Tafel im Wald erinnert an den Erschließer des Jenaer Hausbergs

Jena  Stumme Zeugen (46) Eine Tafel im Wald erinnert an Carl Wilhelm von Knebel

Den Weg vom Fuchsturm

Den Weg vom Fuchsturm

Foto: Michael Groß

Dass wir heute über die Wilhelmshöhe an der Nordseite des Hausbergs über einen schönen Wanderweg bis zum Fuchsturm gelangen, hat einen Grund. Diese Route ist nicht etwa von selbst entstanden, weil sich viele Jenenser genau hier einen Weg gebahnt haben. Nein, es ist ein bewusst angelegter Pfad, der im nächsten Jahr 180 Jahre alt werden wird.

Die Idee dazu geht unter anderem auf den Botaniker Matthias Jacob Schleiden zurück, der sich 1840 mit dem Offizier Major Carl Wilhelm von Knebel zusammentat, um den bis dato an sich unzugänglichen Hausberg begehbar zu machen. Knebel war ein unehelicher Sohn des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach mit dessen Geliebten, der Kammersängerin Luise von Rudorff. Er kam am 18. Januar 1796 in Templin zur Welt. Über sein weiteres Leben ist nur wenig bekannt. Seine Mutter heiratete 1798 den Freund Goethes, Carl Ludwig von Knebel, welcher den jungen Carl Wilhelm als seinen Sohn adoptierte. 1805 zogen die Knebels dann nach Jena.

Hier verbrachte Carl Wilhelm seine Jugend. Später verfolgte er eine militärische Karriere, stieg bis zum Major empor. Auch arbeitete er als Polizeidirektor in Ebersdorf. Nach Jena zurückgekehrt widmete er sich eben jener kräftezehrenden Aufgabe, um den von Schleiden und ihm gefassten Plan in die Tat umsetzten.

Zu diesem Zweck gründete der Offizier eine Gesellschaft, die er „Knappschaft“ nannte. Unter Knebels Leitung, als Major a.D. war er quasi prädestiniert dafür, fanden sich hier junge Jenenser zusammen, die gemeinsam mit ihm in jahrelanger Arbeit zunächst den Weg am Nordhang und anschließend weitere Wege anlegten.

Der erste Weg führte links von der Wilhelmshöhe über „Kaplans Ruh“ weiter an jener Stelle vorbei, wo man Knebel später mit einer Tafel ehren würde, bis hinauf zum Fuchsturm. Zur Orientierung musste man schlicht auf ein „K“ achten, welches den Pfad markierte.

Das neue Ausflugsziel erfreute sich nach der Fertigstellung der Wege bald großer Beliebtheit innerhalb der Jenenser Bevölkerung, die nun wesentlich einfacher den Hausberg erklimmen konnte. Es verwundert daher nicht, dass sich seine Freunde dazu entschlossen, den mittlerweile alt gewordenen Major für sein Verdienst zu ehren.

Zu diesem Zweck wurde eine schlichte Eisentafel mit goldener Umrandung in eine besonders reizvolle Felswand, nur wenig unterhalb des Fuchsturms, eingelassen. Wie die „Blätter von der Saale“ in ihrer Ausgabe vom 12. Oktober 1858 berichten, war dies eine Überraschung für Knebel. Einige Tage zuvor, es war Donnerstag, der 7. Oktober, führte ein Freund den alten Knebel gegen 14 Uhr über die Wilhelmshöhe zum Ort des Ereignisses. Hier wartete schon eine Gruppe von etwa 30 Personen, bestehend aus Professoren, Beamten und Würdenträgern der Stadt, Studenten und Bürgern auf den Ehrengast.

Kurz vor der Tafelweihe hatte der Bauinspektor Carl Botz dafür gesorgt, dass die Wege nochmals in Ordnung gebracht wurden. Oben angekommen, war Carl Wilhelm von Knebel offensichtlich etwas überrascht von der Menschenansammlung. Hier begrüßte ihn Hermann Ortloff, damals Privatdozent der Rechte an der Universität Jena, und hielt anschließend die Weiherede vor der noch verhüllten Tafel. Ortloff unterstrich dabei vor allem, wie engagiert Knebel den Wegebau und die Erschließung des Hausberges vorangetrieben hatte. Dabei sprach Ortloff auch jene Worte, die heute noch immer Gültigkeit besitzen: „Damit auch Wanderer künftiger Zeiten wissen, wem sie zu danken, haben wir uns erlaubt, an dem Hauptplatz der Anlagen, zugleich Ihrem Lieblingsplatz, Ihren Namen in schlichter Weise zu verewigen, und hoffen, dadurch zur Verschönerung des Ganzen noch etwas beizutragen.“

Anschließend ließ man Knebel hochleben, wobei die Hülle der Tafel fiel und diese mit der schlichten Aufschrift „C.W. v. Knebel“ sichtbar wurde. Der Botaniker Schleiden trug dann noch ein humoristisches Gedicht vor, was für viel Heiterkeit sorgte. Den Tag ließen die Festteilnehmer dann mit einer Wanderung nach Ziegenhain im „Hanfried“ bei Gastwirt Johann Friedrich Wittig ausklingen.

Der Knebel-Tafel kann man recht einfach einen Besuch abstatten. Entweder steigt man vom Fuchsturm kommend den blau-weißen Weg in Richtung Wilhelmshöhe hinab und biegt dann nach kurzer Wanderung rechter Hand auf den weiß-rot-weißen Weg. Oder man steigt, von Jena-Ost kommend, eben diesen Weg in Richtung Fuchsturm hinauf. Dank der guten Beschilderung kann das Ziel nicht verfehlt werden.