Beim nächsten Mal wieder mehr Pößneck wagen

Marius Koity über die Neujahrsempfangsrede des Pößnecker Bürgermeisters.

Marius Koity.

Marius Koity.

Foto: Peter Cissek

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Auf seinem diesjährigen Neujahrsempfang hielt der Pößnecker Bürgermeister Michael Modde (parteilos) zweifelsohne eine großartige Rede. Mit seinen ironischen Betrachtungen zu Merkel, AKK & Co., seinen gründlichen Ausführungen zum Zustand der Gesellschaft, seiner willkommenen Verteidigung der Großmütter und -väter gegen Geschmacklosigkeiten, die frech als Satire verkauft werden („Oma ist `ne alte Umweltsau“), traf er den Nerv der allermeisten Hörer im großen Saal des Schützenhauses. Sein Vortrag könnte gut als Bewerbung um eine Verantwortungsposition in einer Berliner Friedrich-Merz-Regierung oder als Gastbeitrag auf einer Meinungsseite in der von Modde sehr geschätzten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ durchgehen.

Als profilierter konservativer Politiker hat er sich freilich eher mit „Fridays-for-Future-Aktivisten“, wie er sagte, auseinandergesetzt und in diesem Zusammenhang etwa von einer „spaltenden Debatte“ gesprochen. Interessant wäre ein genauso qualifizierender Blick auf die Aktivisten am anderen Rand des politischen Spektrums und deren Diskussionsstil gewesen, der beispielsweise dazu führt, dass Kollegen von Modde schon mal an den Großen Waffenschein denken. Das wäre dann aber wohl, neben den Coups mit den wohltuenden Kurzauftritten von Dirk Michaelis und der emotionalen Auszeichnung von Yves Günther, zu viel der Überraschungen an einem Abend gewesen.

Modde sollte in seiner nächsten Neujahrsempfangsrede wieder mehr Pößneck wagen, so wie er es (in den Wahlkampfjahren) 2018 und 2019 sehr gut gemacht hat. Das klingt dann vielleicht nicht so glatt wie am Mittwochabend. Es dürfte aber eher als Gott und die Welt zu einem städtischen Neujahrsempfang und besser zu den Gründen passen, welchen er seine Wahlerfolge zu verdanken hat, nämlich der Bodenständigkeit und der konkreten Beschäftigung mit der Stadt in all ihren Facetten.

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