Unter-Corona-Bedingungen: Nicht ganz so eng auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt

Jena.  Trotz Corona wird beim diesjährigen Jenaer Weihnachtsmarkt im Vergleich zu seinen Vorgängern „vieles ähnlicher sein, als mancher denkt“.

Jenaer Weihnachtsmarkt zum Beispiel 2009: Sehr viel anders soll der diesjährige Weihnachtsmarkt gar nicht aussehen, wenn Corona nicht noch in die Quere kommt.

Jenaer Weihnachtsmarkt zum Beispiel 2009: Sehr viel anders soll der diesjährige Weihnachtsmarkt gar nicht aussehen, wenn Corona nicht noch in die Quere kommt.

Foto: Beier

Diesen Ausblick gab am Freitag Jenakultur-Vize-Chef Carsten Müller, der gemeinsam mit OB Thomas Nitzsche (FDP) und Markus Henkenmeier von der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Jahresend-Höhepunkt warb.

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Kompletten Lockdown in Jena verhindern

Der Markt ist für die Zeit von 23. November bis 22. Dezember geplant. So soll in Zeiten der Pandemie „ein gewisses Gefühl von Normalität“ vermittelt werden, sagte Müller, der für das Veranstaltungsmanagement der Stadt verantwortlich ist. Es sei vielleicht „schwierig zusammenzudenken“, so merkte der OB an, aber die Jenaer mögen sich einerseits mit Umsicht und Vorsicht dem diesjährigen Weihnachtsmarkt widmen, aber andererseits nicht ängstlich sein. Das Ermutigungsmotto „Hört nicht auf zu leben“ trage die Stadtverwaltung ganz klar mit, sagte Thomas Nitzsche. Man wolle nicht mit straffer Regulierung agieren, sondern „mit den Bürgern im Team spielen“, so formulierte Carsten Müller.

Marktplatz ohne Zaun

Nach seiner Beschreibung heißt das konkret: Angebote, die sonst auf dem Weihnachtsmarkt konzentriert waren, sollen ein wenig verteilt werden. So wird der Anbieter, der auf den Weihnachtsmärkten der vergangenen 30 Jahre Glühwein beim Bismarckbrunnen feilgeboten hat, seinen großen Stand auf dem Holzmarkt offenhalten.

Auf dem Marktplatz selbst werden drei Stände hiesiger Gastronomen zu finden sein, die Speisen und unter anderem auch Glühwein im Angebot haben. Zwar sollen wie in den Vorjahren vielerlei Verkaufsstände rund um den Hanfried verteilt sein, verzichtet wird jedoch auf die Bühne samt Unterhaltungsprogramm – und somit auch auf den Stollenanschnitt. Lediglich das traditionelle tägliche Rathausturmblasen können die Besucher auch in diesem Jahr erleben. „Unser Hauptziel ist die Entdichtung“, sagte Carsten Müller, nach dessen Beschreibung noch sinnvolle Möglichkeiten des „Indoor“-Auftritts von Tanz- und Musikvereinen gesucht werden.

Anders als bei dem wegen Corona abgespeckten diesjährigen Altstadtfest soll der Markt nicht umzäunt sein. Der Rummel auf dem Eichplatz und der historische Weihnachtsmarkt im „Faulloch“ zwischen Johannistor und Pulverturm werden aber Eingrenzungen haben. So könne der Zutritt je nach Andrang temporär reguliert werden, sagte Müller. „Das ist ein Format, das wir zum Altstadtfest getestet haben.“

Nicht zu vergessen: Der Weihnachtsmarkt ist neben dem „Grünen Markt“ im Ressort „Marktwesen“ der Stadt eine der wichtigsten Säulen, wie Müller erläuterte. In der Vergangenheit habe die Stadt mit den Weihnachtsmärkten jährlich jeweils über 100.000 Euro einnehmen können. Geld, mit dem Altstadtfest und Frühjahrsmarkt subventioniert würden.

Groß ist die Hoffnung der Verwaltung, dass neben dem Handel die umliegende Gastronomie Nutznießer des Weihnachtsmarktes ist. Nach Markus Henkenmeiers Darstellung hat die hiesige Gastronomie im Schnitt einen Umsatzrückgang von 60 Prozent zu beklagen. Die Hälfte der Betriebe fahre noch mit Kurzarbeit. Und 15 Betriebe hätten das Angebot der Gewerbesteuerstundung angenommen.

Und wenn Jena in den nächsten Tagen auf eine Quote von weit über 50 Corona-Infizierten pro Woche käme und „Hotspot“ würde? Dann dürfe das Aus für den Weihnachtsmarkt keine Entscheidung sein, die eine Stadt treffe, sagte der OB. Das obliege dem Land. „Ausweich-Tourismus zu Weihnachtsmärkten kann keiner wollen.“