Unter falschem Markenzeichen: Farce um Bürgerenergie in Schkölen

Schkölen  Hinter den beiden Bürgerenergiegesellschaften in Schkölen steckt der Windparkentwickler UKA Meißen – Neue Windräder sind schon geplant

Der Windpark bei Wetzdorf.

Der Windpark bei Wetzdorf.

Foto: Susann Grunert

Die Geschichte hinter den beiden Schkölener Bürgerenergiegesellschaften ist dubios. Die Rede ist von der Umweltgerechten Bürgerenergie Schkölen GmbH und der Umweltgerechten Bürgerenergie Schkölen Zwei GmbH. Beide Gesellschaften haben in der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur den Zuschlag für den Bau von Windrädern bei Grabsdorf, Poppendorf und Willschütz erhalten.

An sich nichts ungewöhnliches, schließlich war es das erklärte Ziel der Politik mit der Reform des Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) 2017 die Stellung von Bürgerenergiegesellschaften zu stärken. Damit sollen die Menschen vor Ort von der Energiewende profitieren. Problematisch wird das Ganze aber, wenn große Unternehmen das zu ihrem Vorteil nutzen. So hatte der MDR in Recherchen gezeigt, dass hinter einem Großteil von Bürgerenergiegesellschaften der Windkraftprojektierer UKA Meißen steht, immerhin der zweitgrößte Windkraftbauer Deutschlands.

Auch in Schkölen mehren sich die Hinweise, dass UKA Initiator für die Bürgerenergiegesellschaften ist. So teilen sich die Schkölener Bürgerenergiegesellschaften nicht nur die Adresse und die Telefonnummer mit UKA Meißen.

Noch deutlicher wird die Verbindung bei einem Blick auf die Geschäftsführung der Umweltgerechten Bürgerenergien. So ist in beiden Fällen die UGE Umweltgerechte Energie Komplementär GmbH aus Meißen als persönlich haftender Gesellschafter gelistet. Diese wiederum wird vertreten durch Kay Dahlke – Geschäftsführer der sächsischen UKA. Das geht aus den Auszügen des Handelsregisters hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Auch der Blick auf die Gesellschafter der Bürgerenergiegesellschaften wirft Fragen auf. So sieht die gesetzliche Regelung vor, dass diese mindestens zehn Gesellschafter enthalten muss, von denen die Mehrheit in dem Landkreis lebt, in dem Windräder gebaut werden sollen. In Schkölen bestehen die Gesellschaften aus elf, beziehungsweise zwölf Mitgliedern. Schaffen damit also gerade so die Mindestbedingungen.

Delikat ist auch die Tatsache, dass in der Umweltgerechten Bürgerenergie Schkölen GmbH ein Gesellschafter gelistet ist, der in der jüngsten Sitzung des Stadtrates als UKA-Mitarbeiter auftrat. Dazu erklärte das sächsische Unternehmen auf Anfrage, dass der Mitarbeiter „vorrangig als Privatperson“ agiere.

Vor diesem Hintergrund fand auch Schkölens Bürgermeister Matthias Darnstädt deutliche Worte und sprach von einer „getürkten Gesellschaft“. Für ihn sei deutlich, dass lediglich die Besitzer der Flächen, auf denen Windräder entstehen sollen, in der Bürgerenergiegesellschaft berücksichtigt wurden. „Viele der Gesellschafter wohnen gar nicht hier. Das ist eine ganz seltsame Geschichte“, sagte Darnstädt gegenüber unserer Zeitung. Tatsächlich stammen viele der Gesellschafter zum Beispiel aus Gotha, Dresden, Erfurt oder Jena. Hier werde nur versucht, Akzeptanz für Windräder vorzugaukeln, statt die Betroffenen vor Ort ins Boot zu holen, ergänzt Darnstädt.

Das sieht UKA Meißen anders. So erklärt das Unternehmen, dass man „einen sehr engen Kontakt zu den Bürgern“ in der Region pflege. Die Unterstützung der beiden Gesellschaften räumt UKA auf Nachfrage ein. So habe sich das Unternehmen „entschlossen, den Bürgerenergiegesellschaften als Partner und erfahrener Projektentwickler zur Seite zu stehen.“

Thomas Winkelmann, Vorstand der genossenschaftlichen Bürgerenergie Saale-Holzland, ist sauer über solche Aussagen: „Was das Unternehmen gerade macht, bringt das ganze Konzept der Bürgerenergie in Misskredit. Deswegen distanzieren wir uns klar von UKA“, sagt Winkelmann. Eigentlich sei das Ziel der Bürgerenergiegesellschaft, möglichst viele Menschen vor Ort an den Gewinnen aus erneuerbaren Energien zu beteiligen. So verfüge zum Beispiel die Bürgerenergie Saale-Holzland über 62 Genossenschafter.

Darüber hinaus stört Winkelmann besonders, dass UKA keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Holzländer Bürgerenergie gezeigt habe. „Wir standen mit dem Unternehmen im Kontakt. Aber hier ging es scheinbar nur darum, die Mindestbedingungen einer Bürgergesellschaft zu erfüllen und die Gewinne für das Unternehmen abzuschöpfen“, sagt Winkelmann. Warum UKA Meißen nicht mit der Bürgerenergie Saale-Holzland zusammengearbeitet habe, erklärt das sächsische Unternehmen folgendermaßen: Es sei dem Konzern nicht bekannt gewesen, dass diese existiere. UKA Meißen sei „selbstverständlich gewillt, den Kontakt zu suchen.“

Auch das von UKA angeführte Argument, dass Bürgerenergiegesellschaften ohne einen großen Investor nicht lebensfähig seien, hält Winkelmann für falsch. So hätten die Saale-Holzländer etwa 500 000 Euro für Projekte nur über die Mitglieder einwerben können. Das Pendant aus Weimar habe es sogar auf über eine Million Euro gebracht, ergänzt Winkelmann.

UKA Meißen will neun Windräder bauen

Auf Schkölen könnte demnächst aber noch deutlich mehr zukommen. So stellte UKA Meißen in der Stadtratssitzung die Pläne zum Bau von fünf neuen Windrädern vor. Die Bauanträge dafür sollen in den nächsten zwei Monaten gestellt werden, erklärte der Erfurter UKA-Niederlassungsleiter Patrick Soff im Stadtrat. Und nicht nur das. So stellte Soff auch Pläne für vier Windräder vor, die sich zur Zeit noch außerhalb des festgelegten Windvorranggebietes befinden. Hier geht die Firma offenbar von einer bevorstehenden Erweiterung der Fläche aus.

„Das bringt mich auf die Palme. Das eine Projekt ist noch nicht abgeschlossen, da kommt schon das nächste. Über die Köpfe der Kommunen und Bürger hinweg“, schließt Darnstädt.