Die Wende in Pößneck aus Sicht der Kirche betrachtet

Pößneck.  Im Museum 642 erinnern sich Redner der Montagsdemonstrationen, Dieter Teichmann und Pfarrer Wolfgang Schütz, an die Ereignisse vor 30 Jahren.

Dieter Teichmann (links) gestaltete seinen Rednerpart als offene Diskussionsrunde im Laubengang des Pößnecker Stadtmuseums.

Dieter Teichmann (links) gestaltete seinen Rednerpart als offene Diskussionsrunde im Laubengang des Pößnecker Stadtmuseums.

Foto: Marcus CislaK

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Zur Auftaktveranstaltung der ökumenischen Gebetswochen im Pößnecker Stadtmuseum kamen knapp 30 Interessierte, um den Ausführungen von zwei Zeitzeugen der politischen Wende zu lauschen. Konfessionsübergreifend organisiert vom Verein Mittendrin gedachten am Samstagnachmittag die Besucher an zwei ausgewählten Stationen im Museum 642 den ergreifenden Ereignissen in Pößneck der Jahre 1989/90. Viele Impulse setzten damals Kirchenvertreter und boten in den Gotteshäusern ein Forum für freie Reden, Halt und Schutz. Der Friedebacher Pfarrer Wolfgang Schütz, der einst die Vakanz in der Pößnecker Gemeinde innehatte, und Dieter Teichmann, welcher damals bewegende Reden auf dem Marktplatz hielt, blickten zurück.

Ersterer verpackte eigene Erlebnisse in einer Andacht auf der Empore im Museum. Er erinnerte an ihm wichtig erscheinende Akteure, die bereits verstorben sind, und erzählte in eindringlichen Worten, dass er in seinen damaligen Predigten das Beschreiten des Wegs der Freiheit ohne Gewalt propagierte. „Die Stadtkirche war so voll, wie nie zuvor. Hunderte saßen in den Gängen und standen auf den Treppen“, schilderte er seine Eindrücke. Er und andere wollten mit ihren Reden von der Kanzel den Montagsdemonstranten Mut machen, um anschließend auf dem Marktplatz ihre Emotionen vor tausenden Zuhörern kundzutun, Forderungen aufzustellen und sich nicht von der DDR-Staatsmacht einschüchtern zu lassen.

Aufruf: Erinnerungsstücke zur Wende fürs Museum sammeln

Auf dem Weg zur zweiten Station, dem lichtdurchfluteten Laubengang im Museum, passierten die Besucher den Raum der Courage. „Dieser zeigt das kontinuierliche bürgerschaftliche Engagement der Pößnecker“, erklärt Museumsleiterin Antonie Lau. In dem Raum ist unter anderem ein originales Transparent der Demonstranten von 1989 zu finden, aber auch einige wenige Fotografien aus der Zeit. „Ich wünsche mir, dass sich noch einige Pößnecker melden, um viele Dokumentationslücken schließen zu können“, regte sie an. Über Tagebuchaufzeichnungen, Stichpunkte oder auch Erinnerungsstücke würde sie sich freuen.

„Wir konnten uns nur selbst helfen“

Der spätere stellvertretende Bürgermeister Dieter Teichmann nahm die Hinweise gern auf für seinen Vortrag. Er gestaltete ohne viel Worte zu verlieren, seinen Part wie eine offene Diskussionsrunde. Eine der Anwesenden nahm den Anlass zu fragen, ob es eine Vorbereitungsrunde für die Reden auf dem Pößnecker Marktplatz gab. Teichmann vereinte das entschieden. „Es gab keine Rednerlisten, keine Zeiten, jeder der wollte, ging auf die Treppen und sprach“, erinnert er sich. Er habe sich keine Gedanken gemacht, was er vor den Versammelten erzählte. „Wir wussten, wir konnten uns nur selbst helfen.“ Er habe nur sein Innerstes nach Außen gekehrt. Und meint: „Noch bevor in Leipzig von Wiedervereinigung gesprochen wurde, sagte ich auf den Montagsdemonstrationen in Pößneck: ‘Die einzige Lösung aus der Misere ist die Einheit Deutschlands’“, zitierte er sich selbst. Er sei rückblickend froh, die turbulente Wendezeit miterlebt haben zu dürfen. Er wünschte sich, dass die Erinnerungen an die nachfolgenden Generationen weitergetragen werden.

Der jetzige Pößnecker Pfarrer Jörg Reichmann, selbst Zeitzeuge der Wendegeschehnisse – allerdings in Nordthüringen – , fasste es mit wenigen Worten zusammen: „Es war ein Wunder, dass es damals so friedlich ablief.“ Er hielt schließlich im Lichthof zum Abschluss der Auftaktveranstaltung der Gebetswochen eine Andacht. Darin würdigte er auch das Wirken und Bewirken der Christen in Pößneck, heute wie damals.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.