Geraer peppen alte Computer auf und verschenken sie an Kinder

Elke Lier
| Lesedauer: 4 Minuten
Karsten Herkenberg weist Markyan in die Bedienung des  Laptops ein.

Karsten Herkenberg weist Markyan in die Bedienung des  Laptops ein.

Foto: Elke Lier

Gera.  Geraer Freifunker und Karsten Herkenberg sind Akteure der Aktion „Hey, Alter!“.

Der neunjährige Markyan strahlt. Seit wenigen Minuten ist er Besitzer eines Laptops. Gespendet von den Geraer Freifunkern, überbracht und angeschlossen von Karsten Herkenberg, IT-Fachmann vom Geraer Verein Freundeskreis für Flüchtlinge.

Er braucht dem kleinen Ukrainer nur wenig zu erklären. Markyan kennt sich in der internationalen Computersprache und mit dem Online-Unterricht aus seiner Heimatschule in Kolomyja in der Westukraine aus, den er bisher nur auf seinem Handy empfangen konnte. „Danke“, sagt er auf Deutsch.

Das Heimweh bleibt

Er ist ein aufgeweckter Junge, der in der Hans-Christian-Andersen-Grundschule Gera Deutsch lernt, Englisch und Mathematik liebt. Er habe schon zwei deutsche Freunde, aber trotzdem Heimweh, besonders vermisst er seinen 20-jährigen Bruder Daniil, der sein bester Spielgefährte war und zurzeit in Iwano-Frankiwsk Zahnmedizin studiert.

Schon 32 Computer verteilt

Karsten Herkenberg hat seit Herbst bereits 32 Computer und Laptops an Flüchtlingsfamilien nicht nur aus der Ukraine, sondern auch aus Syrien und Afghanistan aus der Werkstatt der Freifunker übergeben. Deren Schatzmeister Matthias Drobny berichtet von der bundesweiten, in Braunschweig gestarteten Aktion „Hey, Alter“, die die 17 Tüftler und Technik-Freaks des 2015 gegründeten Vereins Bürgernetz Gera-Greiz so begeistert hat, dass sie seit Februar 2022 mit Feuereifer die gute Idee unterstützen. „Hier geht es um mehr Chancengleichheit von Kindern, die zu Hause aufgrund der sozialen Situation ihrer Eltern keinen PC oder Laptop ihr eigen nennen und beim Digitalunterricht immer im Nachteil waren und noch sind. Bei ‚Hey, Alter!‘, werden gespendete alte und ausgesonderte Geräte von Privatpersonen, aus Wirtschaft und Verwaltung von uns aufgearbeitet und einsatzfähig gemacht.“

Kostenlos vergeben sie sie ausschließlich an Kinder und Schüler. Fast 100 PCs und Laptops haben sie inzwischen neu aufgestellt, die Festplatten vollständig gelöscht und mit einer freien Software ausgestattet, die es ihren Besitzern ermöglicht, sie sinnvoll für den Distanzunterricht sowie einfache Text- und Datenverarbeitungen zu nutzen.

38 Schulen in Gera angeschrieben

Wo Monitor, Tastatur und Maus nicht mitgeliefert werden, versuche der Verein, sie aus Spendenmitteln zu komplettieren. „Per Pressemitteilung und beim Geraer Hofwiesenparkfest haben wir auf die Aktion aufmerksam gemacht und 38 Geraer Schulen mit unserem Angebot angeschrieben. Nur von einer Schule kam eine Rückmeldung.“ Die Lehrer, die ihre Schüler und deren familiären Verhältnisse am besten kennen, wählen die Mädchen und Jungen aus, die digitaler Schulausstattung am dringendsten bedürfen.

Dankbarster Abnehmer der Rechner ist der Geraer Freundeskreis für Flüchtlinge. Unermüdlich ist dafür Karsten Herkenberg unterwegs. Nach der Arbeit in einer Triptiser Firma, ja sogar über die Weihnachtsfeiertage installierte er die Geschenke der Freifunker und wies die künftigen Nutzer ein.

Große Dankbarkeit erlebt

„Meine Freizeit investiere ich gerne dafür, Kindern den Zugang in die digitale Welt zu ermöglichen. Ihre Freude ist meine.“ Zudem erlebt er Gastfreundschaft und große Dankbarkeit. In einer ukrainischen Familie lud man ihn zu Tee und Piroggen ein und gab ihm einen Beutel dieser Spezialität mit nach Hause.

Zudem, darin ist er sich mit den Geraer Freifunkern einig, hauche man mit der Aktion den Geräten ein zweites Leben ein, vermeide Elektro- und Metallschrott und stelle der Wegwerfgesellschaft grünes Handeln entgegen.

Schrauben auf engstem Raum

Die Werkstatt der Freifunker platzt fast aus allen Nähten. Auf engstem Raum bauen und schrauben sie. Da es an Lagerraum fehlt, nutzt man private Räume. Vielleicht finden sich für diese Aktion bald bessere Bedingungen.

Wenn Markyan heute seinen Laptop einschaltet, werden Nachrichten und Aufgaben aus seiner heimatlichen Schule immer weniger: „Weil kein Strom da ist, das Internet nicht funktioniert und es kalt und dunkel ist, fällt viel Unterricht aus“, berichtet der Neunjährige.