Abschied in Herreden mit Glühwein, Bockwurst und Gehupe

Herreden.  Für Michael Samel ist es die dritte Teilnahme, für seine Frau Katrin eine Premiere. Mit Freunden wurde ein großes Abschiedsfest vor der Benefiz-Ralley gefeiert.

Michael und Katrin Samel aus Herreden fieberten ihrem Start zur Benefiz-Rallye „Dresden-Dakar-Banjul“  am vergangenen Samstag sehnsüchtig entgegen.

Michael und Katrin Samel aus Herreden fieberten ihrem Start zur Benefiz-Rallye „Dresden-Dakar-Banjul“ am vergangenen Samstag sehnsüchtig entgegen.

Foto: Sandra Arm

Der Himmel reißt auf: Ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich am vergangenen Samstagvormittag durch die dicke graue Wolkendecke. Perfektes Reisewetter. Das finden auch Michael und Katrin Samel aus Herreden, die ihrem Start zur Benefiz-Rallye „Dresden-Dakar-Banjul“ sehnsüchtig entgegenfiebern. Während es für Michael Samel schon die dritte Teilnahme ist, ist es für seine Frau Katrin eine Premiere. Vorfreude ja, aber von Nervosität bei ihr keine Spur.

„Ich bin ganz entspannt“, sagt sie mit ruhiger Stimme. Auch an diesem sehr historischen Tag. Denn ohne den Mauerfall hätte es diese Rallye womöglich nie gegeben. Derweil haben sich die Familie und einige Freunde im Garten hinterm Haus versammelt. Es wird erzählt, geschwatzt, gegessen und getrunken. Das kleine Abschiedsessen ist rustikal einfach: Bockwurst, wahlweise mit Senf oder Ketchup. Dazu eine Weißbrotschnitte. Um den Durst zu löschen, greifen die Gäste zu einem „kühlen Blonden“, Glühwein oder Kaffee. Immer wieder geht der Blick auf die Uhr. So langsam drängt die Zeit.

Großer Plüschbär auf der Rückbank

Vor dem Haus steht der Rallye-Bolide abfahrbereit. Alle Koffer sind verstaut, die Gepäckstücke auf dem Dachgepäckträger sind festverzurrt und auch im Inneren des Autos kann nichts mehr verrutschen. „Wir haben keinen Platz mehr. Das Auto ist voll beladen“, sagt Michael Samel. Selbst auf der Rückbank nicht. Dort hat es sich ein großer noch namenloser Plüschbär bequem gemacht. „Das ist eine Spende von einer Mitarbeiterin aus einem Friseursalon in Nordhausen-Salza. Sie hat von unserem Vorhaben gehört und uns diesen Bären geschenkt“, erklärt Michael Samel, der sich überlegt hat, ihn mit nach Gambia zu nehmen.

„Er macht sich sicherlich gut als Hospitant bei der Birgit Rose in der Interior Academy.“ Noch bevor es endlich losgeht, dürfen sich alle Anwesenden auf den Boliden mit den besten Wünschen verewigen. Dann drehen die beiden noch eine Runde, drücken jeden der Anwesenden und steigen in ihr Auto. Es ist kurz nach 12 Uhr: Mit lautem Gehupe fahren sie vom Hof, winken ein letztes Mal und verschwinden Meter für Meter aus dem Sichtfeld von Familie und Freunden.

Zum Abschied flossen dicke Tränen

Ihr erster Tourstopp liegt an der südlichen Weinstraße. Es ist früher Abend. In Niederhorbach werden sie schon von den anderen Rallye-Teilnehmern, Dorfleuten sowie Heinz Bormann, Organisationschef der Benefiz-Rallye, erwartet. „Alle sind gut gelaunt und die Gespräche sehr interessant“, schreibt Katrin Samel. Für einen pelzigen Passagier ist die Fahrt früher zu Ende als geplant. Was ist passiert? Der große Plüschbär hat eine neue Besitzerin gefunden. „Lara, ein Dorfmädchen, hat sich unsterblich in den Bär verliebt. Und beim Abschied flossen dicke Tränen. Also bleibt der Bär erstmal bei Lara“, berichtet Michael Samel auf seiner Facebookseite über die Begegnung. Ohne kuscheligen Begleiter, der im Übrigen jetzt Fritzi heißt, geht es nach etwas mehr als zwei Stunden weiter in Richtung Süden. Schließlich haben die beiden noch viel vor. Am Sonntag wollen sie in Barcelona sein. Die Nacht gehört ihnen, vor ihnen liegen 1.300 Kilometer.