110 Anrufe beim Giftnotruf aus dem Saale-Orla-Kreis

Pößneck/Schleiz/Erfurt.  Aus Ostthüringen gingen im Jahr 2019 in Erfurt insgesamt 1304 Anfragen zu Vergiftungen und Verdachtsfällen ein

Verschluckt ein Kind zum Beispiel Putzmittel, sind schneller Rat und Hilfe gefragt. Der Giftnotruf Erfurt wird am häufigsten von Kliniken und Privatpersonen kontaktiert.

Verschluckt ein Kind zum Beispiel Putzmittel, sind schneller Rat und Hilfe gefragt. Der Giftnotruf Erfurt wird am häufigsten von Kliniken und Privatpersonen kontaktiert.

Foto: Peter Meyer / dpa

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Die Zahl der Anfragen an den Erfurter Giftnotruf ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen – von etwa 27.000 Anrufen in 2018 auf mehr als 28.000 in 2019. Vergiftungen können jeden treffen. Aber besonders Kinder sind aufgrund fehlenden Einschätzungsvermögens und der Neigung, alles auszuprobieren, nicht selten gefährdet, einmal von der falschen bunten Flüssigkeit zu kosten. Im Falle eines Vergiftungsverdachtes sind Betroffene auf schnelle Hilfe und Rat angewiesen.

Neben der Bekannten Notrufnummer 112 für lebensbedrohliche Situationen stehen in Deutschland auch die Giftnotrufe zur Verfügung. Unter der Telefonnummer 0361/73 07 30 erreicht man den Giftnotruf des Gemeinsamen Giftinformations­zentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Erfurt. Und zwar rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

55 Privatpersonen aus dem Landkreis wählten Giftnotruf

Auf eine Anfrage der Redaktion hin hat das Giftinformationszentrum die regionalen Daten für Ostthüringen bereitgestellt. Demnach erreichten im vergangenen Jahr 110 Anrufe aus dem Saale-Orla-Kreis den Giftnotruf in der Landeshauptstadt. Das sind 8,4 Prozent der insgesamt 1304 Anfragen aus Ostthüringen. Den Großteil der Fälle im Saale-Orla-Kreis bildeten demnach Anrufe von Privatpersonen/Laien (55) und aus Krankenhäusern (38). Hinzu kamen neun Anfragen aus Arztpraxen sowie fünf aus Kindergärten beziehungsweise Schulen der Region. Die übrigen drei Anrufe verteilten sich gleichmäßig auf Apotheken, Rettungsdienst und Behörden.

Im Ostthüringer Vergleich verzeichnete die kreisfreie Stadt Jena mit 391 Anrufen die in absoluten Zahlen meisten Anfragen beim Giftnotruf im Jahr 2019. Es folgen Saalfeld-Rudolstadt mit 250, die Stadt Gera mit 216, das Saale-Holzland mit 140, der Saale-Orla-Kreis mit den bereits aufgeführten 110 und der Landkreis Greiz mit 100 Anrufen. Aus dem Altenburger Land wählten im vergangenen Jahr 97 Personen die Nummer des Giftnotrufs. Für den gesamten Freistaat Thüringen stehen 3814 Beratungsanfragen zu möglichen oder tatsächlichen Vergiftungsfällen zu Buche.

Kleinkinder sind besonders gefährdet

Laut der Internetseite des Giftinformationszentrums in Erfurt hat sich die Zahl der jährlichen Anfragen seit der Gründung im Jahr 1994 mehr als verfünffacht. Das liege aber weniger an einer Zunahme der Häufigkeit von Vergiftungen als vielmehr daran, dass immer mehr Menschen von der Existenz des Giftzentrums erfahren und das Angebot in Anspruch genommen haben. „Vergiftungen und Vergiftungsverdacht im Kindes- oder Jugendalter verursachen die Hälfte aller Anfragen. Kleinkinder sind dabei durch ihr Probierverhalten besonders im Haushalt und in der natürlichen Umwelt gefährdet“, heißt es da.

Dagegen sei das Risiko einer schweren Vergiftung im Erwachsenenalter deutlich höher als bei Kindern. Todesfälle durch Vergiftungen seien jedoch insgesamt selten. Bei Erwachsenen würden fast zwei Drittel der Fälle durch Arzneimittel verursacht, während bei Kindern auch durch chemisch-technische Produkte und Pflanzen eine große Zahl von Vergiftungsunfällen ausgelöst werde.

Im Laufe eines Jahres sei ab Juni eine deutliche Zunahme der Anfragen zu verzeichnen, die bis in den Oktober anhalte. Dies sei ein Zeitraum, in dem in der natürlichen Umwelt durch giftige Pflanzen, Pilze und Tiere eine zusätzliche Gefährdung auftrete.

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