Apotheken in Jena: Lieferengpass nicht nur bei Desinfektionsmitteln

Jena.  Jenas Apotheken in Zeiten des Coronavirus: Mit Nachschub an Desinfektionsmitteln und dessen Ausgangsstoffen klemmt es.

Leander Knorre, Inhaber der Rats-Apotheke am Markt.

Leander Knorre, Inhaber der Rats-Apotheke am Markt.

Foto: Thomas Stridde

Die Ereignisse rund um das Coronavirus überschlagen sich. Leander Knorre, Inhaber der Rats-Apotheke am Markt, hatte am Mittwoch dem Zeitungsreporter gerade noch die aktuellen Apotheker-Nöte erläutert: Zum Beispiel gingen die Desinfektionsmittel zur Neige, sogar jene Bestände, die sein Team berufshalber zwingend benötigt für das Keimfreihalten der Hände. Es sei zwar ein Kleines für ihn, Desinfektionsmittel selbst herzustellen, sagte Leander Knorre. Doch sei das gemäß EU-Verordnung verboten, wenngleich die Apotheker-Standesvertretung aktuell um eine Sonderregelung ringe.

30 Minuten nach dem Gespräch sandte Knorre dem Reporter eine E-Mail hinterher: Soeben habe die Bundesstelle für Chemikalien eine Allgemeinverfügung erlassen; Apotheker dürfen demnach ab sofort wegen der „Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ Desinfektionsmittel selbst herstellen. Nur hapere es mit den Ausgangsstoffen für Desinfektionsmittel, sagte der Apotheker.

Keine fassbaren Auskünfte zum Nachschub

Knorre hatte an seinem Computer die lange Lieferanten-Liste für das zugehörige Isopropanol vor den Augen des Reporters geöffnet: Überall ein rotes Kreuz dran! Heißt: Nicht lieferbar! Nach der Nachricht von der Allgemeinverfügung stellte Knorre fest: „Wir dürfen jetzt also, können aber nicht.“ Zudem erhalte man keine fassbaren Auskünfte zum Nachschub von Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken.

Indessen hat Leander Knorre viel Verständnis für die Bürger. Etikette wie das Niesen in die Ellenbeuge befolge man zum Schutz der Mitmenschen, „das ist aber keine Beruhigung für mich selbst; man möchte etwas für sich tun“.

In diesen Tagen helfe schon, sich miteinander zu unterhalten. Knorre sagte über die vielgefragte (nicht vorrätige) Atemschutzmaske FFP 3 – die mit dem Metallnasenbügel –, dass sie schützt „nach Angaben des Herstellers“. Die Handhygiene bleibe aber „extrem wichtig“. Vielleicht habe das Coronavirus-Ereignis wenigstens den Effekt, dass mehr Leute über das Impfen gegen die echte Grippe nachdenken. An der seien in dieser Grippe-Saison bundesweit schon 130 Menschen gestorben.

Die Sorgen der Apotheker wegen verzögerten Nachschubs sind grundlegend. 245 Arzneimittel unter Tausenden seien derzeit nicht lieferbar. Knorre weiß, dass das mit der Konzentration auf global extrem wenige Hersteller zu tun hat. „Wenn von fünfen einer ausfällt, schaffen die anderen es nicht, das auszugleichen.“ Da leite sich die politische Forderung ab, dringend Anreize zu schaffen für mehr hiesige oder EU-Produktion.