Seit 30 Jahren gibt es die Rechtsanwaltskanzlei von Dr. Manfred Dahmen in Pößneck

Pößneck.  „Die Ausübung des Rechts darf nicht zu neuem Unrecht führen“ ist einer Grundsätze des Pößnecker Juristen mit fast 50-jähriger Berufserfahrung.

Seit 30 Jahren gibt es die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Dahmen & Kollegen in Pößneck. Zum insgesamt achtköpfigen Team von Senior-Chef Manfred Dahmen gehören die Rechtsanwältinnen Susanne Pericie (links) sowie Elisabeth Neubert und Tina Pöhland (3. und 4. von links), hier vor dem Amtsgericht in Pößneck. 

Seit 30 Jahren gibt es die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Dahmen & Kollegen in Pößneck. Zum insgesamt achtköpfigen Team von Senior-Chef Manfred Dahmen gehören die Rechtsanwältinnen Susanne Pericie (links) sowie Elisabeth Neubert und Tina Pöhland (3. und 4. von links), hier vor dem Amtsgericht in Pößneck. 

Foto: Marius Koity

Das Gespräch eröffnet Rechtsanwalt Manfred Dahmen mit einer ernüchternden Feststellung. Über seine fast 50-jährige berufliche Laufbahn „gibt’s nicht viel zu erzählen“, sagt der promovierte Jurist. Wenige Minuten später ist er warmgeredet – und bei einem seiner spektakulärsten Fälle. Dieser sei ihm am Rande eines Weltmeisterschaftskampfes von Boxprofi Markus Beyer (1971-2018) in Riesa zugeflogen und habe ihm in den 1990ern eine denkwürdige Zeit vor der Pressekammer des Landgerichtes Hamburg eingebracht.

In Riesa sei er mit Hans-Jürgen V., einer heute 76-jährigen DDR-Boxlegende, ins Gespräch gekommen, erzählt Dahmen. V. sei kurz zuvor von einem Hamburger Magazin mit dem sagenumwobenen tödlichen Verkehrsunfall des im Westen gebliebenen DDR-Fußballnationalspielers Lutz Eigendorf (1956-1983) in Verbindung gebracht worden. Das wollte der alte Faustkämpfer nicht auf sich sitzen lassen. So habe man die Zeitschrift verklagt. Und im Zweikampf mit dem mächtigen Verlag habe der „kleine Dahmen aus Pößneck“, wie sich der 1,67 Meter große Rechtsanwalt selbst nennt, ein erkleckliches Schmerzensgeld für seinen Mandanten erstritten.

Das Aufhören ist noch kein Thema

Er sei eine Zeit Halbmittelgewichtsboxer der Betriebssportgemeinschaft Wismut Ronneburg gewesen und daher kenne er manchen Helden der Szene, gibt Dahmen zu verstehen. Den einen oder anderen Kameraden habe er auch in weniger schönen Kämpfen, etwa bei der Scheidung, vertreten. Seit 30 Jahren gibt es die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Dahmen & Kollegen in Pößneck und in dieser Zeit dürfte sie, abgesehen von „exotischen Sachen wie Börsenrecht“, Fälle „in nahezu allen Rechtsgebieten“ verhandelt haben, so der Senior-Chef.

73 Lenze zählt Manfred Dahmen mittlerweile und wenn man ihn nach dem Zeitpunkt des Aufhörens fragt, verdreht er die Augen. Von heute auf morgen werde das nicht passieren, sagt er. Es werde eher ein Abschied in Raten sein. Etlichen seiner Mandanten sei er quasi sein Berufsleben lang, einigen Familien in zweiter Generation als Rechtsberater verbunden – da könne er nicht plötzlich „Feierabend!“ sagen.

Für die Selbstständigkeit habe er kurz vor der Wiedervereinigung eine akademische Karriere aufgegeben, blickt Dahmen zurück. 1986 bis 1990 habe er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Zivilprozessrecht gelehrt. Einzelne seiner Studenten seien Richter geworden und hätten ihm dann seine Lehrsätze um die Ohren gehauen. Vor der kurzen wissenschaftlichen Laufbahn sei er ab 1975 Richter an den Kreisgerichten Pößneck und Saalfeld sowie am Bezirksgericht Gera gewesen. Höhere Weihen in der DDR-Justiz seien ihm seiner Qualifikation zum Trotz verwehrt gewesen – wegen Westverwandtschaft und der kirchlichen Eheschließung von 1972 mit seiner Frau Ursula.

Nachfolge ist längst geregelt

Studiert und promoviert hatte Dahmen in Jena. In seiner Doktorarbeit habe er sich mit der „ungerechtfertigten Bereicherung“ beschäftigt. Seine Fallbeschreibungen seien wohl heute noch mustergültig, denn unlängst habe die Uni ihn um Erlaubnis gebeten, seine Dissertation heutigen Studierenden digitalisiert bereitstellen zu dürfen.

Die Nachfolge in der Kanzlei ist längst geregelt. Rechtsanwältin Susanne Pericie, 43, die sich seit fünfzehn Jahren die Arbeit mit Dahmen teilt, ist seit 2015 Geschäftsführerin der Sozietät. Die Rechtsanwältinnen Tina Pöhland und Elisabeth Neubert sowie vier Rechtsanwaltsgehilfinnen gehören ebenso zum derzeit achtköpfigen Team, das demnächst vergrößert werden soll.

Hilfe in der Not ist Christenpflicht

Ob im Straf-, Zivil- oder Verwaltungsrecht, im Arbeits-, Sozial- oder Gesellschaftsrecht – Arbeit habe man genug. Mit „1000 bis 1200 Mandaten pro Jahr“ wird das Tätigkeitsvolumen beziffert. Constanze Dahmen, eine der beiden Töchter des Senior-Chefs, ist Rechtsanwältin in Leipzig und Schwiegersohn Markus Presch Rechtsanwalt in Weimar – mit deren Kanzleien kooperiere man in vielen Fällen.

Obwohl er auch als Vereins- oder Jagdrechtler einen Namen hat, wird Dahmen in der Öffentlichkeit vor allem als Strafverteidiger wahrgenommen. Im Laufe der Zeit stand er 18-jährigen Drogenkonsumenten und 80-jährigen Unfallflüchtigen, Hartz-IV-Empfängern und Unternehmern, Neonazis und Kinderschändern, Mördern und Totschlägern in der Anklagebank zur Seite.

Wie kommt man mit all diesem Elend der Welt klar? „Ich habe nie eine Straftat verteidigt“, antwortet Dahmen. „Es ist mir nie in den Sinn gekommen, ein Verbrechen zu rechtfertigen. Ich setze mich immer mit dem Menschen auseinander, der sich mir anvertraut hat. Einem Menschen unabhängig vom gesellschaftlichen Rang in der Not zu helfen, ist eine Christenpflicht. Meine Aufgabe als Strafverteidiger ist es, die Ermittlungsergebnisse und den Konfliktstoff kritisch zu beurteilen, um ein möglichst faires Urteil für den Mandanten zu erreichen. Die Ausübung des Rechts darf ja nicht zu neuem Unrecht führen.“

Weder Gewinner noch Verlierer

Glaubt er noch an das Gute im Menschen? „Unbedingt!“, antwortet Dahmen. „Würde ich daran zweifeln, dass straffällig gewordene Menschen resozialisierungsfähig sind, dann könnte ich meinen Beruf nicht ausüben. Mein Ziel ist es, dass man möglichst ohne weiteren Streit auseinandergeht, dass es nach einem Prozess weder Gewinner noch Verlierer gibt, und hierfür suche ich gern die Zusammenarbeit mit dem Gericht. Das ist zwar nicht jedem Mandanten zu vermitteln, die allermeisten profitieren allerdings von einem vernünftig geschlichteten Streit.“