Gemeinsam gegen Gewalt unter Schülern in Ranis

Ranis  Stadt stemmt sich gegen ausländerfeindliche Umtriebe und Aggressionen im Umfeld von Schule und Kinderheim.

Hand in Hand versuchen in Ranis Institutionen wie die Regelschule (im Hintergrund), das Kinderheim, die Stadt, die Polizei und das Ostthüringer Schulamt auf eine Entwicklung zu reagieren, bei der Jugendliche ausländerfeindlich und gewalttätig  gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund auftreten.

Hand in Hand versuchen in Ranis Institutionen wie die Regelschule (im Hintergrund), das Kinderheim, die Stadt, die Polizei und das Ostthüringer Schulamt auf eine Entwicklung zu reagieren, bei der Jugendliche ausländerfeindlich und gewalttätig  gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund auftreten.

Foto: Martin Lücke

Es sind Herbstferien und um die Staatliche Regelschule Ranis herrscht Stille. Die Pause kommt wohl gerade recht, denn die zurückliegenden Wochen des Schuljahresanfangs waren alles andere als ereignisarm, dort am südlichen Rand der Burgstadt gleich neben dem Kinderheim.

Von Gewalt gegen Schüler mit Migrationshintergrund, ausgehend von anderen Schülern und Jugendlichen, bandenmäßiger Verabredung zu einer Straftat, Drogen und rechtsextremen Bezügen ist zu hören. Bei derart schwerwiegenden Vorkommnissen ist eine Einordnung der Hintergründe angebracht. Denn hier sind nicht nur die Ereignisse selbst, sondern auch die zielgerichtete Reaktion von Schülern, Schule, Polizei, Stadt und weiteren Akteuren von Bedeutung.

Öffentlich bekannt wurde die Entwicklung in der vergangenen Sitzung des Raniser Stadtrats. Es ging um Ereignisse aus dem August und September 2019. Der Bürgermeister Andreas Gliesing (Gewerbeverein) erläuterte, in Ranis habe es sowohl im öffent­lichen Raum als auch in der Schule Vorfälle mit Jugendlichen gegeben. „Dabei mussten wir erkennen, dass sich Gewalt an der Schule seit geraumer Zeit verschärft hat und Schulkinder mit Migrationshintergrund die Opfer waren“, sagte Gliesing gestern erneut.

Seinen vorläufigen Höhepunkt erlebte die Angelegenheit am 28. August. Eine Schülerin informierte die Schulleiterin Maren Lindig über in einer Whatsapp-Gruppe dokumentierte Pläne, an diesem Tag ausländische Schüler zu attackieren. „Die ebenso umsichtige Schulleiterin hat sofort reagiert und die Polizei informiert“, ­berichtet Gliesing weiter.

Auf OTZ-Nachfrage stellte die Polizei gestern die entsprechenden Einsatz-Informationen bereit: Demnach seien die Beamten um 11.15 Uhr aus der Regelschule darüber benachrichtigt worden, dass eine Gruppe Jugendlicher aus dem Kinderheim und eine Gruppe aus Ranis sich verabredet hätten, um ausländische Jugendliche anzugreifen, teilt eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion Saalfeld mit. Mit dem Ziel einer deeskalierenden Gefährderansprache sei eine Streife nach Ranis aufgebrochen und hätte sich im weiteren Verlauf den entsprechenden Whatsapp-Chat angesehen, wobei die Auswertung eher unkonkrete Informationen geliefert habe. Eine halbe Stunde später wurde mit zwei mittlerweile identifizierten, jugendlichen Wortführern die Gefährderansprache durchgeführt. Die Polizisten begaben sich in die Schule, um Präsenz zu zeigen und sprachen auch mit den ausländischen Jugendlichen. Laut Polizei blieb die Streife bis zur Abfahrt des Schulbusses um circa 13.45 Uhr in Ranis, um auf Nummer sicher zu gehen. Auch an den Folgetagen habe die Polizei vermehrt Präsenz in ­Ranis gezeigt, meldet der Bürgermeister.

Verbindungen zu Neuer Hitlerjugend vermutet

Unterdessen liefen in der Stadt die Pläne zu einer Reaktion seitens der öffentlichen Hand an. Denn laut Gliesing wolle man in der Burgstadt auf keinen Fall darüber hinweg sehen: „Das hat auf jeden Fall rechtsextremen Bezug“, sagt er und vermutet Verbindungen zu der Gruppierung, die zuletzt in Pößneck als Neue Hitlerjugend in Erscheinung trat (OTZ vom 2. Oktober). „Wir lassen uns unser System nicht kaputt machen. Darunter verstehe ich den demokratischen Rechtsstaat, die Toleranz gegenüber anderen Denkweisen und Kulturen sowie die Achtung der Menschenwürde“, so Gliesing, der auch in der Stadtratssitzung von einem Null-Toleranz-Ansatz hinsichtlich ausländerfeindlicher Übergriffe gesprochen hatte.

Auf Initiative der Schulleiterin Maren Lindig sei dann am Dienstag, 17. September, in ­Ranis ein Runder Tisch in der Sache organisiert worden. Die Schulleitung, der Leiter des Kinderheims und die Geschäftsführung des Diakonievereins Orlatal, der schulpsychiatrische Dienst und das Staatliche Schulamt Ostthüringen sowie die Polizei und Vertreter der Stadt waren laut Gliesing zusammengekommen, um zunächst „die gesellschaftlichen Institutionen zu informieren und ein konzertiertes und konzentriertes Vorgehen zu besprechen.“

Im Ergebnis sei vereinbart worden, an einem Strang zu ziehen und konsequent und umgehend auf solche Vorkommnisse zu reagieren. Das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole, Gewalt sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch im Stadtgebiet und der Schule würde Hausverbote, etwa auf dem Burgparkplatz, nach sich ziehen. „Alles wird zur Anzeige gebracht“, sagte der Bürgermeister bereits während der Stadtratssitzung.

Das unmissverständliche Ziel sei es, gewalttätige und ausländerfeindliche Entwicklungen in der Raniser Jugend und darüber hinaus gleich im Keim zu er­sticken.

Meine Meinung: Martin Lücke über Sorgen, die viel ­weiter reichen

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