Nach Doppelmord an Heiligabend: Kinder der getöteten Nordhäuser von Raubmord überzeugt

Mühlhausen/Nordhausen.  Nach Geständnis eines 57-Jährigen sucht Gericht noch nach genauen Beweggründen der Tat.

Am frühen Morgen des 24. Dezember vorigen Jahres wurden auf einem Grundstück an der Freiherr-vom Stein-Straße in Nordhausen ein getötetes Ehepaar entdeckt.

Am frühen Morgen des 24. Dezember vorigen Jahres wurden auf einem Grundstück an der Freiherr-vom Stein-Straße in Nordhausen ein getötetes Ehepaar entdeckt.

Foto: Hans-Peter Blum

Fast ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines Ehepaars in Nordhausen verhandelt das Landgericht Mühlhausen noch immer über die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die einem 57-Jährigen aus Nordhausen Mord aus Verdeckungsabsicht vorwirft. Der Angeklagte hat bereits gestanden, die beiden bereits verletzten Opfer aus Angst vor Strafverfolgung erstochen zuhaben. Er bestritt aber, am Heiligen Abend aus der Wohnung der Opfer Geld mitgenommen zu haben.

Diese Einlassung glaubt auch die Staatsanwaltschaft inzwischen nicht mehr – die Nebenkläger gehen sogar von Raubmord aus. Ihrer Auffassung nach hat der 57-Jährige seine Opfer gezielt aufgesucht, um sofort an Bargeld zu kommen. „Angesichts der durchwühlten Hosen, des fehlenden Geldes aus dem Briefumschlag und den zuvor gemachten Ausführungen der Zeugen verbietet sich jede andere Schlussfolgerung“, äußerte am Montag der Sohn. Der Angeklagte habe Geld gewollt, und habe nur deswegen an jenem Morgen das Grundstück betreten.

Sohn glaubt Theorie des Gerichts nicht

Der Sohn des getöteten 82-Jährigen hat als Nebenkläger mehrere Seiten vorgetragen und seine Theorie begründet. Anlass war die Ablehnung mehrerer Beweisanträge der Nebenkläger und der Staatsanwaltschaft. Die Nebenkläger stellten in einer Gegenvorstellung neue Beweisanträge, über die im nächsten Termin am 5. Dezember entschieden wird. Dass der Angeklagte Geld in seiner Garage gelagert und am Tattag vor den Tötungen abgeholt haben will, sei für ihn völlig abwegig und durch keinerlei Zeugenaussagen gestützt, sagte der Nebenkläger.

Wäre dies wahr, hätte die Lebensgefährtin, wie sie ausdrücklich bekundet hat, ihre Eltern nicht belügen müssen. Als Zeugin hat sie ausgesagt, dass sie ihren Eltern gesagt hat, dass ihr Herd defekt sei und deshalb fraglich ist, ob das geplante Weihnachtsessen tatsächlich stattfinden würde. Dies habe sie laut Nebenklage allein deshalb getan, weil kein Geld für die notwendigen Einkäufe da war. Hinzu komme auch, dass ein anderer Zeuge bestätigt hatte, dass der Angeklagte bei ihm eine Kamera im Wert von über 100 Euro für 30 Euro ausgelöst habe. „All dies hätte nicht stattgefunden, hätte der Angeklagte tatsächlich über Geld verfügt“, so der Sohn des getöteten 82-Jährigen.

Bei seiner Würdigung der Beweisanträge lasse das Gericht völlig außer acht, dass der Angeklagte ohne Arbeit war und auch keine Sozialleistungen erhielt. „Von welchen Einnahmen hätte er denn dieses Geld sparen sollen?“, fragt der Nebenkläger. Ein Zeuge hatte im Prozess angegeben, dass er in den drei Monaten vor der Tat nahezu täglich bei den Getöteten war und den Angeklagten dort aber nur zweimal gesehen habe: beim Versuch, ein Dach zu reparieren.

Das Gericht gehe davon aus, dass der Angeklagte unwiderlegt über einen längeren Zeitraum für die getöteten Eheleute tätig gewesen sei und verschiedene Arbeiten verrichtet haben soll. Das stimme einfach nicht.

Waren Nahkampftechniken im Spiel?

Auch sei eine weitere Schlussfolgerung der Kammer nicht zu akzeptieren: Die Richter hatten zum Ausdruck gebracht, dass nachvollziehbar sei, dass der Angeklagte an Heiligabend seine späteren Opfer aufsuchte, um mit ihnen eine geschäftliche Besprechung über die Art seiner zukünftigen Entlohnung zu führen, und eine feste und sichere Einkommensquelle zu haben.

Außer der Schutzbehauptung des Angeklagten selbst gibt es nach Auffassung der Nebenklage keinen einzigen Anhaltspunkt dafür. Am 5. Dezember wird bekannt gegeben, ob es weitere Zeugen gibt. Thematisiert werden soll nach Wunsch der Nebenkläger auch, ob der Angeklagte mit Nahkampftechniken getötet hat, die er bei der NVA erlernt haben könnte.

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