Vor 75 Jahren wurde die Barfüßerkirche zerstört

Erfurt.  Ein Denkmal von europäischem Rang ist die Barfüßerkirche, die vor 75 Jahren durch eine Luftmine zerstört wurde.

Ruine der Barfüßerkirche.

Ruine der Barfüßerkirche.

Wenn der Initiativkreis Barfüßerkirche am heutigen 27. November zum Gedenken an die Zerstörung der Barfüßerkirche vor 75 Jahren einlädt, dann soll der Termin um 18 Uhr im Hohen Chor der Kirchenruine vor allem an den entsetzlichen Krieg und die Menschen erinnern, die in dieser Bombennacht ihr Leben verloren. Etwa 240 waren es, die im unmittelbaren Umfeld der Kirche durch Angriffe aus der Luft starben.

Aber der Initiativkreis verbindet mit dem Jahrestag noch ein weiteres Ziel: Das Treffen soll auch mahnen, dass es sich bei der Barfüßerkirche um ein Denkmal von nationaler Bedeutung handelt, das seiner historischen Bedeutung in der jetzigen Nutzungsform nicht gerecht wird. 2007 war der Ruine dieser Status verliehen worden.

Sprechen werden heute Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, Tobias Knoblich, Erfurts Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung, und Matthias Rein, Senior des Kirchenkreises Erfurt. Frank Frai am Saxophon umrahmt die Veranstaltung musikalisch.

Die Glocken des Bartholomäus-Turms läuten bereits ab 17.40 Uhr.

Die Barfüßerkirche war zuerst Klosterkirche der Franziskaner: „Die größte nördlich der Alpen“, ergänzt Unte Unger vom Initiativkreis. Dann war sie Erfurts größte reformierte Kirche und Ort lebendiger, geistiger und kultureller Impulse und sozialen Engagements im Geiste des Franz von Assisi.

Ab 1933 benutzten auch die Nationalsozialisten das Gotteshaus. Noch im Herbst 1944 wurden hier Rekruten für den Fronteinsatz gesegnet. Ein Grund wohl, warum in der Nacht vom 27. November gegen 2 Uhr eine Luftmine im Angriff mehrerer Moskito-Jagdbomber auf das Gotteshaus abgeworfen wurde. Bombardiert wurden auch die Hennekaserne und der Kaffeetrichter als wesentliche Zufahrt zur Stadt.

Als Mahnmal für die Kriegszerstörung, so sind Karsten Horn und Ute Unger vom Initiativkreis überzeugt, reiche es nicht aus, das Gotteshaus als Ruine zu erhalten. „Man muss auch damit arbeiten“, sagt Ute Unger, damit ein Gedenken überhaupt ermöglicht wird. Würden in der Andreasstraße nur die Stasi-Zellen gezeigt, würde dies auch nicht zu einem Gedenkort reichen, da brauche es schon mehr.

Dafür dürfe sie auch überdacht werden, finden beide, um einen Raum zu schaffen. Einen, der über die Nutzung als Schauplatz des Sommertheaters in den alten Kirchenmauern hinausreicht.

„Wir legen großen Wert darauf, dieses immer noch übersehbare Zeugnis beklemmender Jahre im Bewusstsein wach zu halten und das Desaster in eine konstruktive Lösung umzukehren.“ In ihren Schriften kommt die Initiative zum Fazit, dass ein „drittes Leben“ der Barfüßerkirche möglich ist – auch als Ort für Begleitveranstaltungen von Messen und Kongressen biete sich die Barfüßerkirche an.

Zuletzt 2007 kam die Idee auf, das Kirchenschiff wieder mit einem Dach zu versehen, doch die Diskussion im Stadtrat verlief dazu ergebnislos. Eine museale Nutzung, für kulturelle Veranstaltungen, als Begegnungsstätte – all dies wäre denkbar in der Barfüßerkirche. 14 Studenten der Bauhaus-Universität Weimar haben sich dazu Gedanken gemacht und ihre Ideen in Modellen umgesetzt, die 2020 ausgestellt werden sollen – auch als Anstoß für ein neuerliches Nachdenken.

„Erfurt hat sich an den Anblick der Ruine gewöhnt“, sagt Horn. Da kämen die Modelle recht, um sich an verschiedenen Vorstellungen zur weiteren Nutzung „zu reiben“.

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