Jürgen Walther nach Entlassung beim VfB 09 Pößneck fassungslos

Pößneck  Nach der Trainerentlassung beim VfB Pößneck: Der geschasste Jürgen Walther spricht von Befindlichkeiten Einzelner und wittert eine Intrige, die Vereinsführung begründet die Trennung mit der langfristigen Perspektive.

Ganz plötzlich wurde es einsam um Jürgen Walther. Zwei Tage nach dem Pokalaus trennte sich der VfB von seinem bisherigen Trainer.

Ganz plötzlich wurde es einsam um Jürgen Walther. Zwei Tage nach dem Pokalaus trennte sich der VfB von seinem bisherigen Trainer.

Foto: Alexander Hebenstreit

Jürgen Walther spricht von „absolutem Wahnsinn“. Es sei „im Endeffekt total verrückt“ und „menschlich eine Katastrophe“. Formulierungen wie diese sind es, die dem – nun ehemaligen – Trainer des VfB 09 Pößneck immer wieder über die Lippen kommen, während er über seine Demission spricht. Auch einen Tag nach seiner Entlassung als Coach der Blau-Gelben wirkt er noch aufgewühlt und kann die Entscheidung der Vereinsführung nicht nachvollziehen.

48 Stunden nach der Pokalniederlage seiner Mannschaft beim unterklassigen FSV Orlatal zog der VfB 09 einen überraschenden Schlussstrich und erklärte das Kapitel Jürgen Walther nach rund 20 Monaten für beendet. Wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt, sei der Entschluss nach intensiven Gesprächen im Vorstand sowie nach Rücksprache mit den Spielern der ersten Mannschaft gefallen und habe nichts mit den sportlichen Ergebnissen zu tun. Das allerdings wäre angesichts der Maximalausbeute von neun Punkten in der Kreisoberliga aber auch vermessen.

Pokalaus nicht entscheidend, aber . . .

Ausschlaggebend war offenbar nicht das Hier und Jetzt sondern der Blick nach vorn. „Es geht nicht um die Person Jürgen Walther. Er ist ein guter Trainer, aber es gab einfach verschiedene Ansichten, wie wir die Mannschaft langfristig entwickeln wollen. Es ist in meinen Augen kontraproduktiv, wenn man verschiedene Philosophien verfolgt“, erklärt der VfB-Vorsitzende Marco Lucanus auf Nachfrage. Explizit wolle er den Schnitt nicht am Pokalaus festmachen, er hat jedoch auch ein Aber parat. „Gegen so einen Gegner kann man sicher auch einmal verlieren, aber es wurmt einen, dass man auch spielerisch keinen Klassenunterschied sieht“, so Lucanus.

Das Gerücht, dass es im Vorstand unterschiedliche Ansichten zur Personalie gab, bestätigt er zumindest indirekt: „Es sind nicht immer alle einer Meinung, aber am Ende haben wir ein gemeinsames Ziel. Es gab Diskussionen, aber letztlich stehen alle zu der Entscheidung.“

Entlassung wie aus heiterem Himmel

Zurück bleibt ein nun ehemaliger Trainer, dem die Entlassung spürbar zu schaffen macht. „Für mich kam das aus heiterem Himmel und ich werde es auch in einem halben Jahr nicht verstehen können“, erklärt der ­40-Jährige und spricht von persönlichen Befindlichkeiten und Intrigen Einzelner. „Allein über die Art und Weise kann man sich auslassen und ich muss einfach sagen: Das regt mich auf“, so Walther – dennoch in einem ruhigen Ton. Mit Blick auf das offizielle Statement des Vereins merkt er sarkastisch an: „Nicht, dass ich noch aus Pößneck ausgebürgert werde.“

Während Walther am Dienstagabend seine Sachen an der Warte zusammenpackte, leitete bereits sein Nachfolger das Training. Wie bereits vor Walthers Verpflichtung übernimmt Johannes Liebmann interimsweise den Posten. Der 24-Jährige ist Inhaber der B-Lizenz und sagt, dass er mit dem Team wieder Emotionen über den Sport transportieren wolle. „Ich habe Vertrauen in den Kader und will die Spieler weiterentwickeln – und zwar im Mannschaftsgefüge und nicht als Individualisten.“

VfB 09 nimmt sich Zeit für Suche nach Nachfolger

Wie lange er das Ruder bei den Blau-Gelben übernimmt, ist noch unklar. „Wir sind uns dessen bewusst, dass es dauert, einen richtig guten Trainer zu finden. Noch gibt es keine Kandidaten, aber wir werden uns die Zeit nehmen, um uns damit zu befassen“, erklärt Liebmann, der beim VfB 09 auch als sportlicher Leiter fungiert. Dem Vernehmen nach wird Johannes Liebmann die Mannschaft mindestens bis zur Winterpause trainieren.

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