Kommentar

Der Griff zum Fotoalbum

Marcus Voigt über die Vorteile der analogen Bilderwelt.

Marcus Voigt

Marcus Voigt

Foto: Sascha Fromm

Wann habe ich eigentlich das letzte Mal durch ein Fotoalbum geblättert? Diese Frage stellte ich mir, als ich vorab einen Blick auf die neue Ausstellung mit aufwendig gestalteten Klebebänden im Greizer Sommerpalais werfen durfte. Die Antwort: Ich weiß es nicht.

Instagram und Co. haben das analoge Fotoalbum in rasanter Geschwindigkeit verdrängt. Das flüchtige Durchscrollen durch eine nicht enden wollende Bilderflut ist zum Alltag geworden. Das gemütliche Zusammensitzen mit Familie und Freunden, um gemeinsam beim Umblättern der Seiten in Erinnerungen zu schwelgen, dagegen zur seltenen Ausnahme.

Zugegeben: So kunstvoll wie die aufwendig gestalteten Exponate ist kein heutiges Fotoalbum, auch mit der Historie eines Landes werden sich die wenigsten privaten Bildergalerien auseinandersetzen. Doch auch hinter jedem simplen Urlaubsbild, jeder Aufnahme von einer launigen Familienfeier, jedem grimmigen Porträt steckt eine Geschichte.

Und darüber nachzudenken, wann, wo und wie dieses Bild eigentlich entstanden ist, dass lohnt sich doch ab und zu. Also werde ich zeitnah zu Hause die Schränke auf der Suche nach einem angestaubten Fotoalbum durchwühlen. Vielleicht haben Sie das gleiche Bedürfnis. Und eigentlich gibt es dafür doch keine bessere Gelegenheit als nach einem Ausstellungsbesuch am Wochenende.

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