Meine Woche

Der Wert mancher Dinge

Marius Koity
Marius Koity

Marius Koity

Foto: Peter Cissek / Andreas Wetzel

Marius Koity über den Maibaum auf dem Pößnecker Marktplatz

Ich kann seit bald zehn Jahren quasi meine Uhr danach stellen: Irgendwann in den ersten Maitagen findet sich immer jemand, der es am Redaktionstelefon oder spontan auf der Straße Mist findet, dass auf dem Pößnecker Marktplatz kein Maibaum steht. Und wenn ich den Menschen dann einfach mal frage, ob er denn weiß, wann zuletzt ein Maibaum hochgezogen wurde, dann lauten die Antworten in etwa so: „Letztes Jahr hatten wir doch einen! Oder?“

Seit längerer Zeit steht maximal der Weihnachtsbaum auf dem Pößnecker Markt. Der letzte Maibaum wurde 2013 aufgestellt. Seither sparen sich der Bauhof und die Feuerwehr die Mühe, weil sich zu viele Pößnecker die Pflege dieser Tradition gespart haben. Es hatte sich zuletzt für den Fleischer nicht mehr gelohnt, einen Grill aufzubauen und Getränke kühl zu halten, weil die Nix-los-in-der-Stadt-Fraktion lieber ihre Meinung pflegt, statt regelmäßig dabei zu sein, wenn etwas angeboten wird im Stadtkern. Den Wert mancher Dinge weiß man eben erst dann zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind.

Umso schöner ist es, dass dieser Brauch in den Ortsteilen gepflegt wird – in Schweinitz beispielsweise. Da wird morgen ab 13.30 Uhr zum ersten Pößnecker Sonntags-Streifzug der Saison eingeladen. Und vielleicht wird da verraten, wie es die 75 Seelen im Dorf – anders als die schätzungsweise 7500 Menschen in der Kernstadt – schaffen, althergebracht in den Mai hinein zu feiern. Da können die Pößnecker froh sein, auch ihre Schlettweiner und Köstitzer zu haben.