Hebeanlage-Streit in Wernburg geht in die nächste Runde

Wernburg.  Argumente ausgetauscht: Bürgerinitiative Wernburg-Langenorla für gerechte Abwasserentsorgung und ZWA versammelten sich erneut in Wernburg.

Grundstücke oberhalb der Brücke in Wernburg werden wohl erst nach der Neuprüfung der Baupläne 2022 an die zentrale Kläranlage in Pößneck angeschlossen.

Grundstücke oberhalb der Brücke in Wernburg werden wohl erst nach der Neuprüfung der Baupläne 2022 an die zentrale Kläranlage in Pößneck angeschlossen.

Foto: Archivfoto: Marcus Cislak

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Einmal mehr kam die Bürgerinitiative Wernburg-Langenorla für gerechte Abwasserentsorgung (BI) dem offensichtlichen Informationsbedarf der Orlataler Bürger nach, indem die Mitglieder um Vorsitzenden Uwe Oldenburg zu einer Einwohnerversammlung am Mittwochabend riefen. Etwa 50 Interessierte, ungefähr ein Dutzend weniger als noch vor vier Wochen, kamen in den Saal im Wernburger Gewerbepark. Das Besondere war nun, dass auch Vertreter aus Neunhofen, Weira und Langendembach anwesend waren und von Befürchtungen und Erfahrungen beim Anschluss an zentrale Kläranlagen berichteten.

Sie diskutierten in der zweistündigen Zusammenkunft mit denen im Podium sitzenden Entsandten des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Orla (ZWA), dem CDU-Landtagsabgeordneten Christian Herrgott, Wolfgang Kleindienst (Birso) und dem BI-Vorstand. Uwe Oldenburg hoffte, mit den bisherigen Erfahrungen im Rücken – der erwirkte vorläufige Baustopp beim Anschluss der Wernburg-Oberdörfler – , dass „in anderen Gemeinden, denen der Anschluss an die Kläranlage noch bevorsteht, Abwasser bergab gepumpt werden muss“.

Er wünscht sich weiterhin Sachlichkeit in der Diskussion und Offenheit in Bezug auf die Baupläne seitens des Zweckverbands. Und schoss mit drastischen Worten in Richtung des bisherigen Planungsbüros aus Gera: „So viel Dilettantismus haben wir noch nicht erlebt.“

ZWA behält Kosten im Auge

Der Werkleiter des ZWA, Volkmar Göschka, versprach, ein anderes Planungsbüro zu beauftragen. Man wolle in Zusammenarbeit mit der BI sich am strittigen Abschnitt in Wernburg die örtlichen Gegebenheiten anschauen, Varianten erarbeiten und aller Voraussicht nach im Jahr 2022 die Bauarbeiten durchführen.

„Wir haben keine Schuld, es geht uns einzig ums Geld. Die Druckentwässerung stellt sich bisher als die kostengünstigste Variante heraus“, sagte Göschka. Er verwies auf die steigenden Investitionskosten, die das neue Thüringer Wassergesetz mit sich brächte. Weil etwa zehn Gemeinden im Verbandsgebiet zusätzlich angeschlossen werden müssen. Alle Kunden, also die meisten Orlataler, würden künftig ohnehin die Mehrkosten mit höheren Gebühren zu spüren bekommen. Er sieht die Thüringer Landesregierung in der Pflicht, die Bürger finanziell zu entlasten: „Wir fordern, dass es für alle Hebeanlagen Fördergelder geben muss.“

„Die Hebeanlagen stehen nicht im Fokus des Landes“, stimmte Christian Herrgott zu, während es Fördergelder für vollbiologische Kläranlagen gibt, dürfe man Besitzer von Hebeanlagen nicht schlechter stellen. „Das werde ich mit nach Erfurt nehmen“, versicherte der Landtagsabgeordnete.

Er begrüßte das bürgerliche Engagement der BI, Baupläne zur Abwasserentsorgung als nicht alternativlos hinzunehmen. Auch wenn die Druckentwässerung günstiger sei, sei sie nicht überall sinnvoll.

Kleindienst: Hebeanlagen gehören in die Hände des ZWA

Die sogenannte Einzelförderung für die privaten Anlagen sei nicht sein erklärte Ziel, so Wolfgang Kleindienst, vielmehr müssten alle Hebeanlagen in das Eigentum der ZWA übergehen. Die Aussage rief in der Einwohnerversammlung viel Applaus hervor. Er argumentierte weiter, dass das Privatvermögen der Grundstücksbesitzer schwer belastet werde. Das beeinträchtige die Kaufkraft im ländlichen Raum enorm.

In diese Kerbe schlug unter anderem auch Manfred Bihn aus Langenorla. „Ich habe mich zum Beispiel auch bei Krölpaern informiert, die Kosten von über 10.000 Euro hatten“, sagte er. Es gebe junge Familien und Rentner in Langenorla, deren Existenz dadurch bedroht sei. Manfred Müller informierte, dass sich weitere 90 Grundstücksbesitzer gegen die derzeitigen Pläne des ZWA in der Gemeinde Langenorla aussprachen. Darunter auch einige Schweinitzer. Vor einer Woche waren es noch 305 Eigenheimbesitzer, die sich in die Unterschriftensammlung eintrugen. „Bei den geschätzten 500 Grundstücken in den drei Langenorlaer Ortsteilen, ist das recht eindeutig“, findet Müller.

Der ZWA-Werksleiter Göschka bekräftigte: „Wir stehen auf der selben Seite wie die BI.“ Deren Vorsitzender Uwe Oldenburg ergänzte zum Schluss, dass alle Podiumsgäste als Ansprechpartner für die Bürger zu Verfügung ständen.

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