Feuchtsenken nahe Finkenmühle sollen den Kiebitz anlocken

Dreba/Finkenmühle.  Der Bodenbrüter soll Vogel des Jahres 2021 werden. Die Arbeitsgruppe des Naturschutzbundes aus Dreba unterstützt dies.

Der Kiebitz als Bodenbrüter benötigt Feuchtsenken. Der Nabu Dreba hat solche nahe der Finkenmühle geschaffen.

Der Kiebitz als Bodenbrüter benötigt Feuchtsenken. Der Nabu Dreba hat solche nahe der Finkenmühle geschaffen.

Foto: Jürgen Auerswald

„Wir unterstützen die Wahl des Kiebitzes“, erklärt Jürgen Auerswald vom Arbeitskreis des Naturschutzbundes (Nabu) in Dreba. Was er meint: Der Nabu in Thüringen schickt als Kandidaten für die Vorwahl zum Vogel des Jahres 2021 den Kiebitz ins Rennen – und dies ist ganz im Sinne der Naturfreunde in Dreba.

Denn der Kiebitz ist im Freistaat mittlerweile vom Aussterben bedroht. „Er braucht dringend mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Deshalb ist er unser Lieblingsvogel, für den wir gerne Wahlkampf betreiben“, sagt Klaus Lieder, Sprecher des Landesfachausschusses für Ornithologie im NABU Thüringen.

„Der Kiebitz ist ein Charaktervogel unserer Landschaft“, findet Jürgen Auerswald. Durch die sich ausbreitende Landwirtschaft aber sei der Lebensraum des Bodenbrüters immer mehr verloren gegangen. Vor etwa zwei Jahren habe man daher in Zusammenarbeit mit der Agrofarm Knau im Naturschutzgebiet nahe der Finkenmühle damit begonnen, Grünland zu schaffen.

Auf 25 Hektar Ausgleichsfläche vom Autobahnbau habe man vor einem Jahr, also Weihnachten 2019, zum Beispiel begonnen, Blühwiesen und fünf Feuchtsenken zu schaffen. Unterstützung gab es dabei vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr.

Die Blühwiese ist deshalb wichtig, weil sie für Artenvielfalt bei den Insekten sorgt – die wiederum Nahrungsquelle für Vögel sind. Die Feuchtsenken, die temporär Wasser anstauen, wiederum sind wichtig als Brutplätze für Bodenbrüter wie den Kiebitz. Auch für andere Tiere wie Amphibien wird das Gebiet als Lebensraum wieder attraktiv, weiß Jürgen Auerswald.

„Wir haben außerdem 600 Stecklinge eingesetzt“, berichtet er weiter. Diese abgeschälten Weidenäste, die etwa 50 bis 60 Zentimeter hoch sind, dienen als „Hochsitz“ für die Vögel, von denen aus sie die Insekten sehen können. Positive Effekte könnte das beispielsweise auch auf die Population der Grauammer auswirken, ein Vogel, der in hiesigen Breiten auch weitgehend verschwunden ist, wie Jürgen Auerswald sagt.

Es soll kein Zoo entstehen

Wichtig sei, dass man keinen Zoo erschaffen wolle – also Arten ansiedeln, die es von Natur aus hier nicht gegeben hat. Sinnvoll und wichtig sei es aber, die Lebensbedingungen so zu gestalten, dass Arten, die heimisch sind oder einmal waren, sich wohlfühlen.

„Vorerst mache ich mir auch wenig Hoffnung, dass der Kiebitz hier wieder ein regelmäßiger Brutvogel wird“, schätzt der Naturfreund ab. Wenn sich für den Anfang an mancher Stelle wieder ein Brutpaar niederlasse, müsse das genügen, findet er.

Das sei ein Grund mehr, den Kiebitz in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Noch bis Dienstag stehen alle 307 in Deutschland brütenden Vögel und die wichtigsten Gastvogelarten zur Wahl. Die zehn Kandidaten mit den meisten Stimmen gehen als Favoriten in die Hauptwahl zum Vogel des Jahres ab dem 18. Januar 2021. Am 19. März steht dann fest, wer gewonnen hat.