Auf dem Weg in die Schule

Herschdorf/Krölpa.  Serie Landleben: Cindy Tahedl aus Herschdorf wagt den Quereinstieg in den Lehrerberuf.

Die 24-jährige Cindy Tahedl absolviert ein Praktikum an Krölpas Grundschule mit dem Ziel Grundschullehrerin zu werden.

Die 24-jährige Cindy Tahedl absolviert ein Praktikum an Krölpas Grundschule mit dem Ziel Grundschullehrerin zu werden.

Foto: Marcus Cislak

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„Ich möchte Grundschullehrerin werden“, ist sich die 24-jährige Cindy Tahedl aus Herschdorf sicher. Die studierte Literaturwissenschaftlerin hat ihren Universitätsabschluss in der Tasche und absolviert seit mehr als zwei Monaten ein Praktikum in der Grundschule „Adolph Diesterweg“ in Krölpa. Einen Katzensprung von ihrem Heimatort entfernt. Bis vor kurzem lebte sie noch in Jena, wo sie seit 2013 studierte. Seit ihrer Rückkehr ins Elternhaus scheint sich einiges verändert zu haben.

„Ich bin sehr erstaunt, wie viele Kinder ich aus Herschdorf im Unterricht wiedertraf, die ich so gar nicht kenne“, sagt sie lachend und ergänzt: „Ich lerne meine Heimat noch mal neu kennen.“ Dabei leben derzeit 167 Einwohner in dem Ortsteil der Einheitsgemeinde Krölpa. Junge Familien leben im Angerdorf. Viele Kinder besuchen die nahe Grundschule, die zwar ländlich geprägt ist, aber sich im modernen Antlitz präsentiert.

Wissbegierige Grundschüler in Krölpa

Das Grundstück und die darauf befindlichen Gebäude des ehemaligen Schlosses gehören der Gemeinde. Die Grundschule sei als einzige Bildungsanstalt im Saale-Orla-Kreis in einem kommunalen Bauwerk eingemietet. Unter dem Dach befindet sich auch die Musikschule Fröhlich und der Film-und Videoclub Krölpa/Ranis.

Seit 1881 ist im Schloss eine Schule untergebracht, weiß Cindy Tahedl. Sie schrieb mit drei damaligen Klassenkameraden vom Gymnasium „Am Weißen Turm“ in Pößneck eine Seminarfacharbeit über die Schul-Historie. „Wir haben 2010 angefangen. Wir haben jede Menge Interviews geführt und auch im Landeskirchenarchiv geforscht“, erzählt sie. Nun kehrte sie zurück und hospitiert in den fünf Klassen der Adolph-Diesterweg-Grundschule.

„Ich bin am ersten Tag meines Praktikums sehr freundlich von den Kindern aufgenommen worden“, zeigt sie sich begeistert vom warmen Empfang. Sie lobt auch den Kollegenkreis, der aus sechs Lehrern und vier Horterziehern besteht.

„Ich mag die Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen“, sagt sie. Sie hätten stets gute Laune und wären sehr wissbegierig. „Das ist genau das, was ich machen möchte, mit Kindern arbeiten und ihnen Grundlagen beibringen“, so Cindy Tahedl.

Ein vorgezeichneter Weg

Auch wenn sie nicht den klassischen Weg einschlug – also ein Lehramtsstudium –, schien rückblickend vieles auf den jetzigen Berufswunsch hinzudeuten. „In den Prüfungen an der Uni vermutete mancher Dozent, dass ich auf Lehramt studiere, weil ich gut erklären und sprechen kann“, sagt die 24-Jährige. Zudem übernahm sie zum Beispiel eine Lesepatenschaft. „Es war sehr interessant, wie der Junge mit der Zeit Fortschritte beim Lesen machte“, findet sie. Auf der Leipziger Buchmesse führte sie eine Schülertour und absolvierte ein Praktikum bei einem Weimarer Verlag. Nun wagt sie den Quereinstieg als Lehrerin.

„Derzeit müssen die bürokratischen Hürden auf dem Weg zum zweiten Staatsexamen geklärt werden“, sagt sie über den aktuellen Stand. Dabei geht es auch um die Anerkennung ihres jetzigen Studienabschlusses, pädagogische Weiterbildungen, Lehrerfahrungen und eventuelle fachliche Lücken. Mit Mathematik sei sie studienbedingt eher wenig in Berührung gekommen. Cindy Tahedl rechnet mit einer zusätzlichen zweijährigen Ausbildung. „Ich würde mich freuen, wenn ich in der Region bleiben und hier lehren könnte“, sagt sie.

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