Hospiz Jena: „Empathisch mitfühlen, aber nicht mitleiden“

Jena.  Das Stationäre Hospiz besteht in Lobeda ein Jahr. Geschäftsführerin Christiane Klimsch zieht Bilanz.

Das 30-köpfige Team des Stationären Hospizes hat sich zu einer "1" formiert: Seit genau einem Jahr besteht die Einrichtung in der Lobedaer Paul-Schneider-Straße.

Das 30-köpfige Team des Stationären Hospizes hat sich zu einer "1" formiert: Seit genau einem Jahr besteht die Einrichtung in der Lobedaer Paul-Schneider-Straße.

Foto: Ulrich Wedding

Ja, es gebe eine Warteliste, sagt Christiane Klimsch. Gleichwohl stellt die Geschäftsführerin des Stationären Hospizes zum einjährigen Bestehen der Einrichtung klar: „Es ist natürlich nicht so, dass nicht betreut wird, wer wirklich dringend Versorgung benötigt.“ In Engpass-Situationen habe sich die Kooperation mit den Stationären Hospizen in Weimar und Bad Berka bewährt. Und Priorität hätten Fälle, in denen nach dem Zusammenbruch des heimischen Betreuungssystems für die Sterbenskranken jede Alternative fehlte. „Wir hatten keinen Fall, wo nicht eine Lösung gefunden wurde.“

Was gibt es Statistisches nach einem Jahr zu sagen?

Aufnahme im Neubau in der Lobedaer Paul-Schneider-Straße fanden innerhalb des einen Jahres 126 meist unheilbar Kranke. 97 von ihnen verstarben in der Zeit, darunter 33 in der Altersgruppe „Unter 65“. Für die Betreuung der auf zwölf Zimmer verteilten Gäste steht Christiane Klimsch ein 30-köpfiges Team zur Seite – die Frauen in der Mehrheit bei sieben Männern.

Und was man aus Christiane Klimschs Sicht keineswegs geringschätzen sollte: Zum Haus gehören Katze Smokey und Kater Findus. „Smokey legt sich auch zu Sterbenden“, berichtet die Geschäftsführerin. „Für viele ist das wirklich eine Beruhigung – diese warme, schnurrende Katze.“ Obendrein leben aktuell vier Gastkatzen und ein Gasthund in dem Flachbau, den die Jenawohnen GmbH errichtet und an das Hospiz vermietet hat.

Welche besonderen Hürden waren in dem ersten Jahr zu nehmen?

Ganz klar, so sagt Christiane Klimsch, die Herausforderungen ergäben sich aus den sehr unterschiedlichen Situationen der Gäste, die im Hospiz einziehen. Steht noch eine Familie an der Seite? Und was ist, wenn Betroffene viel länger leben, als sie selbst vermutet hätten? Oder umgedreht: viel kürzer? „Zwischen sieben Monaten und zwei Stunden; da war alles dabei.“

„Besonders schwer ist es, wenn es um Jüngere geht“, so schätzt Christiane Klimsch ein. So seien zum Beispiel schon zweimal jüngere Gäste betreut worden, die gerade erst Partner fürs Leben kennengelernt hatten. „Und dann stirbt der Traumpartner. So etwas kann zu besonders belastenden Situationen führen.“ Da müssten dann die Leute ihres Teams aufpassen, dass sie nicht mitleiden. „Ich sage: sehr empathisch mitfühlen, aber nicht mitleiden!“

Und gehört das nicht Alltägliche dazu?

Christiane Klimsch kann das bejahen. Mehrfach seinen Gäste schon mit dem „Wünschewagen“ des ASB an Sehnsuchtsorte gefahren worden; das Hospiz-eigene Auto werde mitunter auch für derlei Zwecke genutzt. Manchmal sei es auch nur der Wunsch, noch einmal vom Uni-Turm herab auf Jena zu schauen. Es gab Disko-, Kino-, Spieltage, Sommerfest und Weihnachtsfest. Aktuell sucht die Hospiz-Mannschaft Sponsoren für das Duo Dorothea Kromphardt und Karina Esche alias „Fräulein Rosa und Frau Blau“, die mit professionellem Tanzen, Singen und Lachen auf Krankenstationen das Schwere leichter machen. Christiane Klimsch schwebt ein monatlich zweimaliges Auftreten des Duos vor. 8000 Euro im Jahr wären da zu berappen.

Wie die Nachbarschaft in Lobeda mit dem Hospiz zurechtkommt?

„In meiner Wahrnehmung wird zu 90 Prozent positives Interesse und zu zehn Prozent Kritik und Sorge bekundet“, sagt Christiane Klimsch. Auf Kriktik – von wegen ein Haus des Sterbens nebenan – habe sich immer wieder das Gespräch als beste Medizin erwiesen. Und es sei doch ein gutes Zeichen gewesen, dass schon zum Tag der offenen Tür bei Eröffnung sich 600 Menschen das Haus angesehen hätten. Selbst mit dem benachbarten Eltern-Kind-Zentrum „Anne Frank“ bestehe ein Austausch. Oder die nahe Lobdeburgschule: Da wurden zwei Projekte vollendet unter dem Motto „Hospiz macht Schule“.

Viele Ehrenamtler geben Unterstützung als Hospiz-Begleiter: 18 Leute in stationärer und 140 in ambulanter Begleitung. Es werden weitere Mitstreiter gesucht, und so beginnen am 17. Juni zwei bis November währende Ausbildungskurse. Interessen melden sich telefonisch unter 4743310, per Mail unter kontakt@hospiz-jena.de. Internet: www.hospiz-jena.de