Gegenmeinungen zum Eisenberger „Mohrenfest“ sichtbar machen

Luise Giggel
| Lesedauer: 3 Minuten
Gut beschirmt: Auch dieses Jahr wird der Steinweg mit bunten Schirmen zum Fest geschmückt. 

Gut beschirmt: Auch dieses Jahr wird der Steinweg mit bunten Schirmen zum Fest geschmückt. 

Foto: OTZ / Archiv

Eisenberg.  Initiative plant parallele Kundgebung im Friedenspark zum Eisenberger Stadtfest.

Seit das Stadtfest in Eisenberg 2019 einen anderen Namen trägt, gibt es eine Debatte darum. Anfang des Jahres wurde die Organisation für dieses und die nächsten beiden Jahre erneut an die Agentur KonzeptTeam Gera vergeben. Was ebenso gleich bleiben soll, ist der Name „Mohrenfest“.

Kritik daran kam unter anderem von den Linken im Zuge des Internationalen Tages gegen Rassismus im März. Schon im August vergangenen Jahres hatte das Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk (Thadine) in einem offenen Brief darauf hingewiesen, dass der Begriff „Mohr“ bereits seit dem 18. Jahrhundert rassistisch besetzt ist und benutzt wird, um schwarze Menschen als minderwertig zu markieren.

Initiative von Menschen aus dem Landkreis

Nun hat sich im Saale-Holzland-Kreis eine Initiative „gegen den rassistischen Konsens in Eisenberg“ formiert, die unter gleichem Namen am Fest-Samstag, dem 18. Juni, zu einer Veranstaltung aufruft. Von 14 bis 20 Uhr sind unter anderem Redebeiträge, Musik und Workshops geplant. Man wolle damit sichtbar machen, dass „es auch andere Meinungen gibt und zum Nachdenken anregen“, heißt es vonseiten der Initiative. „Wenn die Stadt nicht reagiert, wollen wir eine Gegenkultur entwickeln und zeigen, dass es anders geht“, sagen die Mitglieder.

Man habe den Eindruck, dass die Stadt die Kritik nicht ernst nehme und die fiktionale Sage über den Eisenberger Mohr romantisiere, statt sie aufzuarbeiten. Es gehe darin um Sklaverei, was es schwierig mache, die Sage positiv zu besetzen, finden die Mitglieder der Initiative. Mit der geplanten Veranstaltung einher geht die erneute Forderung nach der Umbenennung des Mohrenfestes sowie nach einer „ernsthaften Aufarbeitung“ und „klaren Positionierung gegen Rassismus“.

Unterschiedliche Positionen akzeptieren

Bürgermeister Michael Kieslich (CDU) verweist indes auf den Freiheitsgedanken der Sage, die zur Eisenberger Stadtgeschichte gehöre. Die Vorwürfe, die Stadt würde Kritik ignorieren, weist er zurück. Es habe Gesprächsrunden gegeben, nur sei die Erwartungshaltung, den Mohr aus der Stadtgeschichte zu streichen, nicht tragbar. Man müsse irgendwann akzeptieren, dass es unterschiedliche Positionen gebe, die sich nicht verändern würden.

Eine Umbenennung des Festes würde nicht zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung führen. Eine solche soll es bald innerhalb einer Ausstellung im Stadtmuseum geben, die allerdings nicht mehr zum Fest fertiggestellt werden könne. Zum Mohrenfest selbst sei ein buntes Programm geplant, etwa sollen wieder bunte Regenschirme im Steinweg hängen als Zeichen der Willkommenskultur. Veranstaltungspunkte, die sich kritisch mit der Eisenberger Sage und dem Namen des Stadtfestes auseinandersetzen, sind für das Juni-Wochenende nicht geplant. Stattdessen steht „der Festcharakter im Vordergrund“, sagte Kieslich auf Nachfrage.

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