Riesiger Sanierungsstau an Brücken im Saale-Holzland

Eisenberg.  Im Saale-Holzland fehlen 145 Millionen Euro für die Erneuerung von Brücken und Kreisstraßen. Die Folgen: Verkehrseinschränkungen und Sperrungen.

Die Saalebrücke zwischen Rothenstein und Oelknitz muss nach der Fertigstellung der Ortsumgehung saniert werden.

Die Saalebrücke zwischen Rothenstein und Oelknitz muss nach der Fertigstellung der Ortsumgehung saniert werden.

Foto: Foto: Katja Dörn

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Marode Widerlager, bröckelnde Stützmauern und Uferbefestigungen, zerschlissene Fahrbahnen – der Sanierungsstau an den Brücken und Straßen des Saale-Holzland-Kreises ist riesig. „Um marode Bauwerke und kaputte Kreisstraßen zu erneuern, bräuchten wir 145 Millionen Euro“, sagt Steffen Grosch, Amtsleiter Zentrale Dienste in der Kreisverwaltung. Eine Summe, die der Kreis nicht zur Verfügung hat. Und die noch weit über dem Sanierungsstau an den Schulen des Landkreises liegt, der mit mehr als 60 Millionen Euro beziffert wird.

7 Millionen Euro im Jahr nötig, um weiteren Verfall aufzuhalten

Um den weiteren Verfall an Brücken und Straßen und damit ein weiteres Anwachsen des Sanierungsstaus aufzuhalten, bräuchte der Landkreis jährlich sieben Millionen Euro für Investitionen. Doch nicht einmal diese Summe hat der Landkreis für seine Verkehrsinfrastruktur nicht zur Verfügung. Die Folge sind der weitere Verfall, Tonnagebegrenzungen auf Brücken und Verkehrseinschränkungen bis hin zu Sperrungen von Brücken und Straßenabschnitten.

Vom zunehmenden Verfall betroffen sind unter anderem die Brücken des Kreises, zu denen die klassischen Brückenbauwerke zählen, aber auch Durchlässe mit kleinerem Durchschnitt und Stützmauern. „Die Saalebrücke in Wichmar beispielsweise musste in der Tonnage begrenzt und die Fahrbahn eingeengt werden“, sagt Grosch.

Die Brücken des Kreises werden jährlich gesichtet. Aller sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung, die externe Fachleute mit technischem Gerät vornehmen. Dazu werden die Wasserwege, insbesondere die Weiße Elster und die Saale mit dem Boot befahren, damit Messungen vorgenommen werden können. Geprüft werde auch nach besonderen Anlässen, etwa nach Unfällen oder Hochwassern. Gesonderte Anforderungen gebe es, wenn die Brücken mit elektrischen Anlagen gekoppelt sind, beispielsweise mit Ampeln wie an der Brücke in Crossen.

Die Elsterbrücken in Crossen und Silbitz sind intakt. Probleme bereiten vor allem die Brücken über der Saale. So sagt es der aktuelle Brückenzustandsbericht. „Die Saalebrücke in Wichmar beispielsweise musste in der Tonnage begrenzt und die Fahrbahn eingeengt werden“, berichtet Grosch. Auch die Saalebrücke zwischen Rothenstein und Oelknitz muss saniert werden nach der Fertigstellung der Ortsumgehung. An der Saalebrücke in Rothenstein sei perspektivisch der verschlissene Brückenkörper zu erneuern.

Brücken-Bauwerke sind in die Jahre gekommen

Die Saalebrücken stammen im Wesentlichen aus den 1970er Jahren und verlangen nach mehr als 50 Jahren nach Erneuerung. Manch andere Brücke im Kreis stammt aus der Zeit um 1900. Die älteste Stützmauer – berichtet Grosch – ist aus dem Jahr 1897. In Renthendorf etwa seien vor zwei Jahren Stützmauern erneuert worden. Dort soll es jetzt weitergehen.

„Derzeit wird eine Sanierungsplan aufgestellt für die nächsten fünf bis sechs Jahre“, sagt Grosch. Das große Problem aber bleibt: die fehlenden Finanzen im Haushalt des Kreises. „Die Schulen haben bei den Investitionen nach wie vor oberste Priorität“, sagt Amtsleiter Grosch. Doch ist der Kreisverwaltung wohl bewusst, dass künftig mehr in den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur investiert werden muss als in den vergangenen Jahren. „Wir müssen mehr für unsere Brücken und Straßen tun“, ist auch dem Landrat Andreas Heller (CDU) klar.

Im Doppelhaushalt des Kreises stehen dafür in diesem Jahr etwa zwei Millionen Euro zur Verfügung, knapp die Hälfte davon sind Fördermittel. „Wir würden mehr machen, aber das Land fördert uns im Jahr nur eine große Baumaßnahme und die Eigenmittel müssten wir auch bereit stellen können“, sagt Amtsleiter Grosch. Deshalb bleibt es in diesem Jahr im Wesentlichen bei Restarbeiten an der Kreisstraße 127 zwischen Crossen und Nickelsdorf, bei der Sanierung der Kreisstraße 182/192 zwischen Altenberga und Greuda sowie beim weiteren Bau von Stützmauern an Straßen.

Zahlen und Fakten zum Sanierungsstau:

Der Sanierungsstau an Brücken und Straßen des Saale-Holzland-Kreises beläuft sich auf 145 Millionen Euro. Sieben Millionen Euro wären pro Jahr nötig, damit er nicht noch weiter anwächst.

Im Doppelhaushalt 2020/21 des Kreises sind 100.000 Euro für Brückengutachten im Verwaltungshaushalt vorgesehen. Im Vermögenshaushalt sind 2 Millionen Euro, davon gut 850.000 Euro Fördermittel in diesem und weitere 728.000 Euro im nächsten Jahr für Investitionen geplant für Restarbeiten an der Kreisstraße 127 nach Nickelsdorf und die Sanierung der Kreisstraße 182/192
Altenberga-Greuda. Dazu kommen pro Jahr 300.000 Euro für Planungsleistungen, 50.000 Euro für Abwassersammler und 100.000 für die Erneuerung von Straßenbelägen.

Der Investitionsplan weist für Brücken und Kreisstraßen im Jahr 2022 gut 4,5 Millionen und für 2023 gut 2,4 Millionen Euro aus.

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