Zu wenig Neubau: In Thüringen fehlen schlichtweg Wohnungen

Erfurt  In Thüringen fehlen Wohnungen, weil zu wenige gebaut werden. Alle anderen Bundesländer stehen laut einer Studie besser da.

Eisenach bildet das Thüringer Schlusslicht. Gebaut wurden 79 Wohnungen, dabei gebe es Bedarf für 291. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Eisenach bildet das Thüringer Schlusslicht. Gebaut wurden 79 Wohnungen, dabei gebe es Bedarf für 291. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In Thüringen fehlen Wohnungen, weil zu wenige gebaut werden. Der Freistaat ist neben Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit der größten Lücke zwischen benötigten und tatsächlich geschaffenen Wohnungen. Das besagt eine am Montag vorgestellte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Aktuell könne der Wohnungsneubau nur 71 Prozent des Bedarfs im Freistaat decken, haben die Experten errechnet. Sie gehen von 6800 Wohnungen in Thüringen aus, die zwischen 2016 und 2020 benötigt werden. Errichtet wurden seit 2016 aber nur 4826. Alle anderen Bundesländer stehen laut Studie besser da. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 83 Prozent.

Der Untersuchungszeitraum sei viel zu kurz gewählt, kritisiert ein Sprecher des Thüringer Bauministeriums die Studie. Die derzeitigen Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt seien Ergebnis langjähriger politischer Fehlentwicklungen. Die rot-rot-grüne Regierung habe 2015 begonnen, den sozialen und altersgerechten Wohnungsbau wieder zu fördern. Dafür würden jährlich mehr als 50 Millionen Euro bereitgestellt. Derzeit seien 1040 Wohnungen im Bau und weitere 500 in Planung.

Nach Ansicht der IW-Experten bildet Eisenach das Thüringer Schlusslicht. Gebaut wurden im Vergleichszeitraum 79 Wohnungen, dabei gebe es Bedarf für 291. Das wären 27 Prozent.

Im Gegensatz zu Eisenach fällt Jena positiv auf

Die Stadt gehe nach neusten Bevölkerungsberechnungen bis 2040 von einer sinkenden statt bisher einer gleichbleibenden Einwohnerzahl aus, sagte am Montag eine Sprecherin. Trotzdem müssten mehr Wohnungen gebaut werden. Unklar sei derzeit aber noch, wie viele wirklich erforderlich sind.

Positiv fällt Jena auf. Trotz des angespannten Wohnungsmarktes sei es gelungen, über den Bedarf hinaus zu bauen - immerhin 121 Prozent. „Wir sind gerade dabei, die bisher für einen gesunden Wohnungsmarkt zu niedrige Leerstandsquote etwas zu normalisieren“, erklärt Bürgermeister Christian Gerlitz die Zahlen. Darüber hinaus gebe es jedoch nach wie vor Bedarf, den Wohnungsmarkt qualitativ und quantitativ weiterzuentwickeln.

Auffällig mit Ausnahme von Suhl ist beim Wohnungsmarkt das Gefälle zwischen Städten und den ländlichen Gebieten. Allerdings profitieren die Kreise im Umfeld prosperierender Städte zunehmend vom Zuzug in diese Regionen.

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