Wie man im Saale-Holzland-Kreis den Weihnachtsbaum loswird

Schkölen/Königshofen/Lindau.  Sammeln, Werfen, Verbrennen – nicht nur in Lindau, Königshofen, Schkölen und Weißenborn verschwindet das Tannengrün aus den Wohnzimmern.

Die Jugendfeuerwehr in Schkölen hat am 11. Januar 2020 insgesamt 173 Weihnachtsbäume eingesammelt. Hanna-Sophie Schauer und Victoria Vater (r.) und 16 weitere Mitglieder des Feuerwehrnachwuchses waren dabei aktiv - und posieren hier inmitten des Grüns, das am Abend verbrannt wurde.

Die Jugendfeuerwehr in Schkölen hat am 11. Januar 2020 insgesamt 173 Weihnachtsbäume eingesammelt. Hanna-Sophie Schauer und Victoria Vater (r.) und 16 weitere Mitglieder des Feuerwehrnachwuchses waren dabei aktiv - und posieren hier inmitten des Grüns, das am Abend verbrannt wurde.

Foto: Florian Girwert

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Ein sonniger Tag ganz im Zeichen des Weihnachtsbaums. Obwohl hierzulande die Weihnachtszeit bis Anfang Februar ausgelegt werden kann, schaffen es die meisten Bäume nicht bis dahin. Etwa in Schkölen rückte am Sonnabendmorgen die Jugendfeuerwehr bereits ab 9 Uhr aus, um in der Kernstadt der Einheitsgemeinde Bäume einzusammeln – zum Zwecke, sie am Abend zu verbrennen.

„Wir nutzen dafür einen Lkw, Transporter und Hänger von einem Hausmeisterdienst“, sagt Mathias Schauer. Er ist Jugendwart der Schkölener Freiwilligen Feuerwehr. „Ohne die Fahrzeuge wären wir jetzt noch unterwegs“, stellt er gegen halb 12 fest. Die große Kapazität erlaube es, weniger oft zu fahren und mehr pro Fuhre zu transportieren.

Schkölener Feuerwehr kann nicht geschlossen feiern

Nebenan bereiten die Mitglieder des Feuerwehrvereins ein Partyzelt vor. „Es gibt natürlich Rostbratwürste, Brätchen und Heißgetränke“, sagt der Jugendwart. Für die Jugendfeuerwehr wird zudem alkoholfreier Punsch gereicht. Und natürlich dürfen in Schkölen Fischbrötchen nicht fehlen, durch die heimische Produktion ein Eigenart, die sich in der Region abhebt.

„Nachlegen dürfen wir am Feuer leider nicht“, sagt Jugendfeuerwehrmann Niklas. Das müssen die Erwachsenen übernehmen, eine Brandwache wird aus den 30 Mitgliedern der Einsatzabteilung rekrutiert. „Trotzdem muss die Einsatzbereitschaft gegeben sein“, sagt Schauer. Nicht alle können sich also dem Feiern hingeben.

In Königshofen helfen ortsansässige Betriebe

Später gesammelt hat die Feuerwehr in Königshofen. „Wir haben um 14 Uhr damit angefangen“, sagt Thomas Prahl, Vorsitzender des Feuerwehrvereins im Heideland-Ortsteil. Zusammengekommen sind auch hier immerhin 150 Bäume, sagt Prahl. „Dann landen sie wenigstens nicht am Feldrand.“ Geholfen haben auch hier ortsansässige Betriebe – die Agrargenossenschaft und ein Dachdeckerbetrieb. Acht Feuerwehrleute sind dabei im Einsatz.

Ganz ohne Sammeln kommt man in Lindau aus. Im anderen Heideland-Ortsteil haben sich mehrere Dutzend Anwohner und Gäste versammelt, die teilweise sogar aus dem Weimarer Land angereist sind. Wer den Weihnachtsbaum am weitesten werfen kann, wird hier ermittelt. „Dafür gibt es mehrere Wettkampfklassen“, sagt Detlef Herbst. Jugendliche und Frauen schleudern einen Baum, der etwa 3,1 Kilogramm wiegt, wie Baumspender Uli Rosenkranz zu berichten weiß. Er hat einen Gartenbaubetrieb in Eisenberg. „Die Weihnachtsbäume waren Dekorationsartikel“, berichtet er. Weil sie keine Heizungsluft abbekommen haben, nadeln sie kaum.

Drei Versuche pro Teilnehmer in Lindau

Beim Werfen müssen sie einiges aushalten: Jeder Teilnehmer hat drei Versuche. Bei den Vorschulkindern setzt sich der beinahe sechsjährige Johannes aus Lindau durch. 3,33 Meter wirft er den Baum mit einer Technik, die dem Kegeln nicht unähnlich ist. Den kleinen Baum an der Spitze packen, nach hinten schwingen und nach vorne oben werfen. Die präzise Messung kommt von Georg Löber, der als Kampfrichter mit Argusaugen auf die Markierungen achtet, die für die Erwachsenen irgendwo jenseits der 13 Meter aufhören.

Kosten entstehen Teilnehmern und Gästen hier keine, nur eine kleine Spendenbox hat der Feuerwehrverein aufgestellt, die sich mit zunehmender Dämmerung an dem sonnigen Nachmittag mit Scheinen füllt. Wer Glühwein, Kaffee, Punsch oder Wiener Würstchen für lau bekommt, gibt gern. Jedes der Kinder bekommt zudem einen kleinen Beutel Süßigkeiten und ein kleines Geschenk für die Teilnahme – ganz egal, wie das Wurfergebnis war. „Eine Gemeinschaftstat“ nennt Detlef Herbst das Werfen. Viele haben geholfen, ein Händler aus Crossen hat überzählige Süßigkeiten gegeben, die Agrargenossenschaft hat sich beteiligt – und auch die ansässige Gaststätte.

Immer wieder nachlegen in Königshofen

Mit dem Einsetzen der Dämmerung lodern dann gleich zwei Feuer auf in Königshofen. Ein kleines in der Feuerschale für Stockbrot – DER Magnet für die Kinder im Ort. Das große Feuer wird immer wieder gefüttert von den Kameraden der Feuerwehr. „An so einem Baum ist ja kaum was dran“, sagt Thomas Prahl. Also müssen die Flammen in dem Container zwischen Feuerwehrhaus und Fußballplatz beinahe minütlich gefüttert werden. „Da bleibt kaum was übrig“, sagt er. Nach wenigen Stunden ist der Brennstoff aufgebraucht. Königshofen und Schkölen dürften nun ganz offiziell weihnachtsbaumfrei sein.

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