Corona-Impftag in den Pflegeheimen der Volkssolidarität Pößneck

Pößneck  Zur Immunisierung hatten sich mehr als 90 Prozent der Senioren und gut jede zweite Pflegekraft gemeldet

Impftag im Pößnecker Pflegeheim der Volkssolidarität: Die 93-jährige Edith Kunstmann lässt sich von Cornelius Golembiewski gegen Corona immunisieren, die Pflegerin Ina Bohne hilft.

Impftag im Pößnecker Pflegeheim der Volkssolidarität: Die 93-jährige Edith Kunstmann lässt sich von Cornelius Golembiewski gegen Corona immunisieren, die Pflegerin Ina Bohne hilft.

Foto: Marius Koity

In einer entspannt erscheinenden Atmosphäre wurde am Donnerstag der Corona-Impftag in den Pflegeheimen der Volkssolidarität Pößneck absolviert. Bis in den Nachmittag hinein wurden Bewohner und Beschäftigte in Pößneck gepiekst, anschließend war das Team um den Arzt Cornelius Golembiewski in Gräfendorf zu Gast. Während der Mediziner aus Jena stammt, waren seine Helfer aus Greiz und Weimar angereist.

„Die Leute sind recht aufgeschlossen“, kommentierte Golembiewski. „Man merkt, dass sie sich mit dem Thema vorher beschäftigt haben.“

Ein Leben lang mit Schutzimpfungen gut gefahren

Unter den impfwilligen Senioren war Edith Kunstmann, 93, Mitglied des Heimbeirates. „Ich habe mich immer impfen lassen, jedes Jahr auch gegen Grippe“, berichtete die gut gelaunte alte Dame. Speziell zur Corona-Immunisierung hätten ihr Ärzte aus ihrer Familie geraten. „Ich bin mit den Schutzimpfungen mein Leben lang gut gefahren und ich hoffe, das klappt jetzt wieder“, so die einstige Lehrerin.

Zum Impfarzt wurde Kunstmann von der Altenpflegerin Ina Bohne, 50, gebracht, die sich ebenfalls spritzen ließ. „Ich hab’s gemacht, weil ich meine Eltern und die Bewohner, mit welchen ich zu tun habe, schützen will, und natürlich hoffe ich, dass ich auch mir geholfen habe“, sagte sie.

Skepsis in den Reihen der Pflegekräfte

Heimleiter Knut Zöphel, 46, war zu Beginn des Impftages mit gutem Beispiel vorangegangen und von ihm war zu erfahren, dass sich, über beide Heime betrachtet, „mehr als 90 Prozent“ der Bewohner und „50 bis 60 Prozent“ der Pflegekräfte für die Impfung angemeldet hätten. Mit diesen Quoten könne man zufrieden sein.

Anfänglich sei die Skepsis unter den Mitarbeitern groß gewesen, räumt Zöphel ein. Je mehr man sich dann mit dem Thema auseinandergesetzt habe, desto mehr Anmeldungen habe es gegeben.

Junge Leute fühlen sich ausreichend stark

„Die meisten Leute folgen ihrem Bauchgefühl“, lautet Zöphels Beobachtung. Er selbst habe die möglichen Nachteile und erwartbaren Vorteile gegeneinander abgewogen und sich für eine Immunisierung entschieden.

Aus welchen Gründen lassen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht impfen? „Hauptausschlussgrund ist die Angst vor Langzeitschäden“, antwortet Zöphel. Oft ins Felde geführt werde das Argument, dass der Impfstoff nicht ausreichend erprobt sei. Jüngere Leute würden sich zudem ausreichend stark für den Fall einer Ansteckung fühlen.

In der Volkssolidarität gibt es keinen Impfzwang

„Gegen Ängste lässt es sich schlecht argumentieren“, fasst Jürgen Zörcher, Geschäftsführer der Volkssolidarität Pößneck, die Impfvorbereitungen in den Pflegeheimen zusammen. Zudem habe offenbar „Dr. Facebook“ Einfluss. „Aber egal“, so Zörcher. „Wenn sich jemand nicht impfen lässt, dann ist das so. Es gibt bei uns keinerlei Impfzwang. Weder Mitarbeiter noch Bewohner müssen unsererseits irgendwelche Konsequenzen befürchten.“

Was ist an Hinweisen über mehrere Corona-Tote im Pößnecker Pflegeheim dran? „Wir hatten das Virus in zwei unserer drei Pößnecker Stationen, in Gräfendorf gar nicht“, antwortet Zörcher. „Ob die Zahl unserer Todesfälle der letzten Zeit überdurchschnittlich hoch ist, lässt sich so pauschal nicht sagen.“

Sechzehn Tote seit Anfang Dezember

Zöphel zufolge, seien seit Anfang Dezember sechzehn Bewohner gestorben. In fünf Fällen sei ein Zusammenhang mit Corona definitiv auszuschließen, in elf Fällen nicht. Nähere Untersuchungen der zunächst positiv schnellgetesteten Verstorbenen habe es allerdings nicht gegeben. Ebensowenig habe es Widerspruch gegen Feststellungen von Corona als Todesursache gegeben, Angehörige hätten da andere Sorgen. Im besten Sinne des Wortes positiv sei es, dass seit dem 8. Januar alle Corona-Tests in den beiden Pflegeheimen negativ ausgefallen seien.

In den den Pflegeheimen der Volkssolidarität werden zurzeit insgesamt 117 Senioren von 88 Pflegekräften betreut. Jetzt seien alle, Geimpfte wie Nichtgeimpfte, auf die Entwicklung in den kommenden Wochen gespannt. Die Folgeimpfung in den beiden Pflegeheimen ist für den 4. Februar terminiert.