Die IGS „Grete Unrein“ in Jena wirbt mit praxisnahem Unterricht um Schüler

Jena.  Die Anmeldewoche für weiterführende Schulen naht. Die Jenaer IGS „Grete Unrein“ legt Wert auf besonderen Werkunterricht.

Werken-Lehrer Ralf Schindler und Gabor Hörisch aus der 9. Klasse im Fachunterrichtsraum der IGS. Zu erklären, wie ein Elektromotor funktioniert, das fällt Gabor nicht schwer.

Werken-Lehrer Ralf Schindler und Gabor Hörisch aus der 9. Klasse im Fachunterrichtsraum der IGS. Zu erklären, wie ein Elektromotor funktioniert, das fällt Gabor nicht schwer.

Foto: Thomas Stridde

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Alle sagen, mehr Nachwuchs muss her für die ganz praktischen Berufe. Eine der Jenaer Konsequenzen war jüngst die Gründung der stark praxisorientierten „Werkstattschule“ in Lobeda. Rüdiger Schütz, der Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) „Grete Unrein“, könnte dazu kurz vor der allgemeinen Anmeldung der Viertklässler für weiterführende Schulen glatt auf die Werbe-Pauke hauen und sagen: Für uns kein Neuland!

„Bei uns haben alle zumindest mal zwei Jahre Werken“, berichtet er. Das sei sogar ein „wesentlicher Grundbaustein“ bei Neugründung der Schule nach der Friedlichen Revolution vor 30 Jahren gewesen. „Hand, Kopf, haptische Fähigkeiten und nicht nur die Theorie, das war die Idee.“ Dem Werkunterricht ab Klasse 5 folge in den Klassen 8, 9, 10 das Fach „Natur, Umwelt, Technik“, kurz: NUT, als „Werken auf höherem Niveau“, wie Schütz sagt. „Ein reichliches Drittel macht im oberen Bereich weiter.“

Ja, NUT könne an der IGS sogar auf der gymnasialen Oberstufe als Wahlpflichtfach erkoren und gut kombiniert werden mit der zweiten Fremdsprache, die mindestens drei Jahre unterrichtet werden muss. – Passt in der IGS, die über drei Oberstufen-Jahre zum Abitur führt. „Das ist das Schicke an dieser Variante gerade für Menschen, die später etwas mit einem Ingenieur-Studium zu tun haben“, sagt Ralf Schindler, Fachlehrer für Werken und Wirtschaft/Recht. Der Clou liegt in der Abrundung des Unterrichts durch Betriebspraktika von der 7. Klasse an. Krönung ist hier das zweiwöchige Betriebspraktikum in der 9. Klasse.

E-Motor in Theorie und Praxis

Die handfesten Ergebnisse, auf die der Unterricht zielt, sind bemerkenswert. So stellen die Schüler in den Klassen 5 und 6 unter der Überschrift „Metallbearbeitung“ etwa einen Spielzeug-Sattelschlepper aus Aluminium her oder im Segment Holz eine „Sesam öffne dich“-Kiste samt technischer Zeichnung. Aus Ton eine hübsche Aufbau-Keramik, aus Kunststoff die Formung eines Schuhlöffels – die Ansprüche steigen. Oder die Holzlaterne als Schuljahresabschlussarbeit, „das ist schon krass für die 7. Klasse“, sagt Ralf Schindler.

Er findet es allerdings „ein bisschen traurig“, dass das Geld für die Bausätze nicht aus öffentlicher Quelle verfügbar ist – die Eltern müssen bezahlen. Auch in dieser Hinsicht werde für Bildung also zu wenig Geld ausgegeben, wie Rüdiger Schütz feststellte. Doch ist er zuversichtlich, die auf Eltern-Hilfe gestützte Verfahrensweise „mit aller Kraft am Leben erhalten“ zu können. Zumal: Längst haben sich Verquickungen mit anderen Unterrichtsfächern ergeben. Beispiel Elektromotor. Den bauen die Schüler in Werken/NUT selbst. Grundplatte anfertigen; Metallkern sägen; Kanten pfeilen; bei den 200 Umwicklungen des Kupferdrahtes auf der Spule gut mitzählen. Im Physik-Unterricht können die Schüler dann in der Elektromotor-Theorie glänzen. Ähnliches dürfte etwa für den „Schrankwächter“ mit Hell-dunkel-Schaltung gelten. Oder für den in der 10. Klasse gefertigten Durchgangsprüfer/Polsucher. Dazu sagt Ralf Schindler: „Ich habe einen Traum.“ Denn gern hätte er für die IGS einen 3-D-Drucker, um viel leichter das Gehäuse für den Durchgangsprüfer fertigen lassen zu können. Ein vierstelliger Betrag sei da aber vonnöten.

Die Schrauber kommen

Gabor Hörisch aus der 9. Klasse der IGS findet es gut, dass der Werkunterricht auf handfeste Ergebnisse zielt. „Es geht um Dinge, die man irgendwann braucht.“

Rüdiger Schütz freut sich, dass der Sinn fürs Praktische sich deutlich im Alltag spiegelt. Zum Beispiel bei den Moped fahrenden Schülern, die als „Schrauber“ auf dem Schulhof ihre technischen Probleme gemeinsam lösen. Der langjährige Schulleiter denkt an die Zeit mit den legendären DDR-Marken „Schwalbe“, „Habicht“, „Spatz“ zurück. „Da ist wohl was von den Großvätern rübergesprungen.“

In Jena wechseln im Sommer 1021 bisherige Viertklässler in weiterführende Schulen. Voriges Jahr waren es laut Schulverwaltung 1018. Diese Zahlen würden auch in den nächsten zwei, drei Jahren erwartet und sich danach etwas verringern. Ziel bleibe die möglichst wohnortnahe Beschulung. Die Anmeldewoche für die 5. Klassen ist von 2. bis 6. März, in der IGS zum Beispiel jeweils 8 bis 18 Uhr. Die IGS veranstaltet am 24. Januar von 8 bis 11 Uhr für Viert- und jetzige Zehntklässler einen Tag der offenen Tür und ab 15 Uhr für Eltern einen Info-Abend.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.