Bauern

Eine Orlataler Reaktion auf Bauernproteste

Oppurg.  Die Bauernproteste in Berlin klingen im Orlatal nach. Zufrieden ist man nicht mit den Ergebnissen.

Am 25. November 2019 starteten mehr als 200 Traktoren von Triptis aus auf der Autobahn 9 zu einer Protestaktion der Landwirte in Berlin.

Am 25. November 2019 starteten mehr als 200 Traktoren von Triptis aus auf der Autobahn 9 zu einer Protestaktion der Landwirte in Berlin.

Foto: Martin Schöne

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Als Reaktion auf die Bauernproteste, bei denen auch zahlreiche Landwirte mit Traktoren aus dem Orlatal teilnahmen, rief die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag zu einem Agrargipfel im Kanzleramt. Sie sprach ihre Wertschätzung gegenüber den in der Landwirtschaft Beschäftigten aus und kündigte Dialogforen an. Die Branche soll außerdem mehr in die Umsetzung der Natur- und Umweltschutzgesetze einbezogen werden.

Die Entwicklungen in Berlin werden auch hierzulande genau beobachtet. „Das Ziel der Proteste war, dass wir wieder wahrgenommen werden“, sagt der Vorsitzende der Landgenossenschaft Oppurg, Matthias Schein. Dass mehr wert auf Arten- und Grundwasserschutz gelegt werden soll, findet er nicht schlecht. Allerdings werde die Landwirtschaft als der Hauptschuldige für Umweltprobleme an den Pranger gestellt. „Studien belegen, dass Abwasser- und Kläranlagen einen Anteil an den Verunreinigungen im Grundwasser haben“, so Matthias Schein.

Ein Beispiel ist die verschärfte Düngeverordnungen (OTZ vom 18. Oktober). „Wir haben eine amtliche Erlaubnis für die in Deutschland zugelassenen Dünger. Wir setzten diese aufs notwendigste reduziert ein.“ Er findet außerdem, dass Neuzulassungen von Pflanzenschutzmitteln behindert werde. „Wir verlieren nach und nach unser Handwerkszeug“ und vergleicht es mit dem Hammer der Zimmerleute. Man grabe mit Einschränkungen und Strafandrohungen den Landwirten das Wasser ab. Er gibt außerdem zu bedenken, dass etwa ein Siebtel der Werktätigen im Saale-Orla-Kreis in der Agrarbranche tätig sind. Die Arbeitsplätze würden durch einige politischen Entscheidungen gefährdet. Deshalb: „Die Politik darf uns nicht ignorieren.“

Die jüngsten Proteste zeigen, dass sich die Landwirte wehren können gegen die als ungerecht empfundenen Verordnungen. Denn Teilhabe und Mitbestimmung sei ihnen wichtig. Doch das Gegenteil sei der Fall. Matthias Schein meint: „Wie wir die Nahrungsmittel erzeugen, wird gesellschaftlich wenig wertgeschätzt.“ Die Supermärkte sind voll, Agrar-Produkte aus allen Teilen der Welt sind im Überfluss vorhanden. Er fährt fort: „Die großen Handelsketten diktieren den regionalen Bauern die Preise, weil wir am Ende der Handelskette sind. Der Einfluss der Industrie ist enorm“, klagt er an.

„Insgesamt bin ich enttäuscht, dass die Kanzlerin sich mehr Zeit für die Industrie als für die Versorgung der Gesellschaft mit Nahrungsmitteln nimmt. Das ist eine sehr traurige Entwicklung.“ Vertreter des marktbestimmenden Einzelhandels müssten deshalb auch an den Verhandlungstisch gezogen werden.

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