Überlebenskampf auf der Theaterbühne in Stadtroda

Stadtroda/Erfurt.  In der Klosterruine in Stadtroda wird am 1. August zum Sommertheater eingeladen. Auf dem Spielplan stehen zwei Stücke des polnischen Dramatikers Slawomir Mrozek.

Das Ensemble des Kinder- und Jugendpfarramtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und des Verein Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt gestalten am 1. August ein Sommertheater in Stadtroda.

Das Ensemble des Kinder- und Jugendpfarramtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und des Verein Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt gestalten am 1. August ein Sommertheater in Stadtroda.

Foto: Stephan Mahn

Das Ensemble des Kinder- und Jugendpfarramtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und des Verein Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt war mit den Einaktern „Auf hoher See“ und „Striptease“ von Slawomir Mrozek auf Tournee in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Am Samstag, 1. August, endet die Tour mit einem Auftritt in der Klosterruine Stadtroda.

Bitterböse Parabel auf Macht, Intrigen und die Manipulierbarkeit

„Auf hoher See“ beschreibt Sabine Kappelt vom Kinder- und Jugendpfarramt der EKM als eine genaue, bitterböse Parabel auf Macht, Intrigen und die Manipulierbarkeit des Menschen. „Das Stück ist eine präzise Studie menschlicher Abgründe, die keineswegs nur in der Extremsituation eines auf hoher See treibenden Floßes zu finden sind“, sagt die Theaterpädagogin. Das Spiel könne zeitlos bleiben, denn das losgelöste Sein vom Alltag durch den Spielort „Auf hoher See“ verleihe dem Stück eine allgemeingültige Bedeutung. „Bezüge zu historischen oder aktuellen Ereignissen wie zum eigenen Erleben kann sich der Zuschauer selbst herstellen“, betont Sabine Kappelt. Zum Stück „Striptease“ erklärt sie, dass Mrożek „wie unter einem Brennglas menschliche Ängste, Konfliktvermeidungsstrategien, Problemverdrängungsmethoden, alberne Philosophie und die Gefahr eines vorauseilenden Gehorsams seziert.“

Das Stück „Auf hoher See“ hat eine klare Ausgangssituation: das Meer, ein Floß und drei Männer, denen die Lebensmittel ausgegangen sind. Um zu überleben, muss einer von ihnen gegessen werden. Wie die drei mit dem Problem umgehen und wie sie es lösen, werde auf sehr hintersinnige Weise gezeigt. Der Weg zum Essen führt über Wahlkämpfe, Abstimmungen und geschickt eingefädelte Argumentationen wie Appelle an Menschlichkeit, Moral, Kameradschaftlichkeit und andere Werte menschlichen Zusammenlebens, denen man sich nicht entziehen kann – hier allerdings geht es ums Gegessenwerden!

Wie reagieren wir Menschen in einer Ausnahmesituation?

In „Striptease“ befinden sich zwei Figuren aus unbekannten Gründen mit einem unbekannten Menschen in einem ihnen unbekannten Raum. Die beiden wurden jäh aus ihrem Alltag gerissen, müssen sich kennenlernen und sich mit der rätselhaften Situation, in die sie geraten sind, auseinandersetzen. Wer bleibt beharrlich sitzen und frönt der inneren Freiheit? Wer will um jeden Preis diesen mysteriösen Ort verlassen und strebt mithilfe der Revolution nach äußerer Freiheit? Wie reagieren wir Menschen in einer Ausnahmesituation, wenn die Möglichkeiten unseres Handelns scheinbar eingeschränkt sind? Finden wir eine gemeinsame solidarische Überlebensstrategie, schaut jeder nur auf sich oder reden wir uns um Kopf und Kragen, um die Situation irgendwie erträglicher zu machen?

Sommertheater am Samstag, 1. August, 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr, Klosterruine Stadtroda. Karten sind nur an der Abendkasse erhältlich, können aber unter Tel. 036428/44124 vorbestellt werden. Die Besucherzahl ist begrenzt, eine Mund-Nasen-Bedeckung ist nötig.

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