Adventszeit ohne Chorgesang im Orlatal

Krölpa/Bodelwitz/Pößneck.  Keine Proben, keine Auftritte. Corona trifft auch die hiesige Chorlandschaft.

Der Krölpaer Chor Vocalitas – hier ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten – hofft, möglichst zeitnah wieder auftreten zu können.

Der Krölpaer Chor Vocalitas – hier ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten – hofft, möglichst zeitnah wieder auftreten zu können.

Foto: Vocalitas / Archiv

Zu den Höhepunkten im Jahr eines Chores gehören Adventskonzerte. Monatelang werden Klassiker geprobt und neue Gesänge einstudiert, um die Zuhörer in Weihnachtsstimmung zu bringen. Nicht so dieses Jahr.

Und dennoch hat der Chor Vocalitas Krölpa bis zu dieser Woche an seiner traditionellen Adventsmusik festgehalten. Nun hat man sich zur Absage entschlossen. Die Veranstaltung, die für den 1. Advent in Krölpa geplant war, muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

„Es wäre aufgrund der eingeschränkten Probemöglichkeiten in diesem Jahr zwar ohnehin ein deutlich kleineres Programm geworden“, erläutert Jonas Chudasch, Chormitglied und Bürgermeister der Gemeinde Krölpa. Und dennoch schmerze der komplette Verzicht sehr. „Es ist bedauerlich – für die, die kommen, um uns zu hören und auch für uns, die wir gern etwas dargeboten hätten.“ Aber letztlich füge man sich der Situation – für den Bürgermeister der einzig richtige Schritt. Das Adventsmärktchen, das immer zeitgleich stattgefunden hatte, habe man schon von vornherein abgesagt.

Zusammenhalt der Chormitglieder durch lange Probenpausen gefährdet

Dass es ein schweres Jahr für die hiesige Chorlandschaft ist, bestätigt auch Klaus Kramer vom Chor Dreiklang, der in Bodelwitz ansässig ist. „Still ruht der See“, sagt er mit tiefem Bedauern. Es wird nicht geprobt und es wird nicht geplant. Ein Adventskonzert werde es demnach 2020 nicht geben.

Vorschläge vom Thüringer Chorverband, daheim im stillen Kämmerlein zu singen und die Stimmen dann digital zu verbinden, beispielsweise über Internetkonferenzen, hält er für wenig zielführend. Auch unter freiem Himmel zu üben ist für ihn keine Alternative gewesen.

„Die Existenz einiger Chöre steht schon jetzt auf Messers Schneide“, befürchtet Klaus Kramer und ergänzt: „Wir werden noch eine ganze Weile mit der aktuellen Situation leben müssen, da verliert sich am Ende womöglich der Zusammenhalt.“ Und das, wo die Chöre wegen der wenigen jungen Mitglieder sowieso schon immer um ihren Fortbestand bangen müssten.

Renovieren statt Musizieren

Die Angst, dass sich eine Trägheit entwickelt, aus der sich nur schwer wieder herausfinden lässt, kennt auch André Jahn. Der Chorleiter der „Neuen Töne“ aus Pößneck kann sich den Erfahrungen der anderen Chöre nur anschließen. „Die Lage ist schlecht, wir haben gar nicht erst geplant“, sagt auch er. Der Umfang, in dem die Veranstaltungen des Chores sich sonst bewegen, wäre mit den Corona-Bestimmungen gar nicht zu vereinbaren gewesen.

Das letzte Mal, dass der Chor gemeinsam gesungen hat, war kurz vor dem ersten Lockdown. Im Sommer sei wie gewöhnlich Pause gewesen und dann standen bereits die nächsten Beschränkungen vor der Tür, die das Proben unmöglich gemacht haben.

Zu viele Fragen hätten sich gestellt: Wie viele Mitglieder dürfen sich im Raum aufhalten? Wie oft muss man lüften? „Wir haben die Zeit stattdessen genutzt und unsere Vereinsräume renoviert“, berichtet er, wie man aus der Not noch eine Tugend machen konnte.

Bereits verkaufte Eintrittskarten für das Adventskonzert von Vocalitas am 29. November können wieder zurückgegeben werden.