19 Bäume müssen fallen wegen Kanal-Neubau in Jena

Jena.  Die Jenaer Stadtwerke versuchen den minimalinvasiven Eingriff bei Bau einer neuen Abwasserleitung am Lommerweg in Jena-West.

Nahe der Katharinenbrücke muss ein neuer Mischkanal gebaut und dafür eine Reihe von Bäumen gefällt werden. Hier der Blick von der Brücke in Richtung Westen, rechts der Lommerweg.

Nahe der Katharinenbrücke muss ein neuer Mischkanal gebaut und dafür eine Reihe von Bäumen gefällt werden. Hier der Blick von der Brücke in Richtung Westen, rechts der Lommerweg.

Foto: Foto: Thomas Stridde

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Am Lommerweg in Jena-West geht entlang des Leutra-Baches das große Bauen los. Die Stadtwerke erneuern im Auftrag des Zweckverbandes Jena-Wasser von April bis September einen 220 Meter langen Mischwasserkanal, so bestätigte auf Anfrage der Redaktion Stadtwerke-Sprecherin Sandra Werner. Nach ihrer Beschreibung ist der Kanal aus den 1920er Jahren baulich verschlissen; deshalb müsse er erneuert und vergrößert werden. Betroffen ist – in Richtung Osten geschaut – ein Abschnitt südlich vom Grundstück Erfurter Straße 7 bis zu der Treppe, die vom Norma-Markt-Parkplatz zum Lommerweg führt, folglich das Baufeld die Katharinenstraße quert. Mehrere Anwohner haben gegenüber der Redaktion ihre Sorgen darüber bekundet, dass dem Kanalbau Bäume weichen müssen. Und in der Tat: 19 große Bäume – Eschen und Ahornbäume – müssen gefällt werden.

So war den Worten von Thomas Ecke zu entnehmen. Der Baumschutz-Sachverständige der Stadtverwaltung schätzte ein, dass 14 jener Bäume ohnehin einen Schaden hätten. Das betreffe hauptsächlich Eschen, die unterm weit verbreiteten so genannten Eschentriebsterben leiden. Zudem seien östlich der Leutra-Brücke („Katharinenbrücke“) Bäume schwer vom Pilz Zottiger Schillerporling befallen, der die Weißfäule verursache.

Auf einem Teil der Baustrecke wird nach Angaben der Stadtwerke im unterirdischen Kanalvortrieb gearbeitet; wo das nicht möglich ist, wird der Kanal in offener Bauweise erneuert. Am Lommerweg komme das so genannte „Berstlining“ zum Einsatz: Wie Sandra Werner erläuterte, wird dabei ein Bohrkopf in den bestehenden Kanal vorgetrieben und das zerborstene Material in den umliegenden Boden verdrängt.

Zeitgleich werde das neue Kanalrohr in den entstandenen Hohlraum eingezogen. Ausgangspunkt dafür sei eine fünf Meter tiefe Startgrube, die nahe der Leutra-Brücke an der Katharinenstraße errichtet werde. Die Katharinenstraße für den Autoverkehr und der Lommerweg für den Fuß- und Radverkehr müssen dann voll gesperrt werden.

Thomas Ecke berichtete, dass die Untere Naturschutzbehörde der Stadt den Fällantrag genehmige. „Ich sehe keine Alternative“, sagte er. Zu bedenken bleibe, dass eine herkömmliche Baustraße im Lommerweg einen noch größeren Eingriff in das Grün bedeutet hätte. Gleichwohl schließt das „Berstlining“ nach Eckes Beschreibung diesen Effekt ein: Mehrere der großen Bäume stehen so nah am Kanal, dass sie sich mit ihren Wurzeln an ihm festhalten.

Mit der Auflösung der alten Kanalwände wird den Bäumen „das Widerlager geklaut“, wie Thomas Ecke sagte. „Man kann da aber wirklich nicht mit den Stadtwerken hadern. Und ein neuer Kanal bedeutet auch Umweltschutz.“

Er habe bereits im April 2018 bei einem Bürgerspaziergang am Lommerweg wie auch vor der Baumschutzkommission und bei seinem alljährlichen Plenarsaal-Vortrag auf die Folgen des überfälligen Kanalbaus aufmerksam gemacht, berichtete Thomas Ecke.

Fällung nur an Nordseite

Die von der Baumschutzkommission geforderten Ersatzpflanzungen erfolgen an der Uferböschung der Leutra – „eins zu eins“, wie Thomas Ecke sagte. Fällungen stünden nur auf der Nordseite der Leutra an. Da seien einige betroffene Bäume völlig schief gewachsen, so dass einzelne Anrainer sogar erleichtert sein würden. Zudem sollen nach Stadtwerke-Darstellung Böschungsabschnitte mit Büschen bepflanzt werden. Die Ersatzmaßnahmen sind für den Herbst 2020 vorgesehen.

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