Airline-Sterben trifft vor allem kleine Flughäfen: 45 Prozent weniger Passagiere in Erfurt

Berlin/Erfurt  Insolvenzen von Airlines wie Germania setzen vor allem kleineren Flughäfen in Deutschland zu. Am härtesten traf es den Flughafen Erfurt-Weimar. Hier wurden in diesem Jahr 45 Prozent weniger Passagiere abgefertigt.

Zu sehen ist das Empfangsgebäude des Flughafen Erfurt-Weimar.

Zu sehen ist das Empfangsgebäude des Flughafen Erfurt-Weimar.

Foto: Martin Schutt/dpa

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Verantwortlich für den hohen Rückgang der Passagiere am Flughafen Erfurt-Weimar ist die Pleite der Fluglinie Germania. Rund 38.700 Passagiere weniger wurden von Januar bis Mai 2019 am Flughafen in Erfurt-Bindersleben gezählt. Das entspricht einem Rückgang von 45 Prozent als im Vorjahreszeitraum.

Der Erfurter Flughafen wurde in den 1990er Jahren mit einem dreistelligen Millionenbetrag auf internationalen Standard gehoben. Nun der Rückschlag nach der Germania-Pleite: Die Airline sollte 2019 etwa 70 Prozent der Abflüge bestreiten. Zwar ist eine Airline in die Lücke gesprungen und fliegt zweimal wöchentlich nach Mallorca – die füllt den Flugplan aber nur sehr punktuell. Nach der Germania-Insolvenz entschied die Landesregierung, für 2019 und 2020 insgesamt 7,6 Millionen und damit 2 Millionen Euro mehr als ursprünglich vorgesehen an die Flughafengesellschaft zu zahlen.

11 von 22 Flughäfen in Deutschland verzeichnen Wachstum

„Wir haben ein zweigeteiltes Bild in unserem Land“, sagt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Von den 22 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland verbuchten in den ersten fünf Monaten des Jahres nur 11 ein Wachstum. „Die Frage, ob es im deutschen Markt zu viele Flughäfen gibt, wird oft gestellt. Aber warum wird eigentlich nicht die Frage gestellt, ob es zu wenige Airlines im deutschen Markt gibt?“, so Beisel.

Fluggesellschaften wie Air Berlin, Cirrus, LTU oder Intersky hätten ihren Flugbetrieb in den vergangenen Jahren eingestellt. Das Flughafennetz sei hingegen historisch gewachsen - parallel zu den Wirtschaftszentren im Land. So stieg etwa nach der Wiedervereinigung die Bedeutung des Luftverkehrs im Osten an - laut ADV gingen die Passagierzahlen bis 1995 „explosionsartig“ um bis zu 55 Prozent nach oben. Entsprechend wurde investiert - in Terminals, Start- und Landebahnen. Bei vielen Standortentscheidungen von Unternehmen nach der Wende hätten Flughäfen eine wichtige Rolle gespielt, so Beisel.

Laut Leitlinien der EU sind staatliche Subventionen zum laufenden Betrieb von Flughäfen nur noch bis 2024 möglich. Verbandschef Beisel spricht sich dafür aus, das EU-Beihilfe-Recht generell zu lockern und den Weg für stärkere Unterstützung etwa durch Übernahme von Kosten zum Beispiel für Feuerwehren oder Luftsicherung freizumachen. Das seien Stellschrauben, mit denen Bund und Länder ihre Flughäfen unterstützen könnten. „Sonst gibt es bald gar keine Flughäfen mehr in manchen Regionen in Ost- und Südeuropa.“

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