Jenaer Caroline-Schlegel-Preis für Korinther-Brief an Paulus

Andreas Dorschel aus Wien und die Thüringerin Nancy Hünger werden ausgezeichnet.

Mit einem Bild von Caroline Schlegel: Christin Homann, Praktikantin im Romantikerhaus, und der Chef des Literaturmuseums, Klaus Schwarz. Der Caroline-Schlegel-Preis der Stadt Jena wird am 13. September zum sechsten Mal vergeben.  Foto: Lioba Knipping

Mit einem Bild von Caroline Schlegel: Christin Homann, Praktikantin im Romantikerhaus, und der Chef des Literaturmuseums, Klaus Schwarz. Der Caroline-Schlegel-Preis der Stadt Jena wird am 13. September zum sechsten Mal vergeben. Foto: Lioba Knipping

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Jena. Sie war das weibliche Zentralgestirn des Jenaer Frühromantikerkreises. Ihr Charme, ihr Witz, ihre Ironie leben in ihren Briefen weiter. Treffsicherheit und Spottlust lassen eine Frau erkennen, die geselliger Mittelpunkt eines Zirkels von Intellektuellen war, dessen Wesen sich im lebendigen Austausch von Gedanken und Gefühlen bestimmen sollte. Nach Carolines Tod beklagt ihr Mann, der Philosoph Schelling, "...dass dieses Meisterstück der Geister nicht mehr ist, dieses seltene Meisterstück von männlicher Seelengröße von dem schärfsten Geist, mit der Weichheit des weiblichsten zartesten liebevollen Herzen vereinigt. Oh, etwas derart kommt nicht wieder."

Nach Caroline Schlegel hat die Stadt Jena einen Preis benannt, der in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal im deutschsprachigen Raum ausgelobt wurde. Gewürdigt werden mit dem Caroline-Schlegel-Preis - in Anlehnung an das Wirken der Namensgeberin - herausragende Leistungen in den Genres Feuilleton und Essay, die sich durch ein hohes sprachliches und stilistisches Niveau sowie durch eine solide Recherche auszeichnen. Der Preis ist insgesamt mit 7500 Euro dotiert, 5000 Euro für den Hauptpreis und 2500 für einen Förderpreis. Das Preisgeld stammt von einem anonymen Stifter. Auch das Preisgeld für 2017 und 2020 ist bereits gesichert.

In diesem Jahr wurden 57 Manuskripte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht. "Alle Arbeiten waren von äußerster Qualität", sagt der Leiter des Jenaer Romantikerhauses und somit Hüter des Erbes von Caroline Schlegel und der Frühromantiker, Klaus Schwarz. Dennoch sei sich die Jury - bestehend aus der Berliner Journalistin und Autorin Dr. Dorothee Schmitz-Köster, der Autorin, Lektorin und Wissenschaftsberaterin Dr. Sonja Hilzinger, ebenfalls aus Berlin und 2005 mit dem Caroline-Schlegel-Preis geehrt, sowie dem Jenaer Literaturwissenschaftler Professor Dr. Stefan Matuschek - schnell einig gewesen, so Schwarz.

Der Caroline-Schlegel-Preis 2014 geht demnach an den Österreicher Andreas Dorschel, der Förderpreis wird an Nancy Hünger verliehen. Dorschel wird für seinen Essay "Ein verschollen geglaubter Brief der Korinther an Paulus" geehrt, Hünger für den Essay "Die Stunde der Schatten - zu Wolfgang Hilbigs Erzählungen ,Alte Andeckerei‘".

"Das ist eine tolle Entscheidung. Andreas Dorschel lässt mit frühromantischen Witz und voller Ironie Korinther-Frauen auf die frauenfeindlichen Äußerungen von Paulus antworten. Nancy Hünger hat das ewige Werden und Vergehen in der Natur und beim Menschen thematisiert. Es ist ein Lob der Poesie am Beispiel von Hilbigs Erzählungen", so Schwarz. "Die Sprachmächtigkeit Hilbigs ist auch Hünger zu eigen."

Die Preisvergabe findet am Samstag, 13. September, ab 15 Uhr im Romantikerhaus Jena statt. Die Öffentlichkeit ist dazu eingeladen.

Im Anschluss an die Preisvergabe beginnt 16.30 Uhr wieder das traditionelle Brunnenfest. Im Hof des Hauses wird eine Bühne aufgebaut sein, doch auch auf eine Schlechtwetter-Variante sind die Veranstalter vorbereitet. "Zwar werden heißblütige, lateinamerikanische Rhythmen den Gästen einheizen, dennoch sollte man wärmere Kleidung nicht vergessen", so Klaus Schwarz. Geplant ist ein Reigen literarischer und musikalischer Veranstaltungen. "Des Kaisers neue Kleider" als Puppenspiel und clowneske Einlagen sind speziell für die Jüngeren gedacht.

Zum Abschluss heißt es "Lob des Eros": Jens-Fietje Dwars wird die besten Beiträge zum Menantes-Preis für erotische Dichtung sowie eigene Texte über die schönste Nebensache der Welt vortragen. All das kann man bei einem Glas Wein und anderen kulinarischen Köstlichkeiten genießen.

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