Experten nehmen Schlossmühlentalbrücke bei Neustadt unter die Lupe

Neustadt  Bauwerksprüfung läuft. In luftiger Höhe schwingen die Prüfer den Hammer und hören genau hin.

Am Montag ist die Bauwerksprüfung an der Schlossmühlentalbrücke bei Neustadt an der Orla in vollem Gange. Mit dem Brückenuntersichtgerät kann der gesamte Bereich unter der Brücke untersucht werden.

Am Montag ist die Bauwerksprüfung an der Schlossmühlentalbrücke bei Neustadt an der Orla in vollem Gange. Mit dem Brückenuntersichtgerät kann der gesamte Bereich unter der Brücke untersucht werden.

Foto: Martin Lücke

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Wie klingt eigentlich eine gesunde Brücke? Stefan Reiser und Susanne Hahn lassen sich nicht zweimal bitten und führen den Gast auf dem Untersichtgerät zu einem Brückenlager der Schlossmühlentalbrücke bei Neustadt. Reiser schlägt an einer bereits untersuchten Stelle mit dem Zimmermannshammer gegen den ­Beton, um den Unterschied zu verdeutlichen. Zwei-, dreimal klingt es stumpf und fest, dann einmal etwas scheppernder, ­irgendwie schriller. Letzteres deute auf eine Hohlstelle hin, womöglich eine beginnende ­Abplatzung, erläutert Hahn: „Nichts Gravierendes, das wird dokumentiert.“

Die beiden sind Bauingenieure und Brückenprüfer der Weimarer Planungsgesellschaft Reiser+Schlicht und an ihrem Arbeitsort unterhalb der 360 Meter langen Brücke am Montag mit der Bauwerksprüfung beschäftigt. Das Außergewöhnliche dabei ist nicht nur die Tatsache, dass die Arbeitsbühne, ein Brückenuntersichtgerät der Berliner Firma Easy-Lift, frei unterhalb der Brücke manövriert werden kann, sondern auch die komplexe Aufgabe, alles so zu dokumentieren, dass der Auftraggeber, das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, am Ende die entsprechenden Rückschlüsse ziehen kann.

Die Grundkonstruktion der Brücke sei im 21. Jahr ihres Bestehens top in Schuss, unterstreicht Susanne Hahn. Der Zustand der Brücke werde auf Standsicherheit, Dauerhaftigkeit und Verkehrssicherheit geprüft und benotet. Neben dem Stahl- und Spannbeton der Brückenkonstruktion werden im Rahmen dieser Hauptprüfung auch Lager, Pfeiler, sowie der Überbau aus Fahrbahn, Gehwegen und Geländern kontrolliert. Hierbei würde jede Auffälligkeit im Prüfbericht notiert. Dieser liege in elektronischer Form beim Landesamt vor. Solche Datensätze würden stets fortgeschrieben, sodass eine Entwicklung über die Zeit ersichtlich wird und je nach Lage entsprechende Maßnahmen koordiniert werden könnten. Das helfe der Verwaltung zum Beispiel, mögliche Sanierungsaufträge zusammenzufassen und gebündelt zu vergeben.

Ingenieurbauwerke wie Brücken, Verkehrszeichenbrücken, Tunnel, Stützbauwerke oder Lärmschutzbauwerke sind alle sechs Jahre einer intensiven Hauptprüfung zu unterziehen, „bei der alle Bauteile handnah von einem sachkundigen Ingenieur zu untersuchen sind“, teilt das Landesamt für Bau und Verkehr mit. Darüber hinaus werden zwischen den Hauptprüfungen noch so genannte „Einfache Prüfungen“ (drei Jahre nach Hauptprüfung) sowie Besichtigungen und „laufende Beobachtungen“ durchgeführt und alle Ergebnisse protokolliert. „Durch diese konsequente Bauwerksprüfung und Überwachung können Schäden rechtzeitig erkannt und, zur Gewährleistung der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, auch recht-zeitig beseitigt werden.“ Am Montag vor Ort anwesend ist Thomas Wirth vom Landesamt. Er sagt, die Ergebnisse würden von der Behörde eingehend geprüft und es finde viel Kommunikation mit den beauftragten Prüf-Ingenieuren statt. Alle paar Jahre müssen diese ihre Qualifikation im Rahmen spezieller Lehrgänge auffrischen.

„Für die Untersicht und die Pfeiler haben wir zwei Tage eingeplant“, führt Susanne Hahn aus. Für einen Tag geht es dann noch zur Kontrolle ins Innere des Hohlkastenquerschnitts der Brücke, um auch da umfassende Untersuchungen vorzunehmen.

Stefan Reiser geht auf den Arbeitsalltag ein: „Hier hat man ein gutes Sicherheitsgefühl.“ Anders sei das etwa bei Prüfungen von Verkehrszeichenbrücken, wenn direkt unter einem der Autobahnverkehr vorbeirase. Da denke man eher an das Risiko, dass ein Verkehrsteilnehmer in den Hubwagen knallen könnte, als unter der im Vergleich zu manchen Autobahnen recht ­ruhigen B 281 bei Neustadt.

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