Wilhelmsdorf

Erstmals Bäume zum Selbstschlagen in Wilhelmsdorf

Wilhelmsdorf.  Nicole Bohn, ihr Vater und Bruder, sowie ein Freund treten in die Fußstapfen der Großeltern und züchten Weihnachtsbäume in Wilhelmsdorf.

Nicole Bohn zeigt das Werkzeug mit dem Interessierte auch arbeiten können.

Nicole Bohn zeigt das Werkzeug mit dem Interessierte auch arbeiten können.

Foto: Marcus Cislak

„Meine Oma Isolde glaubte 2013 nicht, dass sie es noch erlebt, dass sie einen der eigenhändig gepflanzten Tannenbäume in ihrer Stube haben wird“, sagt Nicole Bohn. Nun wartet einer der tausenden Weihnachtsbäume auf die 88-Jährige. Für Familie Bohn ist das Aufleben des Betriebs eine emotionale Angelegenheit, denn die Großeltern, Harry und Isolde, begannen kurz nach der politischen Wende mit dem Züchten des stacheligen Grüns und ernteten die Bäume. Vor etwa sechs Jahren traten Sohn Dieter und die Enkel Markus und Nicole in die Fußstapfen der Großeltern. Ihnen zur Seite steht der Freund der Familie, Robert Däumer. Jetzt ernten die vier die Früchte jahrelanger Pflege, um die sich hauptsächlich Nicole kümmert. Denn ab Samstag eröffnet die diesjährige Weihnachtsbaumsaison in Wilhelmsdorf. Bis zum 23. Dezember kann sich jeder Interessierte einen Baum auf der Plantage auch selbst absägen.

„Der Trend geht wieder zum frischen Grün in der Wohnstube“, findet die selbstständige Landschaftsbauerin. Es habe etwas Besinnliches, Entschleunigendes, wenn man mit der ganzen Familie stressfrei durch die Baumreihen streift, um den geeigneten Tannenbaum auszusuchen. Und um schließlich das ideale Nadelgehölz mit einer Handsäge zu fällen. „Wenn man den Baum draußen stehen lässt, kann er etliche Wochen, zum Teil Monate, schön bleiben“, gibt sie einen Tipp. Und räumt auch mit dem Irrglauben auf, dass ein Baum möglichst frisch geschlagen sein muss, bevor er in die Stube gestellt wird. Denn erst die höheren Innenraumtemperatur lassen den Baum schneller nadeln und er wird braun.

Schon bei der Aufzucht hatte Familie Bohn mit der wenigen Feuchtigkeit der vergangenen beiden Jahren zu kämpfen gehabt. „Der Mai und Juni sind bei den im Oktober zuvor gepflanzten Setzlingen entscheidend: In den beiden Monaten sollte es ausreichend regnen“, weiß sie aus Erfahrung. Es war nicht genug. Viele sind „verbrannt“, wie sie sagt. Die kleinen, kaum ein Jahr stehenden Bäumchen hätten die Sonneneinstrahlung und die Trockenheit nicht überstanden. Deshalb ersetze sie die nadligen Pflanzen rasch und hegt diese bis sie Wohnzimmer-groß sind.

Einige von ihnen spenden die Bohns auch Pößnecker Sozialeinrichtungen der Volkssolidarität. Drei Kitas, die Geschäftsstelle und das Pflegeheim erhalten jeweils einen Baum in den kommenden Tagen. „Die Kindergartenkinder der Villa Kunterbunt, Pusteblume und Regenbogenland dürfen sich darauf freuen.“ Außerdem werden 500 Euro aus dem Verkaufserlös an eine weitere Einrichtung gespendet, kündigt Nicole Bohn an.

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