Sein letzter Wunsch: Noch einmal Trockenborn besuchen

Trockenborn.  Michael Schubert ist todkrank. Der letzte Wunsch des 54-Jährigen wurde jetzt erfüllt. Der ASB-Wünschewagen fuhr ihn in die Heimat, nach Trockenborn.

Christian Giebner vom ASB im Wünschewagen des Kreisverbandes.

Christian Giebner vom ASB im Wünschewagen des Kreisverbandes.

Foto: Foto: Jens Henning

„Mein Bruder war dankbar. Er hatte sich diesen Tag so sehr gewünscht“, sagt Steffen Schubert (51) aus Bad Klosterlausnitz. Für seinen Bruder, den 54 Jahre alten und todkranken Michael Schubert, wurde die Fahrt vom Klinikum Jena ins 22 Kilometer entfernte Trockenborn und zurück die letzte große Fahrt in seinem Leben.

Die vergangenen vier Monate hatte Michael Schubert im Krankenbett auf der Intensivstation des Jenaer Universitätsklinikums verbracht. Er wusste, dass er nicht mehr lange lebt. Er durfte, wenn auch nur für wenige Stunden, noch einmal zurück in seine Heimat.

„Er war im Ort sehr beliebt. Das lag nicht nur an seiner jahrelangen Tätigkeit in der freiwilligen Feuerwehr“, erzählt Steffen Schubert. Dass er noch einmal viele Freunde und Bekannte sehen durfte, „war einfach nur wunderbar. Ich kann den Leuten von der Klinik und vom Wünschewagen im Namen unserer Familie nur danken, dass sie das möglich machen konnten“, sagt Steffen Schubert.

Ein letztes Mal Klöße und Rouladen essen

Sein Bruder hatte genaue Vorstellungen, wie der Tag in seiner gewohnten Umgebung ablaufen sollte. Für das Mittagessen hatte er sich unbedingt noch einmal Klöße, Rotkraut und Rouladen gewünscht. Dann wollte er Kaffeetrinken. Für das Abendbrot wünschte er sich Mutzbraten.

Es hatte sich in Trockenborn und Wolfersdorf schnell herum gesprochen, dass „Micha“ wieder daheim ist. Das halbe Dorf schaute vorbei. Keiner stellte die Frage nach seinem Gesundheitszustand. Keiner nahm das Wort Krankheit oder gar Tod in den Mund.

„Der gesamte Tag war von einer unglaublichen Herzlichkeit geprägt“, berichtet Oberarzt Dr. Mark Simon aus der Intensivstation (ITS) des Uniklinikums Jena. Er saß mit im Wünschewagen des ASB Kreisverbandes Jena. Das Team der ITS hatte den Transport überhaupt erst möglich gemacht.

Michael Schubert genoss in seinem Heimatort jede Minute

„Normalerweise bleibt das Herzunterstützungssystem, dass Herrn Schubert angelegt werden musste, bei uns in der Klinik. Wir wussten aber, dass ein Transport nur möglich ist, wenn wir die Pumpe irgendwie in den Wagen installiert bekommen. Das klappte. Immerhin wiegt der dazugehörige Kasten knapp 20 Kilogramm“, erklärt Simon.

Der Oberarzt spürte bei den meisten Menschen, die ihren Bekannten und Freund noch einmal sehen wollten, schon Berührungsängste. „Das kann man den Leuten nicht übel nehmen. Der Umgang mit dem Tod oder dem nahenden Tod ist nicht einfach. Deshalb wussten viele der Besucher auch nicht, was sie sagen sollten, als sie Herrn Schubert gegenüber traten. Ich spürte so eine Mischung aus Freude, den Menschen noch einmal zu sehen, und einer gewissen Angst, dass er bald sterben wird.“ Für Simon, der 1999 am Jenaer Universitätsklinikum begann, war es die erste Begegnung mit dem Wünschewagen des ASB Jena.

„Ich bin ehrlich, ich kannte den Wünschewagen bis zu dem Anruf von Herrn Giebner vom ASB nicht. Wir kamen schnell ins Gespräch. Es war genauso schnell klar, dass wir Herrn Schubert diesen Wunsch unbedingt erfüllen müssen“, sagte der Oberarzt.

Eine sehr emotionale Fahrt nach Trockenborn

Christian Giebner erklärte, „dass sein Helfer-Team vom Wünschewagen auch solche Wünsche erfüllt. Wir hatten seit Dezember 2017 schon deutlich weitere Fahrten mit unserem Fahrzeug. Die Fahrt nach Trockenborn war auch für uns eine besondere, weil eine sehr emotionale. Wenn man sieht, wie viele Menschen da waren, um Herrn Schubert noch einmal zu erleben, spürt man, wie beliebt er in seinem Heimatort war.“

Michael Schubert genoss jede Minute. „Er war richtig gut drauf. Diese wenigen Stunden waren wohl das Beste, was meinem Bruder passieren konnte“, sagt Steffen Schubert.

Oberarzt Simon verglich den neunten Dezember gar mit einer Geburtstagsfeier. Auch er, der vorher noch nie in der Doppelgemeinde Trockenborn-Wolfersdorf war, fühlte sich nach wenigen Stunden fast wie ein Teil der Familie.

„Ich hatte das Gefühl, dass er sehr glücklich war.“

„Mir wurde das Haus gezeigt, in dem Herr Schubert viele Jahre wohnte. Ich habe auch den Keller gesehen. Da hatte er viel gebastelt in seiner Freizeit.“ Für ihn waren diese Einblicke wichtig, wie sich auf der Rückfahrt nach Jena zeigen sollte. Zwischenzeitlich waren bis zu 30 Menschen in dem kleinen Wohnzimmer in dem Haus.

„Ich hatte schon Angst, dass Herr Schubert auf der Rückfahrt weinen würde. Es kam anders. Wir haben uns die gesamte Fahrt wunderbar unterhalten. Wir haben auch über seine Hobbys gesprochen. Ich hatte das Gefühl, dass er sehr glücklich war“, sagte Simon.

Zwei Tage später, am 11. Dezember, verstarb Michael Schubert im Alter von 54 Jahren in Jena.

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