Gehbehinderte fühlen sich in Pößneck benachteiligt

Clara Weiland
| Lesedauer: 2 Minuten
Betroffene trafen sich in der Pößnecker Awo-Begegnungsstätte, um die Probleme der Gehbehinderten in Pößneck offen anzusprechen.

Betroffene trafen sich in der Pößnecker Awo-Begegnungsstätte, um die Probleme der Gehbehinderten in Pößneck offen anzusprechen.

Foto: Clara Weiland

Pößneck.  Betroffene benennen, teilweise unter Tränen, ihre Probleme und Sorgen im Alltag. Welche Lösungen sie sich wünschen:

Um die Sorgen gehbehinderter Pößnecker anzusprechen, hatte Ingo Böhme alle Interessierten zu einem Treffen in die Awo-Begegnungsstätte in Pößneck eingeladen. Der frühere Gastwirt sitzt selbst aufgrund einer Krankheit im Rollstuhl. Immer wieder habe er von Einheimischen gehört, wie schwierig es sei, mit einer Gehbehinderung durch Pößneck zu kommen.

Damit sich Betroffene überhaupt kennenlernen und als Gruppe ihre Vorstellungen gegenüber der Stadt, aber auch Gewerbetreibenden äußern können, kam es nun in Regie des Awo-Quartiersmanagers Stephan Tetzel schließlich zu einer Zusammenkunft mit neun Teilnehmern, die meist auf den Rollstuhl oder den Rollator angewiesen sind.

Matthias Zimmermann, dessen Frau Margret im Rollstuhl sitzt, merkte an, wie schwer es sei, mit Gehhilfe in Pößneck in ein Geschäft hinein zu kommen. Außerdem sprach er die fehlenden behindertengerechten öffentlichen Toiletten an. „Als geschädigter Mensch fühlt man sich vollkommen benachteiligt“, führte er aus.

Die auf einen Rollator angewiesene Renate Schröder ärgerte sich, dass in Pößneck quasi jeder Pflasterstein unter Denkmalschutz stehe. Andere Gesprächsteilnehmer führten aus, dass es oft nicht möglich sei, Ärzte oder Friseure aufzusuchen. Einige Gehbehinderte beantragen daher Hausbesuche. Außerdem seien Bankautomaten zu hoch für Rollstuhlfahrer. Renate Schröder würde es auch begrüßen, wenn der Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone und nicht auf dem schiefen Marktplatz stattfinden würde.

Bei ihren Gedanken an früher wurde eine der Betroffenen ganz emotional. Unter Tränen erklärte sie, wie schlimm es für sie sei, an Heiligabend nicht mehr in die Kirche gehen zu können. Denn das Stadtkirchenportal sei für Rollstuhlfahrer nicht zu bewältigen. Auch in einem Gotteshaus zu heiraten, sei für Beeinträchtigte fast unmöglich. (Wobei die katholische Kirche in Pößneck mittlerweile barrierefrei zugänglich ist.)