So schmeckt Ostthüringen: Süße Verführung vom Blech

Weida.  Die Weidschen Kuchenfrauen sind für ihre Backkünste bekannt. Jedes Jahr stellen sie sich einer Jury. Sabine Schettler hat schon zweimal gesiegt.

Sabine Schettler und ihre Tochter Lucille aus Weida sind begeisterte Bäckerinnen. Hier zeigen sie ihren Rüblikuchen mit Baiserkruste.

Sabine Schettler und ihre Tochter Lucille aus Weida sind begeisterte Bäckerinnen. Hier zeigen sie ihren Rüblikuchen mit Baiserkruste.

Foto: Peter Michaelis

Sabine und Tochter Lucille gehört nun die Küche. Beide backen gern. Hefekuchen ist die Spezialität. Mann Silvio mag ihn am liebsten mit Mohn. Aber in der Backstube muss mal Abwechslung sein, also gibt es schwarzen Johannisbeerkuchen mit Vanillecreme. Auch der ist eine Verführung wert. Sabine Schettler schwärmt vom Zusammenspiel von herb und süß.

Bei Santiano gelingt einfach alles

Mandel und Kirsch sowie Quark und Apfel brachten der heute 37-Jährigen zweimal den Titel Weidsche Kuchenfrau. Das war 2013 und 2016. Zwei Pflicht-Blechkuchen und zwei Eigenkreationen müssen zur Bewertung für die Jury eingereicht werden.

Die zwölfjährige Lucille konnte sich im Nachwuchswettbewerb über den ersten Platz 2017 freuen. Der Teddybärkuchen half ihr zum Erfolg. „Immer am ersten Septemberwochenende wird zum Weidschen Kuchenmarkt in Weida eingeladen. Er steht im Zeichen des süßen Backwerks“, erzählt Sabine Schettler, während sie fleißig rührt. Im Hintergrund singt Santiano. „Die Gruppe höre ich gern. Bei ihren Liedern gelingt mir alles.“

Als junges Mädchen um die 20 sei ihr der erste Hefeteig völlig daneben gegangen. Na ja, da gab es die Band aus dem Norden Schleswig-Holsteins noch nicht. Sabine Schettler lacht und klärt auf. „Der Hefeteig braucht viel Wärme. Ich habe ihn damals gleich neben den Ofen gestellt. Das war ihm wohl doch zu heiß. Er wollte nicht aufgehen. Ich musste ihn wegschmeißen. Einen guten Hefeteig zu machen, ist schon eine Kunst. Jede Frau hat da ihre Kniffe.“

Die Liebe zum Backen weckte ihre Mama. „Die Rezepte von ihr habe ich mir in ein Heft übertragen.“ Neue sind längst dazugekommen. Manche Anregungen stammen aus den Backbüchern von Gudrun Dietzel. Ich übernehme nicht alles genau, sondern variiere und verfeinere.“ Als Sabine Schettler mit den Kindern noch zu Hause war, habe sie mehr gebacken. Sohn Johannes ist inzwischen sieben Jahre und steht natürlich auf Mamas Leckereien. Für ihren Mann, der als Notfallsanitäter arbeitet, könnte sie öfters einen Blechkuchen aus dem Ofen holen.

Der schwarze Johannisbeerkuchen mit Vanillecreme kommt jetzt rein. Hund Sina schnuppert und wuselt zwischen den Beinen umher. „Er ist unser Staubsauger. Sobald ein Krümel auf dem Boden landet, schnappt es sich der Chihuahua.

Sabine Schettler beginnt nun mit dem Aufräumen. „Ich mag keine Unordnung“, so ihr Kommentar.

In diesem Jahr wird sich die zweifach gekrönte Weidsche Kuchenfrau nicht den Juroren stellen, Tochter Lucille dagegen schon. „Ich habe seit 2012 mitgemacht und überlasse das Feld nun anderen“, sagt die Mama. Auf die Blechkuchen von Sabine Schettler, die als Verkäuferin in einem Supermarkt arbeitet, braucht dennoch niemand zu verzichten. Von ihren Köstlichkeiten auf Blech können die Besucher des Weidschen Kuchenmarktes dennoch naschen.

Mehr als 100 Kuchen werden von den Einrichtungen, Bäckereien und den Backfrauen der Stadt am ersten Septemberwochenende angeboten.

Drei Fragen an Harald Saul

Der Weidsche Kuchenmarkt hat Tradition. Worauf begründet er sich?

Die Stadt ist unter dem Beinamen Kuchenweide in aller Munde. Bäcker und private Backfrauen waren wegen ihres Blechkuchens weit bekannt. Die Figur der „Weidschen Kuchenfrau“ entstand im Vorfeld des ersten Kuchenmarkts, der 1994 in Weida stattfand. Nun werden jedes Jahr rund um den Marktplatz Stände aufgebaut. Das Stadtfest steht im Zeichen des süßen Backwerkes.

Warum ist in dieser Region der Blechkuchen mit dem Hefeteig etwas Besonderes?

Die jahrhundertalte regionale Hausküche mit ihren Backrezepten ist einfach und natürlich. Diese werden von den Generationen in und um Weida weitergetragen. Hefe ist ein Produkt, das schon unsere Vorfahren als unverfälschtes natürliches Treibmittel verwendet haben.

Jedes Jahr wird die Kuchenfrau gekürt. Wie überzeugt sie Sie?

Wir Juroren sind immer wieder von der Qualität der eingereichten Proben überrascht. Mich kann Kreativität durch Einsatz farbiger Cremes begeistern. Hauptsächlich der natürliche Geschmack ist für meine Bewertung entscheidend. Ablehnend reagieren wir, wenn Backmischungen bei der Herstellung der Wettbewerbskuchen eingesetzt werden.