BER acht Jahre verspätet eröffnet: Das wurde in dieser Zeit im Saale-Holzland gebaut

Landkreis.  Nach mehr als acht Jahren Verzögerung wird der Berliner Flughafen BER eröffnet. In dieser Zeit wurden Millionen im Saale-Holzland investiert. Ein Überblick

Auch das Besucherzentrum der Porzellanwelten-Ausstellung auf der Leuchtenburg wurde in der Zeit seit der Nichteröffnung des Flughafens BER eröffnet.

Auch das Besucherzentrum der Porzellanwelten-Ausstellung auf der Leuchtenburg wurde in der Zeit seit der Nichteröffnung des Flughafens BER eröffnet.

Foto: Tino Zippel

Eigentlich sollte der neue Hauptstadtflughafen BER am 3. Juni 2012 eröffnet werden. Es kam bekanntlich anders. Am Samstag ist es nun soweit. Auf der Internetseite www.istderberschonfertig.de (Ja, die gibt es.) steht, dass der heutige Freitag der 3072. Tag seit der Nichteröffnung des Flughafens ist. Dass man in mehr als 3000 Tagen eigentlich eine ganze Menge bauen kann, zeigt sich im Saale-Holzland-Kreis.

Denn in der Zeit seit der geplatzten Flughafen-Inbetriebnahme sind im Landkreis einige millionenschwere Bauprojekte umgesetzt worden, die durchaus überregionale Strahlkraft aufweisen. Vom Umfang her kann da sicherlich keines auch nur annähernd mit dem mittlerweile 7 Milliarden Euro teuren Airport-Projekt mithalten (Geplant wurde ursprünglich mit 2 Milliarden Euro). Vergleiche verbieten sich also in dieser Hinsicht.

Bettenhaus, Bildung, Burg

Trotzdem lohnt sich ein Blick auf ausgewählte Bauvorhaben der öffentlichen Hand in den vergangenen acht Jahren, veranschaulicht er doch sichtbare Veränderungen in der Region. Das Landratsamt des Saale-Holzland-Kreises hat hierzu auf Anfrage einige Informationen bereitgestellt. Als jüngstes Beispiel darf der Neubau eines holzverkleideten Bettenhauses (62,5 Millionen Euro) der Waldkliniken Eisenberg gelten. Nach einer Bauzeit von circa 4 Jahren wurde es Anfang des Monats feierlich eingeweiht und soll, wie es der Zufall will, ab dem selben Tag für Patienten und medizinisches Personal offen stehen, an dem auch der Flughafen BER eröffnet wird. Der Landkreis ist Hauptgesellschafter der Waldkliniken.

Mit einem Investitionsvolumen von circa 7,2 Millionen Euro darf auch die Generalsanierung der Regelschule Stadtroda nicht vergessen werden: Laut Landratsamt gab es bei der Bauzeit von August 2017 bis Februar 2019 keinen gravierenden Verzug. Pünktlich fertig wurde im April 2018 der Neubau des Jobcenters in Eisenberg (4,4 Millionen Euro) im Auftrag der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen.

Als ein Jahrhundertprojekt bezeichnet man hingegen in Bürgel den Erweiterungsbau für die Gemeinschaftsschule in der Töpferstadt. Dieser entstand in den Jahren 2013 bis 2016. Kostenpunkt hier: rund 7,8 Millionen Euro. Neben diesen Großbauprojekten, bei denen der Landkreis federführend beteiligt war, gab es auch große Investitionen von Kommunen, etwa die Saalebrücke bei Golmsdorf, oder von Zweckverbänden wie bei der Brehm-Gedenkstätte Renthendorf.

Toilette macht Schlagzeilen

Keine zwei Jahre nach der Nichteröffnung des BER sorgte der Abschluss eines ambitionierten Vorhabens einer Stiftung im Saale-Holzland-Kreis sogar für Schlagzeilen in Berlin. Wenige Tage nach dem Start des ersten Teils der Porzellanwelten-Schau auf der Leuchtenburg im April 2014 berichtete der Berliner Tagesspiegel unter anderem von einer der sehenswertesten Herrentoiletten des Landes im damals neuen Besucherzentrum auf der Burg. Mehr als elf Millionen Euro kostete das Projekt der Stiftung Leuchtenburg. Als Planungsbüro war hier mit der Bau-Consult Hermsdorf Gesellschaft beratender Ingenieure GmbH eines der heute größten Ingenieur- und Architekturbüros in Thüringen verantwortlich.

Einen Bau-Fachmann gefragt

Auch die Fachleute des Unternehmens haben die BER-Misere aus der Ferne verfolgt. „Bei solchen Großprojekten ist es schwer, sich von außen ein Bild zu machen“, sagt etwa Bau-Consult-Architekt Jörg Kießling am Donnerstag rückblickend. Probleme tauchten bei derart komplexen Vorhaben immer auf und die Ursachen für Verzögerungen könnten sehr vielfältig sein. Dennoch steht für Kießling außer Frage, dass von Anfang an etwas schief gelaufen sein muss, wenn eine Abnahme schlussendlich grundsätzlich verweigert wird und viele weitere Mängel offenbar werden. Die Probleme mit dem Flughafen hätten kein gutes Licht auf das eigentlich sehr gute deutsche Ingenieurwesen geworfen. „Das kann einfach nicht sein“, urteilt der Fachmann.