Gössitz will illegale Stausee-Bootsstege beseitigen

Linkenmühle  Stauseebesitzer Vattenfall, Landratsamt Schleiz und VG Ranis-Ziegenrück nehmen bei Befahrung der Hohenwarte nicht genehmigte Anleger auf. Aufforderung zum Abriss

An der Linkenmühle liegen vor der malerischen Kulisse die Boote. Die Frage ist: Wer darf das offiziell, wer nicht?

An der Linkenmühle liegen vor der malerischen Kulisse die Boote. Die Frage ist: Wer darf das offiziell, wer nicht?

Foto: Marcus Cislak

Das Thüringer Meer ist einer wichtigsten touristischen Anziehungspunkte in der Region. Jedes Jahr pilgern Einheimische wie Auswärtige an die Stauseen, um Erholung zu suchen. Unter ihnen sind auch Bootsbesitzer. Während die einen vorhandene Anlegestellen mieten oder die Errichtung eines Stegs im Landratsamt Schleiz, beim Stauseebesitzer Vattenfall und den angrenzenden Gemeinden beantragen, versuchen andere, ihre Boote ­illegal unterzubringen. An ungenehmigten Stegen zum Beispiel.

Bei der Gemeinde Gössitz versuchten dieser Tage wieder vier Antragsteller, mit dem Bau von Bootsanlegestellen an der Gössitzer Wand und in Neumannshof durchzukommen. Alle lehnte man ab. Der Gemeinderat fasste deshalb einen Grundsatzbeschluss: Alle neuen Stegbauten, auch die, die alte ersetzen, sind abzulehnen, weil sie zur Verunstaltung des Landschaftsbildes beitragen würden. Sie seien Stolperfallen und reduzierten den Zugang zum Wasser.

In Zusammenarbeit mit der Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück und den benachbarten Gemeinden strebt Gössitz perspektivisch, wie in der Begründung des Grundsatzbeschlusses zu lesen ist, eine Beseitigung der zahlreichen individuellen Stege an. Sie sollen durch wenige einheitliche große Anlagen ersetzt werden. Die „Wild-West-Bauweise“, wie es die Wilhelmsdorfer Bürgermeisterin Anke Czieslik einmal beschrieb, soll endlich beendet werden.

Dieser Wunsch kann allerdings ohne das Energieunternehmen Vattenfall kaum umgesetzt werden. Denn ein Großteil der Uferstreifen an der Saale gehört ihm. Vattenfall vermietet und verpachtet Grundstücke. Alexander Fritz, Pächter des Gasthauses Linkenmühle und Wikingerbootsbesitzer, erklärt: „Vor mehr als drei Jahren fragte ich Vattenfall, ob ich einen Steg bauen darf. Sie stimmten rasch zu. Als Nächstes stellte ich einen Bauantrag im Landratsamt. Das allerdings zog sich ein Jahr hin.“ Auch die Gemeinde Gössitz erteilte ihr Einvernehmen. Letzteres sei allerdings eine Ausnahme gewesen, weil der Steg nur gewerblich genutzt wird. „Wir haben den einzigen öffentlich nutzbaren Steg weit und breit, nirgends sonst dürfen Boote ohne Genehmigung einfach so anlegen“, meint der Gastronom. Wer bei ihm anlegt, will beispielsweise speisen.

Weil die allermeisten Ankerplätze nicht gewerblich sind, erteilen die Gemeinden keine Genehmigungen. Um dem Wildwuchs an privaten Stegen einen Riegel vorzuschieben, befuhren Vertreter von Vattenfall, der Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück, des Fachdienstes Umwelt des Landratsamtes und die Wilhelmsdorfer Bürgermeisterin die Talsperre Hohenwarte. Das Landratsamt erklärte: „Um sich einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen, wurden bei der Befahrung die Bootsstege gekennzeichnet, die keine Registrierungsnummer von Vattenfall und somit keinen Pachtvertag für die genutzte Fläche vorweisen konnten. Die Eigentümer der Stege wurden aufgefordert, sich mit Vattenfall in Verbindung zu setzen.“

Ein Sprecher von Vattenfall ergänzte schriftlich: „Aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Nachfrage (keine Beschränkung der Bootszulassungen durch das zuständige Landratsamt) sind diese genehmigungsfähigen Bereiche für die Errichtung von Bootstegen ausgeschöpft. Es wurde eine Vielzahl von ungenehmigten Steganlagen vorgefunden. Ungenehmigte Bootsstege sind von deren Besitzern (auch unaufgefordert) zurückzubauen. Dies dient ... den vordergründigen Zielen der Gewährung der Stauanlagensicherheit und dem Naturschutz.“

Meine Meinung: Marcus Cislak über die Bootsstege an der Hohenwarte

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