Von Rauda nach Hartmannsdorf: Missverständnis beim Abwasser

Hartmannsdorf.  Gemeinderäte der Orte sind sich einig beim Abwasserkanal – die bisher veröffentlichten Beschlüsse geben das nicht wieder. Das führt zu Verwirrung.

Rechts neben dem Radweg zwischen Rauda und Hartmannsdorf könnte im nächsten Jahr eine Abwasserleitung verlegt werden, um Rauda an die Kläranlage im Crossener Ortsteil Ahlendorf anzuschließen.

Rechts neben dem Radweg zwischen Rauda und Hartmannsdorf könnte im nächsten Jahr eine Abwasserleitung verlegt werden, um Rauda an die Kläranlage im Crossener Ortsteil Ahlendorf anzuschließen.

Foto: Florian Girwert

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Eigentlich war das Problem gelöst worden. Am 17. Oktober hatten die Gemeinderäte von Hartmannsdorf und Rauda in einer gemeinsamen Sitzung jeweils den Beschluss gefasst, den Zweckverband Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung Eisenberg (ZWE) eine Abwasserleitung bauen zu lassen – in der Hangseite in Richtung Wald. Beide Gemeinderäte hatten dem zugestimmt, unsere Zeitung hatte berichtet. Fast eine Million Euro ist als Budget für die Leitung geplant, eine halbe Million Euro Fördermittel sind eingeplant.

Stutzig wurde der Hartmannsdorfer Bürgermeister Armin Baumert unter anderem, als er im Amtsblatt für die Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen las, was der Gemeinderat Rauda in dieser Sitzung beschlossen haben sollte. Von Hangseite in Richtung Wald war da nicht mehr die Rede, sondern „auf dem ehemaligen Radweg“. Aus Sicht des Raudaer Bürgermeisters Hans-Jürgen Dietrich ein Missverständnis. „Wir haben das korrigiert.“ Man sei von der ursprünglichen Beschlussvorlage abgewichen und habe sich recht spontan bei den wesentlichen Teilen am Hartmannsdorfer Beschluss orientiert. Im Protokoll sei das aber nicht vermerkt worden.

Nur in Zusammenarbeit mit beiden Gemeinde beginnen die Arbeiten

Die Korrektur ist inzwischen auch dem ZWE zugegangen. Auch dort ist man verwundert, wie der alte Radweg den Weg ins Amtsblatt gefunden hat. „Die Route hätte zu viele Befindlichkeiten, auch aufgrund der Grundstückseigentümer“, sagt ZWE-Verbandsvorsitzender Matthias Darnstädt. Er stellt klar: Es geht nur mit beiden Gemeinden. Nach der Verbandsversammlung habe man eine Vor-Ort-Begehung mit beiden Bürgermeistern gemacht – entlang der Route, der beide Gemeinderäte zugestimmt hatten.

Im Optimalfall komme man ohne größere äußere Eingriffe aus. „Wenn es gut läuft, reicht eine Bohrung für das gesamte Hartmannsdorfer Gebiet“, sagt Darnstädt. Sobald der Förderbescheid für die angezeigten Baumaßnahmen beim ZWE eintreffe, müsse man mit den Gemeinden vor Ort möglichst konkret besprechen, wo welche Maßnahme im Rahmen der Bauarbeiten vorgesehen sei. „Es sollen möglichst wenige Löcher werden.“ Das angestrebte Spülbohrverfahren ermögliche bis zu 300 Meter lange Abschnitte ohne Eingriffe in die Landschaft. Die könne man so wählen, dass schwierige Abschnitte umgangen werden, sagte ZWE-Geschäftsführerin Ute Böhm. – Selbstverständlich werde man sich an den Beschluss der beiden Gemeinderäte halten und in der Böschung auf der Südseite des Radwegs arbeiten. „Den Radweg wollen wir meiden.“

Anschluss an die zentrale Klärung ab 2020

Hintergrund des Konflikts ist der geplante Anschluss der Gemeinde Rauda an die Kläranlage im Crossener Ortsteil Ahlendorf. Leitungen dorthin bestehen ab Hartmannsdorf, bis dahin müsste also eine neue Leitung gebaut werden. Die Möglichkeit, unter der ehemaligen Bundesstraße B7 zu bauen, hat man verstreichen lassen – das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr lässt eine Beschädigung des erst vor wenigen Jahren vollendeten Straßenbaus nicht zu. Also hatte man den Radweg ins Auge gefasst, der im Raudatal durch beide Orte verläuft. „Aber wir können zwischen Bad Köstritz und Caaschwitz sehen, wie ein Radweg aussieht, der bei solchen Bauarbeiten stark beschädigt wurde“, sagte der Hartmannsdorfer Bürgermeister.

Dass in Dokumenten immer wieder die Rede davon sei, dass im Radweg gebaut werde, hat ihn und den Gemeinderat skeptisch gemacht. Wenn man auch nicht gegen die Leitung ist, Arbeiten im Radweg werde man nicht zulassen – die Alternative sei von beiden Gemeinderäten beschlossen. Der ZWE will es im Einvernehmen mit den Gemeinden umsetzen.

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