vergangenen Jahres als wissenschaftliche Mitarbeiterin im „Evelyn Richter und Ursula Arnold“-Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Museum der bildenden Künste in Leipzig tätig war, an ihrer neuen Arbeitsstätte in Renthendorf brauchen. Steht die 35-Jährige doch vor der Herausforderung, die Bestände der Brehm-Gedenkstätte unter museologischen Gesichtspunkten zu erfassen. Ihr Job ist unbefristet.

Neben der Registrierung, Archivierung und Digitalisierung der Bestände steht überdies die Katalogisierung und Zustandserfassung der Brehm-Bibliothek auf der Agenda.

Als Janke vor wenigen Tagen einen ersten Blick auf die 13.000 Bücher, Hefte und Zeitschriften umfassende Bibliothek warf, bekam sie einen ersten Vorgeschmack, welche Pionierarbeit hier erst einmal geleistet werden muss. „Der physische Zustand einiger Werke, insbesondere jener, die als Bestandteil der Familienbibliothek im Brehm-Haus gezeigt wurden, ist nicht sonderlich gut“, schätzt sie ein. Etliche Bücher seien von Schimmel befallen, Spuren von Papierfraß seien sichtbar. Zwar sei der Bibliotheksbestand im Kreisarchiv in Camburg hervorragend gelagert. „Hier sind etliche Exemplare aber auch ausgetrocknet und lassen sich nicht mehr aufklappen“, erklärte sie.

„Die Familienbibliothek befand sich im Erdgeschoss, wo es stellenweise sehr feucht war“, benannte Gedenkstätten-Leiter Jochen Süß eine Ursache für den schlechten Zustand der Bücher.

Dabei befinden sich wahre Schätze im Bestand, beispielsweise „Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber und Pfleger einheimischer und fremdländischer Käfigvögel“ von Alfred Brehm von 1872/76. Manche Werke, wie die „Illustrierte Gartenlaube“ ließen sich mit Sicherheit auf dem Büchermarkt in einem besseren Zustand finden. „Hier geht es aber darum, etwas zu bewahren, was die Brehms tatsächlich in den Händen hielten und nutzten“, erklärte Süß.

Neben der Zustandserfassung will Janke eine Verschlagwortung der Bibliothek erarbeiten. Der Bestand ist nur grob erfasst, erst mit einer Verschlagwortung der Werke wird ein wissenschaftliches Arbeiten möglich.“ Daneben sei auch die konservatorische und restauratorische Aufarbeitung der Werk wichtig.

In gutem Zustand seien die rund 2300 Autografen, die sich im Bestand der Brehm-Gedenkstätte befinden. Bei den Autografen handelt es sich unter anderem um die Briefkorrespondenz der Brehms. Vieles wurde bereits in den vergangenen Monaten vom damaligen Volontär Stefan Kurth digitalisiert und registriert. „Auf dieser Arbeit kann man aufbauen“, dankt Kim Janke dem Volontär.

Oberstes Ziel der Museologin ist es, das in Renthendorf vorhandene Wissen zusammenzuführen und für einen wissenschaftlichen Austausch aufzubereiten.

„Brehm soll auf dem Thüringer Wissenschaftsportal mit vertreten sein. Wir wollen uns als Brehm-Museum komplett digital darstellen“, lautet der Anspruch von Jochen Süß, der mit der unbefristeten Anstellung von Kim Janke die Gedenkstätte erste Schritte in Richtung Wissenschaft gehen sieht.

„Ich brenne für diese Aufgabe“, sagt Janke. Dokumentation, Sammlungsmanagement und Forschung seien spannende Aufgaben.

Vielleicht gab auch die Leidenschaft für die Museologie den Ausschlag, dass Kim Janke gegenüber den 38 anderen Mitbewerbern um die Stelle in Renthendorf am Ende durchsetzen konnte. Die Position war deutschlandweit ausgeschrieben worden und hatte für Bewerbungen von vielen Wissenschaftlern gesorgt.

Finanziert wird die Stelle über den Freistaat Thüringen, angestellt ist die Museologin beim Zweckverband „Brehm-Gedenkstätte“. Süß ist dem Land Thüringen mehr als dankbar, dass eine echte Museologin dauerhaft mit ins Team geholt werden konnte. „Kim Janke kann jetzt den Grundstein für das geplante wissenschaftliche Zentrum in Renthendorf neben dem Brehm-Haus legen.“

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