Aufräumarbeiten nach Starkregen in und um Pößneck

Trannroda/Pößneck.  Das Unwetter am Samstag hat vor allem Trannroda – dort wurde der Schlammfang überspült – und die Schule in Pößneck-West getroffen.

In Trannroda beseitigen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei den Schlamm.

In Trannroda beseitigen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei den Schlamm.

Foto: Marcus Cislak

Nach den starken Gewittergüssen am Wochenende, die unter anderem im Krölpaer Ortsteil Trannroda eine Schlammlawine auslösten und zu einem starken Wassereinlauf im Schulkomplex in Pößneck-West führten, beseitigen auch am Montag noch Helfer und Verantwortliche die Folgen, räumen auf und begutachten die Schäden. Am Samstagabend lief, wie Videos zeigten und Augenzeugen berichteten, das Rückhaltebecken beziehungsweise der Schlammfang am Rande von Trannroda über. Auch der Dorfteich selbst fasste die Wassermassen nicht. Etliche Tonnen Sand und Schlamm rutschten aus Richtung Waldhaus Zella bis zur Ortsmitte. Dabei wurde auch der öffentliche Spielplatz in Mitleidenschaft gezogen.

Das sei ein solches punktuelles Wetterereignis gewesen, dass die vor etwa zehn Jahren errichtete Schutzvorrichtung aus hölzernen Stelen und einem Becken schnell an ihre Grenze gekommen sei, so Bürgermeister der Einheitsgemeinde Krölpa, Jonas Chudasch. Die bauliche Maßnahme habe in den vergangenen Jahren gut Dienste geleistet und den Schlamm aus Trannroda fern gehalten, findet er. Im Nachgang werde man die Situation auswerten und erörtern müssen, ob die Notwendigkeit bestehe, den Schlammfang zu vergrößern, um noch besser auf Starkregenereignisse vorbereitet zu sein.

Anwohner unzufrieden

Anwohner Kurt Immer, welcher direkt am Dorfteich wohnt, sagt, dass das Ereignis vermeidbar gewesen wäre, hätte man Fehler in der Vergangenheit mit dem Bau der Schutzanlage ausgemerzt. Vorhandene Abläufe, Rinnen und Rückhaltebecken außerhalb des Dorfes wären schon zu DDR-Zeiten versiegelt beziehungsweise zurückgebaut worden. Auf den Umstand haben er und andere Trannrodaer damals die Schlammfang-Planer hingewiesen. Doch er sei enttäuscht worden. Einen weiteren Aspekt nennt Nachbar Kevin Schemmerling: „Durch das umliegende Maisfeld wird die Erosion erhöht, so dass das Feld auf die Straße geschwemmt wird. Das Ganze wirkt dann wie ein Trichter“, meint er. Zudem verstopfe am Ortsausgang in Richtung Zella regelmäßig der Straßeneinlauf, hat er beobachtet.

Am späten Montagmorgen haben Mitarbeiter der Straßenmeisterei, welche der Gemeinde bei den Aufräumarbeiten halfen, mehr als zehn Lkw-Ladungen voller Schlamm, der mehrheitlich aus Sand besteht, aus dem Vorfluter am Schlammfang, den Vorgärten und von der Straße gebaggert. „Bei solchen Witterungen ist man eigentlich machtlos, irgendwann ist der Flutgraben eben voll und es schwappt drüber“, sagt Tino Zaumsegel, stellvertretender Chef des Pößnecker Standorts. Ob eine Vergrößerung des Beckens am Schlammfang, welches etwa eineinhalb Meter tief sei, ausreiche, vermag er nicht zu sagen. „Es war eben eine Ausnahmesituation.“

Wasser läuft Wände hinab

Feuchtigkeit im Schulgebäude in Pößneck-West scheint keine Ausnahmesituation zu sein, zumindest dann nicht, wenn es regnet. Seit der Sanierung der Gebäude beklagt man die undichte Verbindung zwischen den Glasbauten, welches das Atrium bildet und Regelschule von Grundschule abtrennt, und den massiven Wänden der beiden Gebäudeteile. „Das Atrium, drei Etagen und das Musikzimmer standen nach dem Starkregen am Samstag unter Wasser“, resümiert Sylke Kühne, Schulleiterin der Regelschule „Professor Franz Huth“. Der Teil der Regelschule sei stärker betroffen als der der Grundschule.

Jugendliche hätten am Samstagabend den Wassereinbruch bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert, sagt sie anerkennend und dankbar. Das Wasser sei an den Wänden hinabgelaufen und sammelte sich auf den Böden in den Fluren, durchdrängte den Fußbodenbelag des Musikzimmers. Dessen Einrichtung hat gelitten, Schränke quellen auf. „Ich mag mir nicht vorstellen, was über die Jahre für Schäden entstanden sind. Es dringt seit 17 Jahren Feuchtigkeit von oben ein“, sagt sie. Um gesundheitliche Risiken auszuschließen, bleibt der am schlimmsten betroffene Raum, das Musikzimmer, für alle geschlossen bis eine Lösung gefunden ist. Sie hofft, dass die ursächlichen Mängel am Gebäude in absehbarer Zeit beseitigt werden.

Die erste Belastungsprobe habe hingegen die sanierte Einmündung Goethestraße und Neustädter Straße zufriedenstellend bestanden, sagt Pößnecks Bauamtsleiter Frank Bachmann auf Nachfrage. Der Kreuzungsbereich sei in der Vergangenheit immer wieder stark vom herbschießenden Wassermassen betroffen gewesen. „Die zusätzlichen Einläufe haben ihren Dienst, wie erhofft, verrichtet“, so der Bauamtsleiter. Anwohner haben vorsorglich, wie jahrelang schon erprobt, Bretter und andere Schutzvorrichtungen an ihren Haustüren aufgestellt gehabt, gibt er die Vor-Ort-Beobachtungen einer seiner Mitarbeiter wieder. „Das sei aber nicht notwendig gewesen“, sagt er.