Bleiloch Ultra Trail ist für ein Viertel der Starter zu hart

Kloster  Mit 62 Wagemutigen feiert der Bleiloch-Ultra-Trail bei schwierigsten Bedingungen Premiere. Nicht alle schaffen es bis ins Ziel. Der Sieger kann es sich indes sogar erlauben, mehrmals vom Weg abzukommen.

Der spätere Gewinner Frank Rothe, hier sichtlich gut gelaunt am ersten Verpflegungspunkt, feierte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg – und das obwohl er gleich viermal vom Weg abkam.

Der spätere Gewinner Frank Rothe, hier sichtlich gut gelaunt am ersten Verpflegungspunkt, feierte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg – und das obwohl er gleich viermal vom Weg abkam.

Foto: Alexander Hebenstreit

Man muss schon einigermaßen verrückt sein, um sich so etwas freiwillig anzutun und – in Form des Startgelds – auch noch dafür zu bezahlen. Nasskaltes Wetter bei sechs Grad Celsius und stetigem Nieselregen, Start und für die späteren Finisher auch Zieleinlauf im Dunkeln und dann sind ganz nebenbei noch 85 Kilometer Strecke über immer wieder unwegsames Gelände bei diversen Höhenmetern zu überwinden. Der Bleiloch-Ultra-Trail feierte Premiere und bei Ultraläufen – ob nun mit oder ohne Trailcharakter – geht es eben doch ein wenig entspannter zu, als bei anderen Laufveranstaltungen.

So nahm sich selbst der spätere Sieger Frank Rothe schon am ersten Versorgungspunkt nach rund 15 Kilometern ein, zwei Minuten für einen kurzen Plausch mit den Helfern. „Wir haben doch Zeit. Es ist alles super, eine tolle Strecke“, fand der große Favorit aus Saalfeld lobende Worte.

Landschaftlich reizvoll, sportlich fordernd

Doch die Strecke, die einmal um den größten Stausee Deutschlands führt, ist eben nicht nur landschaftlich reizvoll, sie hat es auch richtig in sich und verlangt seinen Herausforderern alles ab. 14 der 62 angetretenen Starterinnen und Starter, also fast ein Viertel, erreichten das Ziel nicht mittels eigener Beinkraft. Teilweise gaben sie auf, teilweise wurden sie auch aus dem Rennen genommen.

Bereits vorab war klar, dass diejenigen, die den fünften Versorgungspunkt nach rund 70 Kilometern bis 18 Uhr nicht erreicht haben, ausscheiden. Wie sich später herausstellte, die richtige Entscheidung, denn bis spätestens 20 Uhr – also nach 13 Stunden Laufzeit – sollten alle im Ziel sein. Mit Stefan Kempmann und Stefan Hantscher erreichten die beiden letzten Finisher das SEZ Kloster nach exakt 13:05:31 Stunden.

Schwierigkeit der Strecke teilweise unterschätzt

„Es war zu erwarten, dass es für einige zeitlich eng wird. Aber es war auch zu erwarten, dass manche die Strecke bei dieser Witterung unterschätzt haben. Die Runde ist sehr schwierig. So etwas findet man außerhalb des Hochgebirges kaum“, meint Mitorganisator Daniel Majrchzak vom Organisationsteam mit Blick auf die ausgeschiedenen Sportler.

Der Dauerregen der vorangegangenen Tage tat sein Übriges, so dass die Streckenführung an einer Stelle sogar noch nach dem Start geändert wurde. „Es wäre maximal auf allen Vieren möglich gewesen und das mit 70 Kilometern in den Beinen“, so Daniel Majrchzak. Bei den Teilnehmern kam die maßgeblich von Frederik Thieme aus Schleiz erstellte Runde trotzdem gut an. So hielt etwa Frank Rothe, der nach eigenem Bekunden „auch mal der Länge nach auf dem Waldboden“ lag, fest: „Landschaftlich geht es kaum besser, die Strecke war auch top. Endlich ein Event neben dem Südthüringentrail, das den Namen Trail wirklich verdient.“

Drei Läufer bleiben unter neun Stunden

Der Saalfelder stürmte mit weitem Abstand vorneweg und erreichte das Ziel nach 8:20:05 Stunden mit fast 25 Minuten Vorsprung auf Stefan Wilsdorf vom SV Motor Königssee. Dabei konnte er es sich sogar leisten, viermal vom Weg abzukommen.

Dank GPS-Tracker und Mobiltelefon wurde aber schnell gegengesteuert und der Zeitverlust hielt sich in Grenzen. Das Podium komplettierte Michael Könner aus Leipzig, der als dritter Athlet unter neun Stunden blieb und den schnellsten Einheimischen und Mitorganisator Frederik Thieme auf Rang vier verwies. Von den fünf gestarteten Frauen erreichten nur zwei das Ziel aus eigener Kraft: Beate Ernst aus Fröttstädt sowie die älteste aller Teilnehmer, Renate Warnstedt von Triathlon Gera (Jahrgang 1959).

Wiederholung steht in den Sternen

Ob es den Bleiloch-Ultra-Trail noch einmal geben wird, steht aktuell in den Sternen. „Es kann gut sein, dass ihr etwas Einmaliges lauft. Es kann aber auch sein, dass es den Ultra Trail nächstes Jahr oder zum 20. Jubiläum des Bleilochlaufs (Anm. d. Red.: das wäre 2024) wieder gibt“, sagte Rico Majrchzak vom Organisationsteam vor dem Startschuss in Richtung der Sportler.

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