Stadt Jena verkauft Eichplatz an Investor

Jena.  Die Neugestaltung des Jenaer Eichplatzes kann beginnen. Der Stadtrat votiert mehrheitlich für den Verkauf. Zumindest die Linken stimmen dagegen.

Der Siegerentwurf fand nun auch seine Mehrheit im Stadtrat: Vergeben wurde jetzt das Baufeld A, das drei hohe Gebäude östlich der Neuen Mitte und Gebäude südlich davon vorsieht.

Der Siegerentwurf fand nun auch seine Mehrheit im Stadtrat: Vergeben wurde jetzt das Baufeld A, das drei hohe Gebäude östlich der Neuen Mitte und Gebäude südlich davon vorsieht.

Foto: STRABAG Real Estate GmbH

Gemessen an dem jahrelangen Hin und Her war es am Ende eine unspektakuläre Entscheidung. Mit deutlicher Mehrheit habe Jenas Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung für den Verkauf des Eichplatz-Baufeldes A an die Strabag Real Estate gestimmt. Darüber informierte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) die Öffentlichkeit.

Er sprach von einem guten Projekt, das in vorbildlicher Weise die Bürger einbezogen habe. Dieser Beteiligungsprozess sei für den heute erreichten Erfolg ausschlaggebend gewesen, betonte Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) gemäß einer Presseerklärung. Mindestens die Fraktion der Linken stimmte gegen den Verkauf. Damit feiert der vor fünf Jahren neu gestartete Eichplatz-Prozess einen großen Etappenerfolg. Damals hatten einige nach der Abstimmungspleite gesagt, am Eichplatz werde sich niemals mehr ein Kran drehen.

Strabag Real Estate (SRE) hat das Bieterverfahren für sich entschieden. Der Entwurf für das Baufeld A sieht drei Hochhäuser vor: Einen gut 66 Meter hohen Wohnturm mit 20 Geschossen, einen 14-stöckigen Turm mit Büro- und Wohnungen (50 Meter) und ein zehnstöckiges Bürogebäude mit 33 Metern. Insgesamt sollen 178 Wohnungen, etwa 6600 Quadratmeter Bürofläche und 4000 Quadratmeter in den Erdgeschossen für Gastronomie und Einzelhandel entstehen. Das Investitionsvolumen dürfte bei über 100 Millionen Euro liegen.

Bürger als „Helden des Eichplatzes“

Die Eichplatz-Aktivistin und das spätere Bürger-Werkstatts-Mitglied Heidrun Jänchen bezeichnete im Vorfeld der Sitzung die Bürger als „die Helden des Eichplatzes“. Sie hätten in der Werkstatt in mehr als 20 Sitzungen das Vergabeverfahren konstruktiv begleitet.

Ein gutes Dutzend der ehedem zufällig ausgelosten 500 Bürger hielt bis zum Ende durch. „Sie sind Helden, denn sie haben verhindert, dass in Jena genau das Einerlei gebaut wird, das landauf landab überall entsteht.“ Die rechtliche Gestaltung des Ausschreibungsprozesses habe eine offenere Bürgerbeteiligung nicht zugelassen.

Noch im November soll der Vertrag besiegelt werden

Noch im November soll der Vertrag zwischen Investor und Stadt Jena beim Notar besiegelt werden. Verkauft werden die Teile des Baufeldes, auf denen später Häuser stehen. Den Einfluss für die Umfeldgestaltung behält allerdings die Stadt. Baustart ist voraussichtlich im Jahre 2023. Bevor der Investor eine Baugenehmigung bekommt, muss noch ein vorhabenbezogenen Bebauungsplan gemacht werden.

Nitzsche ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig das Projekt für das Jenaer Zentrum ist: „Der gute Plan für Jena, eine belebte und attraktive Innenstadt, kann Wirklichkeit werden.“ Von einem historischem Beschluss des Stadtrates sprach Bürgermeister Gerlitz. Eine derartige Beteiligung der Bürger habe es in Jena bislang nicht gegeben. Eine Werkstatt arbeite bereits am Baufeld B, weiteres gelte für den Stadtpark.

Linke stimmten gegen den Verkauf

In der späteren Aussprache bedauerte die Fraktionschefin der Linken, Lena Saniye Güngör, dass kommunale Flächen an Privatinvestoren verkauft worden seien. Deswegen habe ihre Fraktion der Vorlage nicht zugestimmt. Leider sei eine Erbbaupacht keine Option gewesen. Vielleicht greife diese bei der Vergabe des zweiten Baufeldes. Zudem sollten dann 20 Prozent der entstehenden Wohnungen gemäß eines Stadtratsbeschlusses als sozialer Wohnungsbau deklariert werden.

Auch Jörg Vogel (SPD) lobte die Beteiligung der Bürger. Sie hätten sich ernst genommen gefühlt. Der bündnisgrüne Fraktionschef Heiko Knopf sprach von einer großstädtischen Architektur. Der Entwurf sei solide und vernünftig. Fragen der energetischen Gebäudenutzung und nach dem Grün am Bau müssten allerdings beantwortet werden. Der CDU-Fraktionschef Guntram Wothly lobte ebenfalls die Bürgerbeteiligung. Sie habe das Projekt in der Mitte Jenas gerettet. Der Mix aus Mietwohnungen und Eigentumswohnungen sei gut, vielleicht könne man das Thema soziale Mietpreisbindung noch nachverhandeln. „Mit den Bürgern, nicht gegen die Bürger:“ Das lobte FDP-Stadtrat Clemens Beckstein.

Für Schleußner zuviel Jubel

Eckhard Birckner (Bürger für Jena) und Rosa Maria Haschke (CDU) erinnerten an die Phase zwischen dem Scheitern und dem neuen Anlauf: Auch hier hätten die Bürger eine maßgebliche Rolle gespielt. Für den SPD-Stadtrat Ekkehard Schleußner war es zuviel Jubel. „Ich fand den damaligen Entwurf angemessen. Der aktuelle Entwurf gefällt mir nicht, auch wenn der Prozess toll war.“ Bürgermeister Gerlitz wollt das nicht als Schlusswort stehen lassen. Er sprach angesichts drei neuer Hochhäuser von einem mutigen städtebaulichen Entwurf. Das sei eine Besonderheit für so eine kleine Großstadt.