Christian Herrgott und die CDU wollen wieder gewinnen

Landtagswahl 2019: Fragen an Christian Herrgott, Direktkandidat im Wahlkreis 34 (Orlatal).

Der CDU- Direktkandidat Christian Herrgott. 

Der CDU- Direktkandidat Christian Herrgott. 

Foto: Laurence Chaperon

Pößneck. Christian Herrgott will sein vor fünf Jahren errungenes erstes Landtagsmandat am 27. Oktober verteidigen.

Herr Herrgott, warum wären Sie der beste Vertreter des Wahlkreises?

Ich wurde in unserem Landkreis geboren, bin hier aufgewachsen, wohne in Neustadt, habe hier geheiratet, eine Familie gegründet. Ich bin seit 20 Jahren kommunalpolitisch aktiv und durch meine Arbeit und im Ehrenamt sehr viel in der Region unterwegs. Diese Erfahrung von den Herausforderungen hier vor Ort möchte ich auch in den kommenden fünf Jahren im Landtag einbringen und mich für unsere Region weiter einsetzen.

Was spricht gegen die anderen fünf Bewerber?

Das mögen die Menschen im Orlatal bitte selbst bewerten. Ich werbe grundsätzlich für Ziele, die für unsere Heimat wichtig sind und mir am Herzen liegen.

In der CDU wird mit AfD-Positionen sympathisiert. Würden Sie einer entsprechenden Koalition zustimmen, um Ihrer Partei an die Macht zu helfen?

Wir arbeiten für einen klaren Erfolg und ein starkes Ergebnis für die CDU. Dies ist die Voraussetzung für die Ablösung von Rot-Rot-Grün durch eine Regierung aus der bürgerlichen Mitte. Eine Koalition mit der AfD um Herrn Höcke schließe ich aus.

Ihrer Partei wird nachgesagt, keinen Draht zur Jugend zu haben. Wie erklären Sie sich das als junger CDU-Politiker?

Diese Pauschalkritik kann ich nicht bestätigen. Beispielsweise ist die Junge Union der einzige politische Jugendverband einer Partei im Saale-Orla-Kreis, der sich kontinuierlich für die Belange junger Menschen einsetzt. Als Vorsitzender der Kreisjugendrings bin ich regelmäßig mit jungen Menschen im Gespräch, um vor allem konkrete Projekte vor Ort wie die den Ausbau von Jugendclubs zu unterstützen.

Seit den 1990ern wird über eine Ortsumgehung für Pößneck, Krölpa und Rockendorf geredet. Was werden Sie unternehmen, damit in fünf Jahren gebaut wird?

In der aktuellen Legislatur ist es mir zusammen mit der Bürgerinitiative B 281 und vielen Unterstützern gelungen, sehr viele Unterschriften zu sammeln und positive Stellungnahmen zu bündeln, so dass die Ortsumgehung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgenommen wurde. Im kommenden Jahr werde ich weiter wie bisher Druck machen, so dass nach Abschluss der Vorplanungen endlich Baurecht geschaffen werden kann. Zudem werde ich mich für mehr Mitarbeiter im Bereich Planung des Thüringer Verkehrsministeriums stark machen, damit Projekte nicht durch Personalengpässe weiter verzögert werden.

Wie wichtig ist die Linkenmühlenbrücke für die touristische Entwicklung der Region?

Die Umsetzung dieses Projektes unterstütze ich grundsätzlich. Hier wurde von Rot-Rot-Grün viel angekündigt und wenig umgesetzt. Bei der weiteren Planung wären die berechtigten Interessen der Anwohner an den derzeit sehr engen Zufahrtsstraßen in Paska stärker zu berücksichtigen. Nur durch eine breite Akzeptanz vor Ort lässt sich dieses Projekt zum Erfolg führen.

Im Orlatal gelten hunderte Jobs wegen der E-Mobilität als akut gefährdet. Was werden Sie für den Erhalt dieser Arbeitsplätze tun?

Unsere Kfz-Zulieferindustrie ist sehr diversifiziert und vor allem innovativ, wie ich aus Betriebsbesuchen weiß. Die derzeitigen Vorstellungen zur flächendeckenden E-Mobilität halte ich für deutlich nachbesserungsbedürftig. Unsere Mittelständler werden wie bisher den Herausforderungen am Markt umsichtig begegnen. Ich unterstütze sie gern bei der Nutzung von Förderprogrammen beispielsweise für Forschung und Entwicklung.

Was werden Sie zur Verbesserung des ÖPNV in der Region unternehmen?

Ich möchte den ÖPNV weiter ausbauen, durch flexible Formen wie Ruf- und Bürgerbusse sowie Sammel- und Ruftaxis gezielt stärken. Dafür werde ich mich um mehr finanzielle Mittel für unsere Region stark machen.

Was werden Sie tun, um dem ländlichen Raum mehr Gehör in Erfurt zu verschaffen?

Ich werde mich gemeinsam mit meinen Kollegen für ein Heimatministerium, welches außerhalb Erfurts im ländlichen Raum angesiedelt sein soll, einsetzen. Wir brauchen für die Belange der Regionen jenseits der Stadtgrenzen von Erfurt und Jena mehr Berücksichtigung und das heißt konkret auch mehr Geld für unsere kleine Kommunen.

In Ihrem Wahlkreis gibt es zurzeit 39 Gemeinden und Städte. Wie viele werden es, Stichwort Gemeindegebietsreform, in fünf Jahren sein und warum?

Ich unterstütze freiwillige Gebietsveränderungen. Eine Zwangsgebietsreform, wie sie von Rot-Rot-Grün in dieser Legislatur geplant wurde und gescheitert ist, lehne ich ab.

Was ist Ihr Rezept gegen die Lehrer- und Erzieher-Not?

Dem massiven Unterrichtsausfall von einer Million Stunden muss endlich konsequent begegnet werten. Dazu muss Thüringen mit den sprudelnden Steuermehreinnahmen die Zahl der Referendare weiter erhöhen; so viele Lehrer einstellen, wie in den Ruhestand gehen; die Einstellungsverfahren effektiver gestalten, um mit anderen Bundesländern konkurrenzfähig zu sein. Zudem werde ich mich für den Ausbau der Schulsozialarbeit einsetzen.

Woher sollen künftig ausreichend Pflegekräfte für das ­Orlatal kommen?

Wir müssen den gesellschaftlich Stellenwert der Pflege verbessern, um mehr junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen. Dies geht nur mit einem besseren Image, besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besserer Bezahlung. Zusätzlich werden wir ein Fachkräfteprogramm auf den Weg bringen, um weitere ausländische Auszubildende und ausgebildete Pflegekräfte etwa aus Vietnam für unsere Region zu gewinnen.

Die Region ist eine der sichersten in Thüringen, das Gefühl vieler Leute ist aber ein gegensätzlich anderes. Wie erklären Sie sich das?

Einzelne Vorfälle erschüttern immer wieder das Sicherheitsgefühl der Menschen. Aber auch objektiv gilt es, die Polizei zu stärken durch mehr Beamte, einen Ausbau des Kontaktbereichsdienstes und eine Verbesserung der Beförderungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Nur so wird es uns gelingen, wieder mehr Polizei sichtbar in unseren Städten zu haben und damit auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.

Was werden Sie tun, um der weiteren Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken?

Ich werde weiter kontinuierlich vor Ort unterwegs sein, um mit den Menschen zu allen Anliegen ins Gespräch zu kommen. Nur mit einem offenen und direkten Meinungsaustausch kann man das Verständnis für die unterschiedlichen Positionen vertiefen, Notwendigkeiten erläutern.

Wie viel Geld kostet Ihr Wahlkampf und wer finanziert ihn?

Ich finanziere den Wahlkampf aus meinen privaten Mitteln und werde von Spendern unterstützt. Eine Finanzspritze der Landespartei, wie sie in anderen Parteien üblich ist, erhalten CDU-Direktkandidaten nicht.

Zur Person

Christian Herrgott wurde am 26. August 1984 in Schleiz geboren.

Zu Hause ist er in ­Neustadt.

Aktuell ist er Landtagsabgeordneter.

Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Unter seinen höchsten politischen Ämtern ist jenes des 1. ehrenamtlichen Beigeordneter des SOK-Landrates.

Auf die Frage nach seinem Wahlprogramm verweist er auf die Ziele der Landespartei, abrufbar unter www.christian-herrgott.de/Dateien/regierungsprogramm-cdu-thueringen/5039813

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