Autohaus Hofmann in Triptis: Drei Generationen und Fortsetzung folgt

Triptis.  Autohaus Hofmann in Triptis feiert 75-jähriges Firmenjubiläum blickt auf ereignisreiche Jahre zurück. Wie aus einer Reparaturwerkstatt ein renommiertes Autohaus wurde.

Wolfgang Hofmann führt das Autohaus in der dritten Generation und gibt in den nächsten zwei Jahren den Staffelstab an seinen Sohn Philipp weiter.

Wolfgang Hofmann führt das Autohaus in der dritten Generation und gibt in den nächsten zwei Jahren den Staffelstab an seinen Sohn Philipp weiter.

Foto: Conni Winkler

Die Leidenschaft für Fahrzeuge hat Wolfgang Hofmann im Blut. Gespielt hat er mit Schraubenschlüsseln und Wagenmuttern. Denn seine Kindheit verbrachte er in der väterlichen Autowerkstatt in Triptis. Das Autohaus Hofmann führt der Unternehmer bereits in der dritten Generation. Im November feiert das Unternehmen sein 75-jähriges Bestehen und hat so manchen Umbruch überlebt.

Als Kraftfahrzeugmeister Rudolf Hofmann im November 1945 eine Werkstatt in der Poststraße in Triptis eröffnete, konnte er noch nicht ahnen, dass sein Unternehmen mal von seinem Enkel fortgeführt werden würde. Direkt nach dem Krieg reparierte er vom Motorrad, über LKW und Traktoren alles, wie Wolfgang Hofmann berichtet. Weil es noch keine serienmäßige Produktion für Fahrzeuge gab, spezialisierte sich Hofmanns Werkstatt auf Eigenbau-Traktoren. Defekte Fahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg dienten als Teilespender.

„Was nicht passte, wurde passend gemacht“, so habe es Wolfgang Hofmann vom Großvater erzählt bekommen. „Über einem Amboss wurden Schutzbleche zurecht gebogen und in der Werkstatt stand ein kleiner Kohleofen.“ Das sei heute alles undenkbar. Seit damals habe sich die Autoindustrie rasant entwickelt und stehe heute wieder vor einer Zäsur. „Elektromobilität und autonomes Fahren stehen auf der politischen Agenda. Das wird auch den Autohandel und die Werkstätten massiv verändern“, sagt der Unternehmer. Wie die Zukunft von Autohäusern und Werkstätten einmal aussehen wird? er wisse es nicht. „Aber hier auf dem Lande wird es noch lange Individualverkehr geben. Autonomes Fahren hat doch hauptsächlich in den Großstädten Sinn“, sagt der Mann, der gerne mal mit seinem Oldtimer-Sportwagen durch die Gegend düst.

In den frühen 50er Jahren sei es nicht um Fahrspaß und Umweltverträglichkeit gegangen sondern darum, „aus dem etwas zu machen, was nach dem Krieg vorhanden war“, konstatiert der 64-Jährige. So habe sein Vater Erich für sich und seine Familie 1955 ein Auto gebaut. Aus alten Teilen versteht sich, inklusive eigenem Design. Als Räder dienten Flugzeugreifen, ein Zweitaktmotor als Antrieb. Was man eben alles in den Straßengräben habe finden können, erzählt Wolfgang Hofmann. „Getauft wurde er auf den Namen Flitzer.“ Weil Flitzer nie ein Dach bekam, sei es mehr ein Schönwetterauto gewesen.

Erich Hofmann übernahm 1958 die Werkstatt von Vater Rudolf und erhielt einen Servicevertrag für den Trabant. Die Sachsenring GmbH startete 1958 die Serienproduktion des Trabants. Die Werkstatt boomte. Was tun? Erich Hofmann baute schließlich eine alte Scheune in der Tömmelsdorfer Straße in Triptis zur Werkstatt um, die 1964 eingeweiht wurde.

Weil die Nachfrage nach Autos in der DDR so groß war, sei die Werkstatt Hofmann dazu übergegangen, aus Trabant-Teilen ganze Autos neu aufzubauen. „Die Wartelisten dafür waren lang“, sagt Wolfgang Hofmann. Ging nicht anders. Denn in der DDR durfte ein Selbstständiger maximal zehn Angestellte haben. „Wir waren schnell an unserer Kapazitätsgrenze angelangt.“ In der Tömmelsdorfer Straße hätten lange Schlangen reparaturbedürftiger Trabis geparkt. Ständig. Pro Tag habe die Firma etwa zwanzig Autos reparieren können. „In den 80er Jahren boomte das Geschäft“, erzählt der Unternehmer und hat 1988 seine eigene Werkstatt für Karosseriebau in der Leubendorfer Straße aufgemacht. „Meine Auftragsbücher waren für fünf Jahre gefüllt.“ Dann kam die Wende.

Die Nacht am 9. November verbrachte Wolfgang Hofmann zufällig in Ost-Berlin bei Freunden. Männerrunde. Die Nachricht der Grenzöffnung erreichte sie. Wolfgang Hofmann machte sich auf den Weg an die Grenze und konnte nicht glauben, was passierte. Als er schließlich im Westteil direkt hinter dem Brandenburger Tor auf die Mauer kletterte, wusste er noch nicht, wie sich die Geschicke des Familienunternehmens Hofmann in den nächsten Monaten ändern würden.

„Nach der Währungsunion war es vorbei mit den Trabis. Ein Einziger kam, und ließ seinen Trabant für 10.000 Westmark generalüberholen. Das war’s“, erzählt der 64-Jährige. Weil Wolfgang Hofmann einen Opel-Händler- und Servicevertrag und dadurch Kredit bei der Bank bekommen habe, sei es dennoch wieder aufwärts gegangen. Das Autohaus Hofmann ward geboren. Ein Neubau am heutigen Standort in der Straße des Friedens sicherte das Fortbestehen. Heute arbeiten hier neun Mitarbeiter, inklusive Sohn und Bruder des Unternehmers. „In zwei Jahren wird mein Sohn Philipp das Autohaus übernehmen“, sagt Wolfgang Hofmann. Die 75-jährige Firmengeschichte wird fortgeschrieben.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen hat anlässlich des Firmenjubiläums eine Urkunde vorbereitet. „Es ist schön, noch solche langjährigen Traditionsunternehmen in der Region zu haben“, sagt Heike Kunz von der IHK und gratuliert dem langgedienten Unternehmer Hofmann. Besonders freue sie, dass die Unternehmensnachfolge schon gesichert sei. Wolfgang Hofmann indes sitzt an seinem Schreibtisch und beim Blick auf die alten Fotos aus den Anfangstagen der Firma denkt er über seinen Ruhestand nach: „Das Loslassen ist gar nicht so leicht.“