Warum die Volksbank Eisenberg ihre Azubis aufs Land schickt

Susann Grunert
| Lesedauer: 3 Minuten
Jenny-Sophie Tiborski beim morgendlichen Bettenmachen im Naturhotel in Etzdorf. Kleines Bild links: Azubi Victoria Ende hat sich mit der Jätekralle bewaffnet.

Jenny-Sophie Tiborski beim morgendlichen Bettenmachen im Naturhotel in Etzdorf. Kleines Bild links: Azubi Victoria Ende hat sich mit der Jätekralle bewaffnet.

Foto: Fotostudio Arlene Knipper-Berg

Eisenberg  Traditionell beginnen die Azubis der Volksbank Eisenberg ihre Lehre mit einem Praktikum in der Landwirtschaft

Bereits seit 14 Jahren schickt die Volksbank Eisenberg ihre Auszubildenden vor dem eigentlichen Berufsstart für ein vierwöchiges Praktikum auf den Bauernhof. „Der Gedanke hinter diesem ungewöhnlichen Ausbildungsbeginn ist es, den Blick der jungen Menschen auf die verschiedenen Arbeitswelten unserer Kunden zu lenken“, erklärt Vorstandsmitglied Katrin Spindler. Besonders die körperlich anstrengende Arbeit auf dem Bauernhof verlange den Auszubildenden einiges ab.

„Auf diese Weise lernen die Auszubildenden viel über unsere Kunden und deren Arbeit. Das schafft Respekt und Wertschätzung und legt somit den Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld unserer Kunden.“ Ein angenehmer Nebeneffekt der Hofwochen sei es, dass sich die Auszubildenden eines Jahrgangs bei der gemeinsamen Arbeit sehr gut kennenlernen und als Team zusammenwachsen.

Victoria Ende (20 Jahre) und Jenny-Sophie Tiborski (17 Jahre), die neuen Auszubildenden der Volksbank, könnten es kaum erwarten, endlich im Berufs­leben als Bankkauffrauen durchzustarten. Doch ehe es soweit ist, müssen sie sich zuerst auf dem Etzdorfer Hof beweisen. Victoria, die selbst ein Pony besitzt und mit der Arbeit im Stall vertraut ist, hat sich sehr auf die Zeit auf dem Bauernhof gefreut. Doch die Überraschung war groß, denn für die erste Hofwoche hatte sich die Agrar­genossenschaft in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen: Housekeeping stand auf dem Programm. So begann das Praktikum diesmal mit Bettenmachen und Staubwischen in den Zimmern des zum Hof gehörenden Naturhotels, mit Tellerwaschen im Restaurant und jeder Menge Unkrautzupfen rund um das ­gesamte Gelände.

„Ich werde wahrscheinlich von Unkraut träumen, aber es gibt sicher noch viel anstrengendere Arbeiten. Die Tage im Stall werden bestimmt auch nicht einfacher. Diesen kleinen Exkurs vor der eigentlichen Ausbildung finde ich nicht schlimm, es wird uns nicht schaden“, erzählt die gebürtige Leipzigerin Victoria Ende. „Die Umgewöhnung vom Schulleben in den achtstündigen Arbeitsalltag, an dem der Wecker früh morgens um fünf Uhr klingelt, war viel schlimmer als die eigentlichen Aufgaben hier“, stimmt ihr die neue Kollegin Jenny-Sophie lachend zu. „Ich freue mich auf die Arbeit mit den Tieren in den nächsten Tagen. Ich habe noch keine Erfahrungen darin und bin sehr aufgeregt. Meine Mutti jedenfalls ist total begeistert. Sie hat auch einmal auf einer Alm gearbeitet und findet es gut, dass ich jetzt auch diese Erfahrung machen darf – obwohl ich ja Bankkauffrau werden will“, erzählt die Eisenbergerin weiter.

Auch wenn beiden die Arbeit in der Landwirtschaft und im Hotelbetrieb Spaß macht, sind sie sehr neugierig auf die Zeit in der Bank. Dort werden sie in den kommenden Wochen offiziell anfangen. Ein paar Einblicke konnten beide schon während eines Praktikums gewinnen. „Während des Praktikums haben wir alle Abteilungen im Haus kennengelernt, jeder hat sich viel Zeit für uns genommen. Alles zusammen und die Möglichkeit, nach der Ausbildung ein weiterführendes Studium absolvieren zu können, hat mich letztendlich überzeugt, diesen Berufsweg einzuschlagen“, erklärt Victoria Ende.