Sozialer Wohnungsbau für Eisenberg geplant

Eisenberg  Die Arbeiterwohlfahrt will am Busplatz in der Kreisstadt einen geförderten Neubau errichten. Der Förderbescheid wird noch erwartet. An dem hängt das Vorhaben.

Modellhafte Visualisierung des Architekturbüros für sozialen Wohnungsbau am Busplatz in Eisenberg. Visualisierung: Architektur- und Ingenieurbüro Hermann & Zschiegner

Modellhafte Visualisierung des Architekturbüros für sozialen Wohnungsbau am Busplatz in Eisenberg. Visualisierung: Architektur- und Ingenieurbüro Hermann & Zschiegner

Foto: Architektur- und Ingenieurbüro Hermann & Zschiegner

Sozialer Wohnungsbau soll auch in der Kreisstadt des Saale-Holzlandes errichtet werden. Nicht die klassischen Wohnungsunternehmen in Eisenberg werden die Bauherren sein. Für das soziale Wohnbauvorhaben in Eisenberg macht sich der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt stark.

„Vorgesehen ist ein Neubau mit 31 barrierefreien Wohnungen“, sagt Awo-Geschäftsführer Ralf Batz. Entstehen sollen Zwei-Raum-Wohnungen mit 45 beziehungsweise 60 Quadratmetern Wohnfläche für eine oder zwei Personen. Barrierefrei heiße auch Fahrstuhl im Haus. Ausgestattet werden sollen die Wohnungen allesamt mit Balkons, die Wohnungen in dem – wegen der im Bebauungsplan-Gebiet begrenzten Gesamthöhe – eingerückten Obergeschoss jeweils mit einer Terrasse. Auch Pkw-Stellflächen soll es am Haus geben und eine kleine Grünfläche dahinter.

Mieter in einer solchen Sozialwohnung kann nur werden, wer einen Wohnberechtigungsschein vorweisen kann. „Der Bedarf ist da“, kalkuliert man im Awo-Kreisverband. Vor allem für Senioren mit schmaler Rente seien die künftigen neuen Wohnungen gedacht. Die gebe es nicht nur in der Kreisstadt, sondern auch in andere Kommunen im Kreis. Und der Trend, im Alter vom Dorf in die Stadt mit ihrer nahen sozialen Infrastruktur zu ziehen, sei nach wie vor gegeben, sagt der Awo-Geschäftsführer.

Als Bauplatz hat die Arbeiterwohlfahrt eine derzeitige Brachfläche in der Walther-Rathenau-Straße, konkret die Freifläche am Hang hinter den Pkw-Parkplätzen am Busplatz, auserkoren. „Das ist derzeit städtisches Gelände, das wir erwerben wollen“, erläutert Batz. Die Option auf den Flächenerwerb gebe es bereits mit einem Vertrag mit der Stadt, der allerdings noch nicht notariell geschlossen und beurkundet sei.

Voraussetzung dafür, dass die Awo die Option zum Flächenkauf zieht, ist eine verbindliche Zusage der Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau.

Dem Thüringer Landesverwaltungsamt sei das soziale Wohnungsbauvorhaben bereits vorgestellt worden und es sei auf positive Resonanz gestoßen, berichtet Batz. Aktuell werde das Vorhaben für Eisenberg aber noch von der Aufsichtsbehörde in Weimar geprüft. Auf „grünes Licht“ hofft die Awo im Saale-Holzland-Kreis im September. Danach prüfe die Thüringer Aufbaubank ein weiteres Mal, ehe sie die bereits in Aussicht gestellten Fördermittel freigibt. Batz hofft, dass die Bauleistungen gegen Ende dieses Jahres ausgeschrieben werden können.

„Wir waren unter den ersten im Freistaat, die sich um die Förderung bemüht haben, nachdem die Förderrichtlinie für den sozialen Wohnungsbau in Thüringen im Vorjahr erlassen wurde“, sagt Batz. Aber nicht nur deshalb malt sich die Arbeiterwohlfahrt für ihr Neubau-Vorhaben mitten in der Kreisstadt gute Chancen aus.

Die Richtlinie gibt für das geförderte Bauen in besonderer Gebietskulisse strenge Kriterien vor, die mit dem Bauvorhaben am Busplatz erfüllt würden, ist man sich bei der Awo sicher. Ziel der Förderung des sozialen Wohnungsbaus in Thüringen ist es, die Innenstädte zu stabilisieren. Das werde mit der Neuerschließung der Brachfläche geleistet.

Im Gegenzug bietet der künftige Wohnstandort den Mieter gute Bedingungen: zum Beispiel den öffentlichen Personennahverkehr mit dem Busplatz gleich vor der Haustür, womit die Bewohner weitgehend auf ein eigenes Auto verzichten könnten.

Gleich in der Nachbarschaft befinden sich Arztpraxen und Apotheken, und die nächsten Möglichkeiten zum Einkaufen sind auf der gegenüberliegenden Seite des Busplatzes angesiedelt. Auch das Sozialzentrum der Awo ist nur wenige hundert Meter entfernt.

Die Idee für den sozialen Wohnungsbau sei in der Awo geboren worden, nachdem der barrierefreie Neubau im Sozialzentrum in Eisenberg abgeschlossen war – ohne Fördermittel, berichtet Batz. Da die Förderbedingungen für den sozialen Wohnungsbau neu aufgelegt wurden, will die Awo diesmal mit Förderung einen weiteren Neubau errichten lassen.

„Dafür hatten wir uns verschiedene etwaige Bauplätze angeschaut“, berichtet Batz. Auch das Schloss Friedrichstanneck sei darunter gewesen. Dort etwas Neues entstehen zu lassen, würden die Finanzen der Arbeiterwohlfahrt aber nicht zulassen. Zudem seien erst noch schwierige Eigentumsverhältnisse nur mit großem Zeitaufwand zu klären. Die Kosten der nun geplanten Investition am Eisenberger Busplatz würden sich auf etwa 5,5 Millionen Euro belaufen, kalkuliert der Awo-Geschäftsführer. Davon wären etwa 30 Prozent Förderung – so sie vom Freistaat bewilligt wird.

Sollte der Fördermittelbescheid jedoch nicht kommen, dann würde sich die Arbeiterwohlfahrt von dem Bauvorhaben verabschieden. „Die Wohnungen aus eigener finanzieller Kraft zu bauen, würde die Möglichkeiten der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis übersteigen“, sagt Batz. Ein weiterer Hinderungsgrund für das Vorhaben wären nach der Ausschreibung Preise der Baufirmen, die „jenseits von Gut und Böse liegen“.

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