Eine längst überfällige Würdigung für Willy Müller-Gera in Pößneck

Pößneck.  Dem Maler und Grafiker, der in den 1920er- und 1930er-Jahren in Pößneck tätig war, ist eine Sonderausstellung im Museum 642 gewidmet

Interessiert betrachteten die Besucher der Ausstellungseröffnung die gezeigten Werke von Willy Müller-Gera.

Interessiert betrachteten die Besucher der Ausstellungseröffnung die gezeigten Werke von Willy Müller-Gera.

Foto: Theresa Wahl

„Auf diese Ausstellung waren wir schon lange gespannt und es war schon lange fällig, dass dieser Künstler in Pößneck gewürdigt wird“, sagte Julia Dünkel, Kulturamtsleiterin von Pößneck, am Samstag zur Eröffnung der Sonderausstellung „Der Maler und Grafiker Willy Müller-Gera. Zwischen Landschaftsmalerei, Karikatur und Werbegrafik“ im Museum 642 in Pößneck. Der 1887 in Gera geborene Willy Müller-Gera, bürgerlich Wilhelm Paul Müller, war ein facettenreicher und talentierter Künstler und Grafiker, der ein umfangreiches und vielschichtiges Werk hinterlassen hat.

Die Werkschau im Museum 642 zeigt einen Querschnitt dieses Schaffens. Im Fokus steht dabei die Pößnecker Zeit Willy Müller-Geras, der hier in den 1920er- und 1930er-Jahren als Werbegrafiker tätig war. Zunächst arbeitete er als angestellter Leiter des grafischen Ateliers für den Vogel-Verlag in Pößneck und legte die Basis für die grafisch und künstlerisch anspruchsvollen Titelblätter der sehr erfolgreichen Offertenblätter und Fachzeitschriften aus dem Verlagsprogramm. In seinem eigenen Grafik-Atelier in Pößneck schuf er auch für andere Firmen, unter anderem für die Pößnecker Rosenbrauerei, ganz charakteristische Werbegrafiken. „Seinem beruflichen Werdegang sind zwei Vitrinen gewidmet. Den größten Raum nehmen seine künstlerischen Arbeiten ein, die er neben seiner Tätigkeit als Grafiker schaffte. Im Zentrum der Ausstellung steht die Weichgrundtechnik, die besonders für Willly Müller-Gera war“, erklärte Antonie Lau, Kuratorin der Schau und Leiterin des Museums 642. Zu sehen sind außerdem weitere Techniken wie Aquarell- und Ölmalerei. Auch zwei Unikate von unveröffentlichten Comics aus dem Nachlass von Willy Müller-Gera werden ausgestellt.

Großes Engagement machte Schau möglich

Dass diese besondere Schau nun im Museum 642 zu sehen ist, ist mehreren engagierten Menschen zu verdanken. Zu nennen ist zunächst Klaus Müller, Sohn von Willy Müller-Gera, der seinen Lebensabend in Pößneck verbrachte und seither versuchte, in der Stadt eine Ausstellung mit den Werken seinen Vaters auf die Beine zu stellen, deren Umsetzung er aber leider nicht mehr miterleben konnte. Klaus Müller verstarb im Frühjahr 2018. Mit großem Engagement haben darüber hinaus die Pößnecker Heimatforscher Wolfgang Lutz und Karl Ernst mitgewirkt, welche die Schau nicht nur mit heimatgeschichtlichen Recherchen unterstützten, sondern auch den Kontakt zwischen Klaus Müller und Kuratorin Antonie Lau herstellten. Ebenso engagierte sich in dem Projekt der Pößnecker Albrecht Hofmann, der zum einen als Leihgeber zu nennen ist, und zum anderen den Kontakt zu Katharina Zimmer herstellte. Die Enkelin von Willy Müller-Gera stellte den überwiegenden Teil der gezeigten Werke exklusiv für die Sonderausstellung in Pößneck zur Verfügung.

Eröffnunglockte viele Interessierte

Darüber hinaus sind Objekte aus dem Museum für Angewandte Kunst Gera und dem Museum Schloss Burgk zu sehen.

Der Einladung zur Ausstellungseröffnung am Samstag waren nicht nur viele Besucher gefolgt, sondern auch der Geraer Kunsthistoriker Patrick Golenia, der einleitende Worte zum Künstler gab, sowie Katharina Zimmer, die extra aus Köln angereist war. „Für mich ist das ein ganz besonderer Abend“, sagte sie in ihrem Grußwort, in dem sie nicht nur auf die Biografie ihres Großvaters einging, sondern auch persönliche Erinnerungen an sein künstlerisches Schaffen teilte. „Es ist toll, dass so eine große Vielfalt seiner Werke gezeigt werden kann und sein Wirken damit gewürdigt wird. Das ist eine tolle, spannende Sache. Das große Interesse an der Ausstellung freut mich sehr“, sagte sie beim anschließenden Rundgang.

Die Sonderausstellung, zu der auch ein umfassenden Katalog erhältlich ist, ist bis zum 19. April 2020 zu sehen

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